The Answer Girl

Ab geht die Post

Dass der Computeralltag auch unter Linux des Öfteren für Überraschungen gut ist, ist eher eine Binsenweisheit: Immer wieder funktionieren Dinge nicht oder nicht so, wie eigentlich angenommen. Das Answer-Girl im LinuxUser zeigt, wie man mit solchen Problemchen elegant fertig wird.

Es mag in der Windows-Welt noch so unüblich sein, dass ein Heim- oder Arbeitsplatz-PC mit einem eigenen Mailserver ausgestattet ist – bei Linuxinstallationen gehört der SMTP-Server (auch MTA – "Mail Transfer Agent" – genannt) aus gutem Grund zur Basisausstattung. Ohne ihn sähen zum Beispiel Programme wie der Cron-Dämon, der die automatische Abarbeitung bestimmter Aufgaben zu festgelegten Zeiten steuert, recht alt aus, da sie Fehler- wie Erfolgsmeldungen gern per Mail an die zuständige lokale Benutzerin verschicken.

Auch wenn man sonst als Heimanwenderin aus Sicherheitsgründen möglichst alle Internetserver abschaltet (Dienste, die der eigene Rechner nicht anbietet, können auch nicht von Netzbösewichtern missbraucht oder angegriffen werden) – warum sollte man sich mit dem ohnehin sinnvollen lokalen SMTP-Server nicht gleich beim Mailversenden vom Provider unabhängig machen?

Es muss nicht immer Sendmail sein

Vorinstalliert ist bei vielen Distributionen der Großvater unter den MTAs, Sendmail. Dieses Programm ist zwar sehr mächtig, hat aber einen großen Nachteil: Seine Konfigurationsdatei, /etc/sendmail.cf, ist so geschrieben, dass sie von Maschinen leicht, von Menschen hingegen nur schwer gelesen (und verstanden) wird.

Zwar kann man bei den heute verbreiteten Versionen eine leichter verständliche sendmail.mc-Datei erstellen und diese mit dem m4-Präprozessor in eine passende sendmail.cf umschreiben lassen, doch Hand auf's Herz: Trauen Sie sich zu, ein Programm richtig und sicher zu konfigurieren, dessen Versionsnummer Sie nicht etwa mit sendmail -v oder sendmail --version, sondern lediglich mit

[trish@pc44-148 software]$ /usr/sbin/sendmail -d0 -bt < /dev/null

heraus finden können?

Viele Probleme mit Sendmail treten nur deshalb auf, weil selbst einigermaßen bewanderte Unix-Nutzer/innen nicht die Energie haben, vielhundertseitige Dokumentationswälzer von Vorn bis Hinten durch zu ackern. Dies hat allerdings dazu geführt, dass das Aufsetzen eines eigenen Mailservers als nur von Gurus beherrschbar gilt.

Alternativen wie Sand am Meer

Dem muss nicht so sein, denn zum Glück stört solcherart Benutzerfeindlichkeit selbst die Gurus, die dann eben mal einen eigenen Mailserver schreiben. So hat man mittlerweile die Wahl zwischen den unterschiedlichsten Sendmail-Alternativen – vom "kleinen" smail angefangen über Postfix, Exim, den speziell für stark benutzte Mailserver optimierten Zmailer bis hin zum recht gewöhnungsbedürftigen Qmail. Alle sind gegenüber Anwendungen, die mit Sendmail rechnen, in gewisser Weise flexibel: So findet sich aus Kompatibilitätsgründen immer ein symbolischer Link mit Namen /usr/sbin/sendmail.

Für die Heimbenutzerin spielt optimales Verhalten des MTAs unter großer Last – ein K.O.-Kriterium für Internet-Service-Provider, Universitäten oder große Firmen – keine Rolle. Hier stehen vernünftige Dokumentation und vergleichsweise einfache Installation und Konfiguration im Vordergrund. Alle drei Kriterien zusammen werden meiner Erfahrung nach von Postfix (http://www.informatik.uni-bonn.de/pub/software/postfix/start.html) am besten abgedeckt. Zudem besticht er durch ein vernünftiges Sicherheitskonzept.

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