Wie sag' ich's meinem Mailserver?

Damit hätten wir alles, was wir brauchen, und dank des Kommandos /usr/sbin/postfix reload brauchen wir Postfix nicht einmal mit ./postfix restart im init.d-Verzeichnis neu starten. Eine neue lokale Testmail verfasst …, nur das, was ankommt, hat immer noch falsche Header (nämlich die "alte" Adresse von der linken Seite):

From trish@regtest.enitel.net  Wed Aug 23 21:19:06 2000[...]
From: trish@regtest.enitel.net (Patricia Jung)

Was haben wir da falsch gemacht?

Besonders, wenn die Benutzeranzahl eines Mailservers wächst, dauert es viel zu lange, eine ewiglange Textdatei einzulesen. Postfix kennt daher mehrere Formate, in denen es Konvertierungstabellen wie /etc/postfix/sender_canonical einliest. Welche, das verrät laut FAQ (zum Beispiel http://www.postfix.cs.uu.nl/faq.html#intranet) das Kommando

[root@pc44-148 software]# /usr/sbin/postconf -m
nis
regexp
environ
btree
unix
hash

Wir hatten mit dem Präfix hash: in sender_canonical_maps angegeben, das hash-Format zu benutzen. Das bedeutet, dass wir Postfix keine "langsame" Textdatei, sondern ein spezielles Binärformat liefern wollten.

Richtig – bis jetzt haben wir das noch gar nicht getan: Um aus der Textdatei die "Map" zu erzeugen (daher das -m im postconf-Befehl), gibt es einen speziellen Befehl namens /usr/sbin/postmap, dem wir als Argument den Namen unserer sender_canonical-Textdatei mitgeben:

[root@pc44-148 software]# /usr/sbin/postmap /etc/postfix/sender_canonical

Ein ls -al /etc/postfix verrät, dass in diesem Verzeichnis eine neue Datei namens sender_canonical.db generiert wurde. Anschließend – und dafür haben wir hart gearbeitet – klappt's auch mit der Testmail:

From pjung@linux-user.de  Wed Aug 23 22:04:02 2000[...]
From: pjung@linux-user.de (Patricia Jung)

Glossar

SMTP

"Simple Mail Transfer Protocol", die Vereinbarung, wie E-Mails durchs Internet transportiert werden.

Cron-Dämon

Als Dämon (von engl. "daemon" – "disk and execution monitor") bezeichnet man ein Programm, das als dienstbarer Geist ständig im Hintergrund läuft. Der Zeit-Dämon (je nach Distribution cron oder crond) arbeitet in Crontabs ("Cron-Tabellen") festgelegte Aufträge zum darin spezifizierten Zeitpunkt ab.

symbolischer Link

Mit dem Kommando ln -s angelegter Verweis auf eine andere Datei. So lässt sich eine Datei unter verschiedenen Namen ansprechen.

rpm oder deb

Selbstverständlich kann man Open-Source-Software jederzeit selbst kompilieren und installieren. Doch dann muss man auch darauf achten, dass verschiedene Programme nicht miteinander kollidieren, und sich merken, welche Datei man wohin gesteckt hat, um sie später sauber zu deinstallieren. Diese Mühen nehmen einem Paketmanager wie rpm (eingesetzt von Red Hat, Mandrake, Caldera, SuSE u.a.) oder dpkg/apt-get (Debian und Derivate) ab. Im Gegensatz zu Quelltextpaketen lassen sich solche Binärpakete aber meist nur auf dem System installieren, für das sie gedacht sind. rpm-Pakete erkennt man an der Endung .rpm, Debian-Pakete an .deb.

Abhängigkeiten

(engl.: "dependencies") Klassische Unix-Mailprogramme setzen voraus, dass sie die mit ihnen fabrizierten E-Mails an einen lokalen Mailserver los werden können – sie sind von ihm derart abhängig, dass ihre Existenz auf einem Rechner ohne MTA nicht gerade sinnvoll ist. Jedes rpm- oder deb-Paket enthält solcherart Information, sodass der Paketmanager die (De-)Installation einer Software verweigern oder zumindest warnen wird, wenn eine Beeinträchtigung der Funktionalität des Gesamtsystems oder einiger seiner Teile zu erwarten steht. Ähnlich wenig sinnvoll ist es, für den Hausgebrauch zwei verschiedene Mailserverprogramme neben einander zu installieren, und sei es nur, weil beide andere Vorstellungen vom jeweils eigenen /usr/sbin/sendmail-Link haben.

POP

Das "Post Office Protocol" bietet eine Möglichkeit, auch dann Mail zu erhalten, wenn man nicht ständig mit seinem eigenen SMTP-Server online ist. Hier spielt der POP-Server des Providers Postfach und erlaubt der Kundin, die (per SMTP) eingesammelten und zwischengelagerten Mails zu einem späteren Zeitpunkt mit einem passenden Werkzeug (fetchmail) oder einem POP-fähigen Mailprogramm abzuholen.

.

Ausführbare Dateien in Verzeichnissen, die nicht im Such-Pfad liegen, muss man mit komplettem Pfad aufrufen. Liegt das Programm im aktuellen Verzeichnis, lautet dieser . ("Punkt"). echo $PATH gibt den Such-Pfad aus.

Spammer

Firma oder Mensch, die/der andere Menschen durch Zusenden unverlangter E-Mailwerbung ("Spam") belästigt. Da Spammer meist selbst nicht gern eine ebensolche Flut ungehaltener Antwortmails zurück bekommen wollen, fälschen sie Absenderadressen und benutzen fremde Mailserver ("Open Relays") für ihre Aktivitäten, wenn diese nicht genau darauf achten, von wem sie Mail entgegen nehmen und an wen sie Mails weiter leiten.

CR/LF

Die guten alten (nach den gleichnamigen Aktionen bei der Schreibmaschine benannten) ASCII-Zeichen Wagenrücklauf ("Carriage Return") und Zeilenvorschub ("Line Feed") werden zwar nur unter DOS und Abkömmlingen gleichzeitig durch den Druck auf die Enter-Taste erzeugt, sollen aber in diesem Zusammenhang andeuten, dass man doch bitte Return drücken soll. Unter Unix ist ein harter Zeilenumbruch übrigens nur ein LF (unter MacOS nur ein CR), was zum Beispiel gewisse Editoren unter Windows oder auch Drucker im ASCII-Modus übel nehmen. Daher ist es sogar bei reinen Textdateien wichtig, auf die richtige Kodierung des Zeilenumbruchs zu achten und ggf. Tools wie dos2unix und unix2dos zur Umwandlung zu benutzen.

DNS

Das "Domain Name System" sorgt als auf viele Maschinen (Nameserver) verteilte Datenbank dafür, dass man Rechner statt über die menschenunfreundlichen numerischen IP-Adressen wie 195.143.20.22 auch über ausgeschriebene textuelle Adressen ("www.linux-magazin.de"), bestehend aus Rechnernamen ("www"), Subdomäne(n) ("linux-magazin") und Top-Level-Domäne ("de") ansprechen kann. Im DNS ist zudem eingetragen, welcher Mailserver Mail für eine bestimmte Domäne (zum Beispiel linux-magazin.de) entgegen nimmt.

FQDN

Der "Fully Qualified Domain Name" eines Rechners besteht aus dem Rechnernamen (zum Beispiel www) und der vollständigen Domäne (linux-magazin.de).

Header

Eine Mail besteht immer aus zwei Teilen: den Verwaltungsinformationen wie Absender- und Empfängeradresse, Betreff (Subject), Art des Dokuments (MIME-Type) usw. sowie der eigentlichen Nachricht, dem Body. Viele Mailprogramme verstecken die meisten Header vor den Benutzern. Wie man sie komplett angezeigt bekommt, ist vom MUA abhängig. Die meisten Unix-Mailclients speichern die Mails jedoch in ihrer originalen ASCII-Text-Form ab (selbst gif-Bilder oder doc-Dateien werden für den Mailtransport in lauter ASCII-Zeichen umgewandelt und müssen vom Mailprogramm nachher wieder in ihr ursprüngliches Format gebracht werden). Damit kann man sich mit einem einfachen less /var/spool/mail/benutzername (bzw. der passenden Datei(en)) die gesamte Inbox mit den ungeschminkten Headern anschauen.

grep

Ein Standard-Unix-Kommandozeilenwerkzeug zum Auffinden von Zeichenketten. Schiebt man die Ausgabe eines Befehls (hier von rpm -ql postfix) durch die "Pipe" | "ins grep-Kommando hinein", so sucht es dort nach dem angegebenen String (hier nach main.cf).

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