Wie wird man Sendmail los?

Daneben hat Postfix den Vorteil, dass er vielen Distributionen als rpm oder deb-Archiv beiliegt oder zumindest als solches erhältlich ist. Red-Hat-Nutzer/innen finden das Paket zwar nicht in der Core-Distribution, dafür aber in den Powertools (zum Beispiel unter ftp://ftp.redhat.com/pub/redhat/powertools/6.2/i386/i386/).

Da sich eine ganze Reihe Programme vom Paketmanager nur dann problemlos installieren lassen, wenn der auch um die Existenz eines MTAs weiß, ist es für einigermaßen harmonieliebende Menschen beinahe zwingend notwendig, auch den SMTP-Server unter Obhut des Paketmanagers zu installieren. Sonst sind rpm oder dpkg an Bockigkeit fast nicht zu überbieten.

Genau mit diesem Problem haben wir auch zu kämpfen, wenn wir Sendmail ersetzen wollen. Einfaches Installieren (-i) des Postfix-Pakets als root funktioniert erstmal nicht:

[root@pc44-148 software]# rpm -ivh postfix-19991231_pl02-4.i386.rpm
error: failed dependencies:
        sendmail conflicts with postfix-19991231_pl02-4

Die vorsorglich mit auf den Weg gegebene Option -h (wie "hash", womit die #-Zeichen gemeint sind, die den Statusbalken einer somit eingeschalteten Fortschrittsanzeige bilden) kommt gar nicht erst zum Tragen, da sich rpm schlichtweg weigert, ein Paket einzuspielen, dessen Abhängigkeiten nicht erfüllt sind. Dank -v ("verbose" – "geschwätzig") erfahren wir immerhin in aller Ausführlichkeit, dass Sendmail und Postfix einander ausschließen.

Na gut, dann deinstallieren (-e wie "erase") wir das sendmail-Paket halt…

[root@pc44-148 software]# rpm -e sendmail
error: removing these packages would break dependencies:
        smtpdaemon is needed by fetchmail-5.3.1-1
        smtpdaemon is needed by mutt-1.0.1i-6
        smtpdaemon is needed by nmh-1.0.3-6x

… oder auch nicht: Die installierten Mailprogramme mutt und nmh sowie der "(POP-)Mailabholer" fetchmail wollen ihren SMTP-Server partout nicht hergeben. Ohne ihn wäre ihre Funktionalität eingeschränkt, und da sie ja nicht wissen, dass wir ihnen sofort einen neuen Mailserver an die Hand geben wollen, stellt sich rpm quer.

Doch wir wären nicht Herrin unseres Rechners, wenn wir nicht trotzdem irgendwie aus dieser Zwickmühle heraus kämen. Die rpm-Manpage ist da trotz aller Komplexität recht hilfreich: Mit der Option --nodeps ("no dependencies") gibt man dem Paketmanager zu verstehen, dass er Abhängigkeiten einfach übersehen soll.

Vorsicht ist allerdings die Mutter der Porzellankiste: Kommt nach dem Einspielen von Postfix überhaupt wieder alles in Ordnung für unsere sendmail-liebenden Mailhelfer? Fragen ("query": -q) wir doch einfach das Postfix-rpm-Paket (-p wie "packet"), was es denn eigentlich zur Verfügung stellt (--provides).

[trish@pc44-148 software]$ rpm -qp --provides postfix-19991231_pl02-4.i386.rpm
MTA
smtpd
smtpdaemon

Die Antwort lässt uns den folgenschweren Schritt der Sendmail-Deinstallation ruhig angehen: Der von mutt, fetchmail und nmh angemahnte smtpdaemon kommt mit der Postfix-Installation tatsächlich wieder ins Haus.

Also wagen wir uns ins nunmehr nicht mehr ganz so Ungewisse:

[root@pc44-148 software]# rpm -e --nodeps sendmail
[root@pc44-148 software]# rpm -ivh postfix-19991231_pl02-4.i386.rpm
postfix                     ##################################################
postfix-script: warning: creating missing Postfix pid directory
postfix-script: warning: creating missing Postfix incoming directory[...]
postfix-script: warning: creating missing Postfix private directory

rpm meckert nicht mehr, dass wir mit dem Löschen (-e) Paketabhängigkeiten zerstören, und mit deinstalliertem sendmail sehen wir auch etwas vom Fortschrittsbalken (-h). Dank eingeschalteter Geschwätzigkeit (-v) erfahren wir von rpm, dass beim Einspielen des postfix-Pakets ein paar vorher noch nicht vorhandene Verzeichnisse ("directories") namens pid, incoming usw. angelegt wurden.

Gnadenlose Deinstallation mit Debians

apt-get

oder

dpkg

Auch der Debian-Paketmanager meckert natürlich, wenn man ihm dringend gebrauchte Pakete mit -r oder --remove unter dem Hintern wegziehen will:

lillegroenn:/home/trish/docs#  dpkg -r sendmail
dpkg: dependency problems prevent removal of sendmail:
 mutt depends on mail-transport-agent; however:
  Package mail-transport-agent is not installed.
  Package sendmail which provides mail-transport-agent is to be removed.[...]
 anacron depends on exim | mail-transport-agent; however:
  Package exim is not installed.
  Package mail-transport-agent is not installed.
  Package sendmail which provides mail-transport-agent is to be removed.[...]
dpkg: error processing sendmail (--remove):
 dependency problems - not removing
Errors were encountered while processing:
 sendmail

Doch dank der --force-Option ist auch dem beizukommen. --force selbst kennt, wie man von dpkg --force-help erfährt, jede Menge Feintuningsoptionen, zum Beispiel

depends [!]            Turn all dependency problems into warnings

Alle Abhängigkeitsprobleme in simple Warnungen umwandeln? Das sieht in diesem Fall ganz nach unserem Geschmack aus. Wer doch noch ein wenig Herzklopfen vor dem alles entscheidenen dpkg -r --force-depends sendmail hat, kann zunächst erst einmal einen Trockenlauf (--no-act) starten, bei dem nichts Ernsthaftes passiert:

lillegroenn:/home/trish/docs#  dpkg --no-act -r --force-depends sendmail

Nach der langen Warnliste erklärt uns dpkg dann mit einem lapidaren

Would remove or purge zmailer ...

, dass es uns – wenngleich widerstrebend – den Platz für die Postfixinstallation mit dpkg -i postfix_0.0.19991231pl05-2_i386.deb oder apt-get install postfix frei macht.

Selbstverständlich lässt sich auch apt-get zum Entfernen (remove) des störrischen sendmails benutzen:

lillegroenn:/home/trish# apt-get --no-act remove sendmail
Reading Package Lists... Done
Building Dependency Tree... Done
The following packages will be REMOVED:
  anacron mailx mutt sendmail
0 packages upgraded, 0 newly installed, 4 to remove and 16 not upgraded.
Remv anacron
Remv mailx
Remv mutt
Remv sendmail

Wie zu sehen, löst dies das Abhängigkeitsproblem auf eigene Art: Es entfernt all die Pakete, die einer sauberen Deinstallation im Wege wären, gleich mit.

Solange es im Hause bleibt…

Auch wenn man sich aus guten Gründen noch nicht gleich in die weite Welt hinaus trauen sollte – in der Regel können sich schon jetzt die lokalen Benutzer/innen gegenseitig Mails zuschieben. Wirklich so einfach? Mit einem

[trish@pc44-148 software]$ telnet localhost smtp
telnet: Unable to connect to remote host: Connection refused

prüfen wir, ob auf dem SMTP-Port unseres lokalen Rechners ("localhost") tatsächlich ein Mailserver lauscht. Verbindung verweigert – Pech gehabt! Keine Antwort vom Mailserver und damit auch keine Chance, das kleinste Bisschen Mail zu versenden.

Ehe Sie zu schimpfen beginnen, sollten Sie sich aber vor Augen führen, dass die Anforderungen an Mailserver so vielfältig sind, dass die meisten Administrator(inn)en ganz schön fluchen würden, liefe plötzlich nach der Installation ein Mailserver, der im schlimmsten Fall alles anders macht, als er es sollte: Falsch konfigurierte Mailsysteme können viel Ärger nach sich ziehen.

Solange Sie auf Ihrem Ein-Personen-Rechner sicher sind, dass niemand außer Ihnen Mail verschickt, dürfen Sie es allerdings schon riskieren, die mitgelieferte Konfiguration zumindest für lokale Mail einmal auszutesten.

Wie bei allen Servern, die beim Booten gestartet werden und dann ohne großes Tamtam im Hintergrund laufen ("Dämonen"), findet sich auch für Postfix eine Start-Stop-Datei im Verzeichnis init.d ("Initialisierung von Dämonen"), das sich je nach Distribution unterhalb von /etc, /etc/rc.d, /sbin o.ä befindet. (Exotendistributionen wie Slackware, die dieses praktische System-V-Init-Konzept nicht benutzen, bespreche ich an dieser Stelle ausdrücklich nicht.)

Wechselt man mit cd in dieses Verzeichnis, so reicht ein /postfix start, um einem telnet localhost smtp bei sinnvoller Vorkonfiguration ein Bereitzeichen zu entlocken:

Trying  127.0.0.1...
Connected to localhost.
Escape character is '^]'.
220 rechnername ESMTP Postfix

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