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Red, Red Wine

Windows-Programme unter Linux

01.10.2000 Stellen Sie sich vor, Windows-Programme könnten auf jedem Linux-System benutzt werden. Und zwar ohne dass dazu ein schwerfälliger Emulator benötigt wird und ohne die Notwendigkeit, eine Lizenz für ein Windows-Betriebssystem zu besitzen. Einfach so, genauso schnell und bequem wie jedes andere Linux-Programm.

Das geht nicht, sagen Sie? Stimmt in vielen Fällen leider noch. Dass kann nicht gehen? Stimmt nicht! Das Wine-Projekt hat sich nämlich genau dies zur Aufgabe gemacht. In den letzten Jahren haben die Entwickler von Wine große Fortschritte gemacht, so dass schon heute viele Windows-Programme mit Wine unter Linux eingesetzt werden können. In diesem Artikel erfahren Sie, was Wine eigentlich ist, wie es funktioniert und wie Sie Wine auf Ihrem System einrichten können, um Windows-Programme zu benutzen.

Abbildung 1: Praktisch bei der Entwicklung von Web-Seiten. Die beiden Kontrahenten Netscape und Internet Explorer nebeneinander. Wine macht´s möglich

EXE – was soll das?

Die Tatsache, dass jeder i386-kompatible Prozessor Windows-Programme ausführen kann, reicht für sich genommen noch nicht aus, um solche Programme auch unter Linux/Intel tatsächlich starten zu können. Es wird nämlich noch etwas benötigt, das die auszuführenden Programme von der Festplatte in den Arbeitsspeicher lädt und sie dann zur Ausführung bringt. Diese Aufgabe übernimmt der sogenannte Programmloader. Wenn Sie Windows-Programme unter Windows starten, etwa indem Sie ein Programm im Startmenü auswählen, wird diese Funktion vom Windows-Betriebssystem übernommen. Linux hat selbstverständlich eine ähnliche Funktionalität, mit der native Linux-Programme geladen werden können, z. B. wenn Sie eine Applikation im KDE-Menü, von der Shell aus oder im GNOME-Panel aufrufen. Versucht der Benutzer, ein Programm zu starten, prüft das jeweilige Betriebssystem zunächst, ob die entsprechende Programmdatei auf der Festplatte in dem richtigen Dateiformat vorliegt. So wie Netscape keine StarOffice-Dateien darstellen kann, kann Linux von sich aus nämlich keine Windows-Programme laden. Wird nun festgestellt, dass die auszuführende Datei ein unbekanntes Format besitzt, bricht das Betriebssystem ab und gibt eine Fehlermeldung aus. Um Windows-Programme unter Linux zu starten, wird also ein Loader benötigt, der die Programme in den Arbeitsspeicher lädt und dann zur Ausführung bringt.

Welche API verwendest Du?

Und dann gibt es noch ein zweites Problem: Jedes Betriebssystem stellt bestimmte Funktionen zur Verfügung, die von Programmen benutzt werden, um beispielsweise Dateien zu öffnen oder Daten aus dem Internet zu empfangen. Diese Schnittstellen bezeichnet man als das API des Betriebssystems. Die Art, wie diese Schnittstellen benutzt werden, unterscheiden sich zwischen Windows und Linux. Wie APIs unter Windows benutzt werden, lässt sich am besten an einem Beispiel erklären: Um eine Datei zu öffnen oder zu erzeugen, verwendet man dort das API CreateFile(). Dabei handelt es sich um eine Funktion, die sich in einer Programmbibliothek befindet. Ein Windows-Programm, das diese Funktion benutzen möchte, muss nun die entsprechende Programmbibliothek (in diesem Fall ist das die Bibliothek KERNEL32.DLL) laden. Dabei wird der Funktionsaufruf des Programms mit der Funktion in der Bibliothek verbunden. Wenn die Funktion CreateFile() dann aufgerufen wird, wird die Kontrolle an die Bibliothek übergeben. Abhängig davon, um welche Version von Windows es sich handelt (Windows NT oder Windows 95/98), können schließlich von der Bibliothek aus ganz unterschiedliche weitere Funktionen aufgerufen werden, um die gewünschte Operation (also das Öffnen oder Erstellen einer Datei) auszuführen.

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LinuxUser 06/2012

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