GNOME Foundation

Auf der Linux World Expo in San Jose wurde, drei Tage vor dem dritten Geburtstag von GNOME (18.8), offiziell die Gründung der GNOME Foundation angekündigt. Die wurde schon auf der GUADEC [1] beschlossen. Die Reden liefen live über Realaudio und wurden – da die Übertragung sehr instabil war – im Channel #press auf irc.gnome.org mitgetippt.

Die Mitglieder der GNOME-Gemeinschaft wählen die Vorsitzenden der GNOME Foundation. Sie wird als Anlaufstelle für Unternehmen und die Presse fungieren und GNOME finanzielle und eventuell rechtliche Unterstützung bieten. Was die GNOME Foundation genau ist, lesen Sie unter [2]. Das Dokument ist aber noch im Aufbau.

Parallel zur GNOME Foundation wurde das GNOME Advisory Board angekündigt. Mitglieder im GNOME Advisory Board sind Firmen, die GNOME unterstützen wollen. Dazu gehören im Moment natürlich Helix Code und Eazel, aber auch große Namen wie IBM und Compaq. Die Firmen kündigten an, wie sie GNOME unterstützen werden.

Compaq wird GNOME auf das neue IPAQ PDA [3] portieren, das hier schon letzten Monat erwähnt wurde. Außerdem setzen Sun und HP den GNOME-Desktop in Zukunft auf Solaris und HP-UX anstelle von CDE ein, was ein wichtiger Schritt für GNOME ist. Damit hat GNOME die Chance, Linux und Unix vom Interface her zu vereinigen.

Natürlich spielt StarOffice [4] eine wichtige Rolle in der Zukunft von GNOME. Die gesamte Pressekonferenz kann man sich unter [5] anhören.

Dokumentation und Übersetzung

Nicht nur Programmierer können zu GNOME beitragen. Wer Interesse hat, kann bestehende Programme dokumentieren oder übersetzen. Die Dokumentation von GNOME wird im Docbook-Format geschrieben, dessen Syntax der von HTML sehr ähnlich und schnell zu lernen ist. Eine Einführung zu GNOME-Dokumentation finden Sie unter [6]. Das Übersetzen von Programmen ist dank Gettext sehr einfach, Sie brauchen sich nicht mit dem Sourcecode des Programmes auseinanderzusetzen. Zur Übersetzung, auch als i18n (kurz für internationalisation) bekannt, gibt es eine gute Einführung unter [7]. Eine Übersicht über bereits ins Deutsche übersetzte Programme und allgemeine Informationen bietet [8]. Es müssen natürlich nicht nur Programme übersetzt werden, die bestehende Dokumentation soll in Zukunft mehrsprachig werden. Wer Fragen zu diesen Themen hat, kann diese im GNOME IRC (irc.gnome.org) in den Channels #i18n bzw. #docs stellen oder auf der GTP- [9] bzw. GDP-Seite [10] nachschauen.

Evolution

Im Programm Evolution [11] sind ein Mail-Client, ein Kalender und eine Adressverwaltung kombiniert. Wen das an Outlook erinnert, der liegt richtig: Das Look & Feel ist an das Microsoft-Programm angelehnt. Vor allem das Mail-Programm hat trotz der niedrigen Versionsnummer bereits interessante Feature.

Sie können fast alle Einstellungen bequem mit einem Wizard vornehmen, der Sie durch die Konfiguration führt. So ist es relativ einfach möglich, die Mails nach bestimmten Gesichtspunkten zu ordnen, ohne dafür eine spezielle Syntax wie bei Procmail lernen zu müssen.

Evolution unterstützt virtuelle Mail-Ordner, in die alle Mails, die einem bestimmten Suchmuster entsprechen, sortiert werden. Dank der Library Ibex kann Evolution in der Ordneransicht sehr schnell nach bestimmten Mails suchen, wobei nur der wirkliche Text und keine MIME-codierten Anhänge berücksichtigt werden.

HTML-Mails stellt Evolution dank GtkHTML dar. Wenn GPG/PGP installiert ist, kann Evolution inzwischen mit verschlüsselten Mails umgehen; um (englische) Rechtschreibung beim Erstellen von Mails zu kontrollieren, greift Evolution auf Aspell zurück. Vcards zeigt Evolution am Ende der Mail an und kann sie im Adressbuch speichern; Adressen lassen sich von LDAP Servern laden. Eine der interessantesten Libraries, die Evolution verwendet, ist aber Bonobo.

Mit Bonobo können bestimmte Teile von Evolution in anderen Programmen verwendet werden. Wenn also ein anderes Programm ein Mail-Interface braucht, greift es einfach auf Teile von Evolution zurück. Bei Evolution wird außerdem die eigentliche Arbeit von Backends erledigt, während ein Frontend für das User Interface zuständig ist. Das heißt, der Benutzer könnte zu Evolution z. B. ein Web-Interface schreiben.

Der Kalender bietet die üblichen Funktionen wie Monats-, Wochen- und Tages-Übersicht sowie Todo-Liste. Auch die Adressverwaltung hat die gewohnten Features. Man kann sich die die Adressen in Kartenform oder in einer Liste anzeigen lassen. Aus allen Ansichten kann man, wie man das unter GNOME gewohnt ist, mit Vorschau drucken.

Eine Synchronisation mit einem Palm Pilot ist mit etwas Aufwand möglich. Dazu braucht man zusätzlich pilot-link und gnome-pilot aus dem CVS, was man dann mit der Option --enable-oaf kompilieren muss. Im GNOME CVS [12] werden immer die neusten Quelltexte zentral gespeichert. Ich würde aber davon abraten, CVS zu benutzen, wenn man sich nicht gut mit dem System auskennt.

Evolution an sich lässt sehr bequem installieren. Wer den Helix-Updater hat, kann einfach den Evolution Mirror auswählen, um die neuste Version (Zu Redaktionsschluss nur für Red Hat) zu installieren. Der Updater installiert gleich die vielen von Evolution benötigten Libraries mit.

Wer den Updater nicht hat, kann sich die Quelltext-Archive unter [11] downloaden. Obwohl die Oberfläche von Evolution leicht darüber hinwegtäuscht, ist es noch nicht für den täglichen Gebrauch geeignet. Man sollte auf jeden Fall vor dem Einsatz alle Mails sichern, weil Evolution noch öfters abstürtzt. Wenn das passiert, kann der Benutzer übrigens alle Komponenten, die sich noch im Speicher befinden mit dem Befehl killev beenden.

Evolution in Aktion

Galeon

Galeon [13] ist ein neuer Browser für GNOME. Das Besondere an dem Programm ist, dass Galeon wirklich nur ein Browser ist und dadurch wesentlich kleiner und schneller als Netscape und Mozilla. Galeon bietet inzwischen fast alles, was man von einem Browser verlangt und ist relativ stabil.

Die eigentliche HTML-Darstellung überlässt Galeon Gecko, der Rendering Engine von Mozilla. Und hier zeigt sich dann der Pferdefuß des Programms: Galeon bindet Mozilla über das gtkmozembed Widget in das Hauptfenster ein, was natürlich bedeutet, dass man zusätzlich zu Galeon noch Mozilla installieren muss. Nicht unbedingt das, was sich jemand wünscht, der auf einen kleinen Browser zurückgreift, weil er nicht so viel Speicherplatz hat.

Unter [14] findet man aktuelle Mozilla RPMs. Nachdem man diese installiert hat, muss man noch die Variable $MOZILLA_FIVE_HOME mit dem Befehl export MOZILLA_FIVE_HOME=/usr/lib/mozilla/ (oder wo immer Mozilla installiert ist), auf das Verzeichnis von Mozilla setzen.

Obwohl Galeon ein eigenes XML-Lesezeichenformat verwendet, kann es Lesezeichen aus Netscape importieren. Auch andere Features wie ein Verlauf der besuchten Seiten und intelligente Adressenvervollständigung werden inzwischen unterstützt. Die Größe der Fonts in der Seite kann man mit dem Zoom einstellen. Um Dateien downzuloaden, greift Galeon wieder auf ein anderes Programm, den GNOME Transfer Manager [15] (vgl. LinuxUser 07/2000, S. 26), zurück. Galeon startet GTM automatisch, wenn man einen Dateityp lädt, der in Einstellungen/Dokumente/MIME-Typ als Save to Disk konfiguriert wurde.

Galeon auf der eigenen Homepage

Bubbling Load monitor

Der Bubbling Load monitor [16] ist ein kleines Applet, das die aktuelle Systemlast anzeigt. Dabei repräsentiert der Wasserstand im Applet den belegten Speicher. Das Wasser färbt sich je nach Belegung des Swap-Speichers von Blau nach Rot, und die Prozessorlast wird durch kleine Bläschen angezeigt. Durch die ungewöhnliche Anzeige ist das Applet relativ kompakt und eine interessante Alternative zum Standard-Prozessor- und Speicherlast-Applet.

Alles im grünen Bereich

Nautilus

Nautilus [17] ist eine graphische Shell, die in Zukunft den Datei-Manager GMC ersetzen soll. Das Besondere an Nautilus sind die vielen kleinen Features, die dem Nutzer das Leben versüßen. Nautilus kann nicht nur Bilder verkleinert in der Icon-Übersicht eines Verzeichnisses darstellen, auch für Textdateien gibt es eine kleine Vorschau. Mp3s werden auf Wunsch in einer Liste mit Informationen aus dem Id3-Tag in einer Meta-Ansicht angezeigt und geordnet. Auch abspielen kann man sie, ohne Nautilus zu verlassen.

Informationen über RPMS können direkt in der Meta-Ansicht angezeigt werden, und eine direkte Installation ist möglich. HTML zeigt Nautilus wahlweise mit gtkhtml oder, wie Galeon, mit gtkmozembed an: Nautilus ist also als Browser benutzbar. Alle Icons, die Nautilus angezeigt, kann der User frei skalieren oder mit spezellen Emblemen wie "Wichtig" versehen.

Neben diesen Emblemen zeigt Nautilus an, ob man Lese- bzw. Schreibrechte auf die Datei hat. Ein anderes interessantes Feature ist, dass man in der Verzeichnisansicht "zoomen" kann: Je höher der Vergrößerungsfaktor, desto mehr Informationen werden zu den Dateien angezeigt. Die jeweiligen Einstellungen der Verzeichnisansicht legt Nautilus in der Datei .nautilus-metafile.xml im Home-Verzeichnis ab. In dieser Datei kann neben den Vergrößerungsfaktoren für einzelne Icons z. B. der Hintergrund für die Icon-Ansicht definiert werden. Nautilus kann mit eigenen Links umgehen, die auf Programme, Webseiten oder Verzeichnisse verweisen. In ~/Nautilus/ findet man einige dieser Links, die unter anderem auf die Hardware-Übersicht (hardware:overview) verweisen.

Im Panel auf der linken Seite des Hauptfensters zeigt Nautilus nicht nur die übliche Baumstruktur der Verzeichnisse an, es bietet auch eine Liste der auf dem System vorhandenen Hilfedateien und die Möglichkeit, eine Notiz zu schreiben. Außerdem sind die Suche über eine Search-Engine sowie die Generierung eines Verlaufs, wie er bei Browsern üblich ist, möglich.

Die Icons und Hintergründe, die Nautilus verwendet, sind natürlich nicht statisch: Der Benutzer kann alles via Drag & Drop umgestalten und komplette Themes laden. Nautilus kennt verschiede Einstellungen für Anfänger und erfahrene User und stellt je nach Auswahl mehr oder weniger Optionen zur Verfügung. Es ist geplant, diese ganzen Features noch durch Services der Entwicklerfirma Eazel zu erweitern. Damit wird man seine Software aktualisieren oder ein Backup bei Eazel erstellen können. Außerdem kann Eazel allgemein bei der Systemadministration behilflich sein. Neue Services können durch die Komponentenarchitektur von Nautilus leicht hinzugefügt werden.

Wie Evolution basiert Nautilus auf Bonobo. Das heißt, dass Nautilus Module von anderen Programmen laden kann, um bestimmte Dateitypen anzuzeigen. Außerdem nutzt Nautilus gnome-vfs, eine Library die es erlaubt, völlig transparent auf verschiedene lokale oder entfernte Dateisysteme zuzugreifen. Dank der Medusa Library, die einen Index der Festplatte erstellt, wird Nautilus Dateien sehr schnell finden können.

Nautilus in der Icon-Ansicht

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreiteverschwender. Unter dem Nickname Ansimorph ist er öfters in irc.gnome.org anzutreffen.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Related content

Kommentare