Im Gegensatz zu VMware simuliert Win4Lin von TreLOS (http://www.TreLOS.com) keinen universellen Rechner, die Emulation ist genau auf die Bedürfnisse von Windows 95/98 abgestimmt. Das Ergebnis ist ein deutlich schlankerer und schnellerer Windows-Emulator, der aber auch nur mit den entsprechenden Windows-Versionen umgehen kann.
Spezial-Kernel
Die Installation erfordert tiefgreifende Änderungen im System, Win4Lin benötigt einen speziell angepassten Kernel. Wir nahmen uns also zuerst die auf dem FTP-Server der Firma TreLOS bereitgestellten Patches vor. Uns gelang es aber weder mit Version 2.2.16 noch 2.2.15, einen lauffähigen Kernel mit Win4Lin-Unterstützung zu bekommen. Im Fall des Kernel 2.2.16 verwendeten wir den für Red-Hat-Systeme vorgesehenen Patch, der jedoch nur unvollständig durchgeführt wurde – die Nacharbeiten erwiesen sich als umfangreich, und unsere Bemühungen endeten in einem Fehler in der Speicherverwaltung. Der Patch von Version 2.2.15 verlief sehr vielversprechend, der angepasste Quellcode ließ sich anschließend zu einem neuen Kernel kompilieren – nur nach dem Neustart beschwerte sich das Installationsprogramm, es sei keine Win4Lin-Unterstützung enthalten. Kurzum, bei den Kernel-Patches liegt noch einiges im Argen.
Um so wertvoller, dass TreLOS auf der CD gleich fertige Kernel für die unterschiedlichsten Distributionen mitliefert und noch aktuellere Versionen auf ihrem FTP-Server zur Verfügung stellt (ftp://ftp.TreLOS.com). Dabei handelt es sich um die Standard-Installations-Kernel der einzelnen Distributionen, die um den Win4Lin-Support erweitert wurden – wenn Sie mit dem Standard-Kernel aus Ihrer Distribution nicht klar kamen und ihn neu übersetzen mussten, werden Sie Win4Lin wahrscheinlich nicht einsetzen können. Der Blick ins Internet bescherte uns einen Kernel 2.2.14 für SuSE Linux 6.4 als RPM-Paket. Flugs mit rpm -i Kernel-Win4Lin1-SuSE6.4_2.2.14-02.i386.rpm eingespielt und anschließend neu gestartet, wagten wir uns an die Installation des RPM-Pakets Win4Lin1.0.rpm mit der eigentlichen Emulator-Software. Der Neustart ist übrigens erforderlich, das Emulator-Paket installiert nur auf einem Win4Lin-fähigen System, vorzugsweise in der grafischen Oberfläche.
Windows 98 SE
Zum Abschluss der Emulator-Installation wurden wir um die Windows-CD gebeten. Win4Lin stellt nur einen virtuellen PC zur Verfügung, tatsächlich läuft also ein mehr oder minder normales Windows-System. Sehr unschön: Da wir das RPM-Paket von der CD installierten, konnten wir die CD natürlich nicht unmounten – es blieb uns nichts anderes übrig, als zunächst die Installation abzubrechen. Hier wünschten wir uns etwas mehr Anwenderfreundlichkeit. Besser ist es, die Windows-CD später über das Konfigurations-Programm winsetup von Hand einzuspielen. Mittels Load Windows CD (unter System-Wide Win4Lin Administration zu finden) lesen Sie die gesamte Windows-CD inklusive einer Boot-Diskette ein. Danach können Sie die beiden Datenträger getrost archivieren, die Einrichtung von Windows erfolgt komplett von der Festplatte. Die nun folgende Windows-Installation können Sie aus Sicherheitsgründen nicht als Administrator root durchführen, Sie müssen sich als normaler Benutzer einloggen. Nach dem Wechsel rufen Sie dann unter der grafischen Oberfläche winsetup auf und wählen die benutzerdefinierte Konfiguration. Über Install Windows wird der Emulator aufgerufen und Windows Setup gestartet. In TreLOS' Support-Datenbank ist vermerkt, dass Win4Lin nur mit der US-Version von Windows laufen würde – glücklicherweise kommt Win4Lin trotzdem mit der deutschsprachigen Variante zurecht, eine US-Version von Windows 98 lag uns leider nicht vor. Nach Annahme des Microsoft-Lizenzvertrages und Eingabe der ProductID verlief zu unserer Überraschung der Rest der Installation vollautomatisch: Sämtliche Bestätigungen und Eingaben übernimmt das Win4Lin-Einrichtungsprogramm. Bei Windows 98 Second Edition war dies aber das Ende der Fahnenstange – Windows schloss zwar den ersten Teil der Installation ab, doch Win4Lin konnte seine Patches nicht an der kernel32.dll anbringen und brach ab. Diesem Problem war nicht beizukommen, auch war in der Support-Datenbank von TreLOS nirgends etwas vermerkt. Nach zwei Tagen gaben auch wir uns geschlagen.



