nt4.gif

Virtuelle Maschinen

Nicht nur Windows sondern ein ganzer PC

01.10.2000
Vielleicht das populärste Produkt unter den Windows-Emulatoren ist VMware, ein kommerzielles Programm der US-basierten Firma gleichen Namens. Dabei ist VMware mehr: Hier wird gleich ein ganzer PC emuliert.

Sieht man eine frisch installierte und passend konfigurierte VMware-Installation zum ersten Mal starten, ist es schon eine kleine Sensation: In einem schwarzen Fenster erscheint die BIOS-Einschaltmeldung eines gewöhnlichen PCs, der Speicher wird hochgezählt, und man hat die Möglichkeit, das BIOS-Setup aufzurufen.

Installation von VMware

Um in den Genuss der Windows-Emulation zu kommen, sind zwei Schritte notwendig: zunächst ist die VMware-Software selbst zu installieren – um VMware benutzen zu können, ist eine Lizenz nötig. Diese können Sie entweder kostenlos von VMware's Homepage (http://www.vmware.com) als 30-Tage-Test-Lizenz beziehen, oder Sie kaufen eine (dauerhafte) VMware-Lizenz; in beiden Fällen müssen Sie ein Verzeichnis .vmware in Ihrem Home-Verzeichnis anlegen und die Lizenz dort unter dem Namen license ablegen. Das VMware-Programmpaket ist nicht von der Art der Lizenz abhängig: VMware kommt sowohl mit Test- als auch "richtigen" Lizenzen klar. In den meisten Fällen werden Sie ein rpm-Paket installieren (bei SuSE Linux 7.0 z. B. die Datei full-names/vmware-2.0-55.i386.rpm auf der vierten CD). Dieses installieren Sie wie üblich als Administrator root mit dem Befehl

rpm -i vmware-xxx.i386.rpm

Damit ist VMware aber noch nicht einsatzfähig, da es einige spezielle Kernel-Module benötigt, die auch schon im VMware-Paket für verschiedene Kernel-Versionen enthalten sind. Um diese zu installieren (oder eventuell von Hand zu erzeugen), rufen Sie (wieder als root) das Programm vmware-config.pl auf. Es beginnt dann ein längeres (englisch-sprachiges) Frage-und-Antwort-Spiel, bei dem Sie unter anderem die notwendigen Kernel-Module installieren und ggfs. einen DHCP-Server aufsetzen, mit dem das künftige Gast-Betriebssystem automatisch eine eigene IP-Adresse beziehen kann. Ihr Linux-Rechner erhält bei dieser Gelegenheit übrigens eine zweite IP-Adresse, über die er vom Gastsystem aus ansprechbar ist. Eine beispielhafte Installation mit Erläuterungen finden Sie im Kasten "Installation mit vmware-config.pl".

Installation mit vmware-config.pl

[root@dual esser]# vmware-config.pl
Making sure VMware's services are stopped.
...
Trying to find a suitable vmmon module for your running kernel.
None of VMware's pre-built vmmon modules is suitable for your running kernel. Do
you want this script to try to build the vmmon module for your system (you need
to have a C compiler installed on your system)? [yes] [Return]
What is the location of the directory of C header files that match your running
kernel? [/usr/src/linux/include] [Return]

Sollten sich die Header-Dateien des Kernels an anderer Stelle befinden, dann geben Sie den korrekten Pfad an; /usr/src/linux/include/ sollte aber meistens richtig sein.

Extracting the sources of the vmmon module.
...
The module loads perfectly in the running kernel.
Making sure that both the parport and parport_pc kernel services are available.
Trying to find a suitable vmppuser module for your running kernel.
None of VMware's pre-built vmppuser modules is suitable for your running kernel.
Do you want this script to try to build the vmppuser module for your system (you
need to have a C compiler installed on your system)? [yes] [Return]

Es folgt die gleiche Prozedur für ein Kernel-Modul, das später den direkten Zugriff auf die Druckerschnittstelle erlaubt – so sollten sich z. B. Parallelport-Scanner unter Windows direkt ansprechen lassen.

Extracting the sources of the vmppuser module.
...
The module loads perfectly in the running kernel.
Do you want this script to automatically configure your system to allow your
Virtual Machines to access the host filesystem? (yes/no/help) [yes] [Return]
The version of Samba used in this version of VMware is licensed as described in
the "/usr/share/doc/packages/vmware/SAMBA-LICENSE" file.
Hit enter to continue. [Return]
Enabling networking (this is required to share the host filesystem).
Trying to find a suitable vmnet module for your running kernel.
None of VMware's pre-built vmnet modules is suitable for your running kernel. Do
you want this script to try to build the vmnet module for your system (you need
to have a C compiler installed on your system)? [yes] [Return]

Und nochmal das gleiche Spiel: Das vmnet-Modul wird später für die Netzwerk-Verbindung zwischen Linux und dem Gastsystem notwendig sein.

Extracting the sources of the vmnet module.
...
The module loads perfectly in the running kernel.
Enabling host-only networking (this is required to share the host filesystem).
Do you want this script to probe for an unused private subnet? (yes/no/help)
[yes] [Return]

Unter Umständen kann VMware selbst ein freies Subnetz, also eine Sammlung von IP-Adressen, finden, das noch nicht verwendet wird. Dies ist wichtig, damit es nicht zu Konflikten kommt. In diesem Fall hat es nicht geklappt:

Probing for an unused private subnet (this can take some time).
Unable to sendto: Network is unreachable
We were unable to locate an unused Class C subnet in the range of private
network numbers, because we did not manage to send ICMP ping packets on the
network (which is normal if your host is not connected to an IP network). You
will need to explicitly specify a network number.

Geben Sie hier die IP-Adresse ein, die Ihr Linux-Rechner später aus Sicht des VMware-Rechners, also von Windows aus, haben soll. In der Regel bietet sich eine Adresse der Form 192.168.x.y an. Die zugehörige Netmask ist 255.255.255.0.

What will be the IP address of your host on the private network?

[192.168.2.1] 192.168.2.1 [Return] What will be the netmask of your private network? [255.255.255.0] [Return] This system appears to have a CIFS/SMB server (Samba) configured for normal use. If this server is intended to run, you need to make sure that it will no conflict with the Samba server setup on the private network (the one that we use to share the host filesystem). Please check your /etc/smb.conf file so that: . The "interfaces" line does not contain "192.168.2.1/255.255.255.0" . There is a "socket address" line that contains only your real host IP address

Wenn Sie einen SAMBA-Server verwenden, muss dieser so umkonfiguriert werden, dass er Zugriffe vom virtuellen PC aus erlaubt. Dann können Sie z. B. Ihr Linux-Home-Verzeichnis unter Windows einem Laufwerksbuchstaben zuordnen und auf Ihre privaten Dateien zugreifen.

Hit enter to continue.
Starting VMware services:
   Virtual machine monitor                     [  OK  ]
   Virtual bidirectional parallel port         [  OK  ]
   Virtual ethernet                            [  OK  ]
   Bridged networking                          [  OK  ]
   Host-only and samba networking (background) [  OK  ]
You have successfully configured VMware to allow your Virtual Machines to access
the host filesystem.  Your system appears to already be set up with usernames
and passwords for accessing the host filesystem.  Would you like to add another
username and password at this time? (yes/no/help) [no] yes

Der folgende Dialog erscheint nur, wenn ein laufender SAMBA-Server gefunden wurde. Sie können dann einen neuen Benutzer anlegen, unter dem Sie sich von Windows aus am SAMBA-Server anmelden können:

Please specify a username that is known to your host: esser
New SMB password:
Retype new SMB password:
Added user huhn.
Password changed for user esser.
You have successfully configured VMware to allow your Virtual Machines to access
the host filesystem.  Your system appears to already be set up with usernames
and passwords for accessing the host filesystem.  Would you like to add another
username and password at this time? (yes/no/help) [no] [Return]

(Ein neuer Account reicht…)

...

The configuration of VMware 2.0 build-476 for Linux for this running kernel completed successfully. You can now run VMware by invoking the following command: "/usr/bin/vmware". Enjoy, --the VMware team [root@dual esser]#

Damit beendet vmware-config.pl seine Arbeit.

VMware für die Windows-Installation vorbereiten

Beim ersten Start von VMware (durch Eingabe von vmware als normaler Anwender (nicht als root) können Sie den VMware Configuration Wizard aufrufen, mit dem Sie VMware auf die Windows-Installation vorbereiten. Wählen Sie dazu zunächst das Gast-Betriebssystem aus; in VMware 2.0.x werden die Systeme MS-DOS, Windows 3.1, 95, 98, NT 4.0 und 2000 sowie Linux und FreeBSD angeboten; auch mit anderen Systemen können Sie experimentieren, wir betrachten hier aber nur die Installation von Windows, da es in unserem Schwerpunkt um Windows-Emulation geht. Wählen Sie also im ersten Dialog des Configuration Wizard die Windows-Version aus, die Sie auf der virtuellen Maschine installieren wollen (Abb. 1).

Abbildung 1: Der Configuration Wizard ist auf die Installation einer Reihe von Betriebssystemen vorbereitet

Als nächstes ist ein Verzeichnis auszuwählen, in dem VMware Windows installieren soll. Dort wird keine Verzeichnisstruktur mit lesbaren Windows-Dateien angelegt, sondern VMware speichert dort eine Datei, die eine virtuelle Festplatte beherbergt. Aus Sicht von Windows wird dies später ein ganz normale (zunächst unpartitionierte) Platte sein, die von Windows dann wie üblich partitioniert und formatiert wird. Ein guter Ort für dieses Verzeichnis ist /home/user/vmware/windows/; VMware schlägt ein passendes Verzeichnis vor. Wichtig ist, dass in diesem Verzeichnis ausreichend freier Speicher zur Verfügung steht; schließlich nimmt Windows eine Menge Plattenplatz in Anspruch. Im nächsten Dialog ist dann anzugeben, wie groß die virtuelle Festplatte sein soll; Windows 2000 verlangt hier ca. 900 MB, ältere Windows-Versionen geben sich auch mit deutlich weniger Platz zufrieden. Geben Sie in den folgenden Masken an, ob das CD-ROM-Laufwerk und das Diskettenlaufwerk beim künftigen Start von VMware für das Gast-Betriebssystem verfügbar sein soll – eine positive Antwort auf diese Fragen hindert Sie übrigens nicht daran, CD oder Diskette auch unter Linux zu mounten.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Der PC-Emulator VMware Workstation 4.5.2 für Linux
    Der kommerzielle PC-Emulator VMware liegt mittlerweile in der Version 4.5.2 vor. Viele Anwender schätzen ihn als das Non plus ultra in Sachen virtueller PC.
  • VMware Workstation 3.2
    Windows auf einem Linux-Host – da steckt meist VMware dahinter. Wo und wie dieses Gespann zusammengeht, wo Probleme mit der neuen Version 3.2 auftreten können und wie Sie diese umgehen, erfahren Sie im folgenden.
  • Aller guten Dinge
  • Virtuelle Maschine im Eigenbau
    Mit VMware Workstation und Parallels Workstation erzeugen Sie virtuelle Rechner auf dem eigenen PC. Auf so einer Maschine installieren Sie dann ein weiteres Linux, Windows oder ein anderes Betriebssystem. Wie Sie beide Produkte für die von EasyLinux unterstützten Distributionen einrichten, zeigt dieser Beitrag.
  • VMware 4.0 im Test
    Mit der neuen Version von VMware hat sich in Bezug auf die Benutzerfreundlichkeit für Linux-Anwender einiges getan. Wir haben uns VMware 4.0 im Kurztest angesehen.
Kommentare

Infos zur Publikation

title_2014_09

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...
o2 surfstick software für ubuntu?
daniel soltek, 15.07.2014 18:27, 1 Antworten
hallo zusammen, habe mir einen o2 surfstick huawei bestellt und gerade festgestellt, das der nic...
Öhm - wozu Benutzername, wenn man dann hier mit Klarnamen angezeigt wird?
Thomas Kallay, 03.07.2014 20:30, 1 Antworten
Hallo Team von Linux-Community, kleine Zwischenfrage: warum muß man beim Registrieren einen Us...