Sicherer als das Original

Was genau stellt nun Wine zur Verfügung? Zum einen den angesprochenen Programmloader für Windows-Programme. Mit ihm lassen sich 32-Bit- und 16-Bit-Windows-Programme, aber auch DOS-Programme in den Arbeitsspeicher laden und zur Ausführung bringen. Der größte Teil von Wine besteht jedoch aus Programmcode, der die von DOS- und Windows-Programmen erwarteten APIs zur Verfügung stellt. Diese befinden sich wie unter Windows in speziellen Bibliotheken, welche vom Loader oder während der Laufzeit mit dem auszuführenden Windows-Programm verbunden werden, so dass es genau die gleiche Funktionalität vorfindet, wie unter Windows.

Aus der Sicht des Linux-Kernels ist Wine ein gewöhnliches Linux-Programm, das nicht einmal besondere Rechte benötigt, um ausgeführt zu werden. Windows-Programme können mit Wine also sicherer ausgeführt werden als beispielsweise unter Windows 98, wo jedes Programm mit den Rechten zum vollständigen Zugriff auf den gesamten Rechner und alle Dateien ausgeführt wird. Die Abkürzung Wine steht übrigens in erster Linie für "Wine is not an Emulator". Damit soll ausgedrückt werden, dass Wine keinen Windows-Rechner emuliert, sondern Windows-Programme genauso direkt, wie es unter Windows der Fall ist, ausführt. Trotzdem bedeutet Wine auch Windows-Emulator, schließlich kann man die Bereitstellung des Windows-APIs auch als Emulation bezeichnen, das Wort Neu-Implementierung wäre allerdings angebrachter.

Rasante Entwicklung

Bevor es mit der Installation und Konfiguration von Wine losgeht, noch ein Wort zu dem aktuellen Entwicklungsstand von Wine: Das Projekt befindet sich derzeit noch im Alpha-Stadium, also mitten in der Entwicklung. Viele Windows-Programme laufen zwar schon recht stabil mit Wine, viele andere zur Zeit aber leider noch überhaupt nicht. Weil an Wine sehr intensiv gearbeitet wird, kann es auch immer mal passieren, dass ein Programm, welches normalerweise gut mit Wine funktioniert, mit einer neueren Ausgabe nicht mehr läuft. In solchen Fällen kann es sich lohnen, einen Bug-Report an die Wine-Newsgroup im Internet zu schicken und die nächste Version des Programm-Pakets abzuwarten.

Abbildung 3: Noch verbesserungsbedürftig: Der Explorer von Windows 95 im Fenster

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