Die meisten aktuellen Textverarbeitungsprogramme sind sogenannte WYSIWYG-Editoren. Dabei bestimmt der Autor frei über Satzränder, Zeichengrößen, Zeilenabstände und vieles mehr. Aber das Druckbild sieht selten gut aus, denn die Optik von Dokumenten folgt gewissen Prinzipien, die mit der Wahrnehmung zusammenhängen. Die Lesbarkeit eines Textes hängt zum Teil davon ab (vom Inhalt natürlich auch).
Kryptische Befehle
Diese Richtlinien, nach denen ein Text in optimaler Weise gestaltet wird, lassen sich zu einem Katalog von Algorithmen zusammenfassen, und genau das hat Donald E. Knuth 1979 getan, als er TeX (sprich "Tech") entwickelte. Mit einem Satz von kryptischen Befehlen, die in den laufenden Text eingebaut werden, steuert der Autor die Formatierung. TeX ist eine makrofähige Programmiersprache für Schriftsatz.
Die Ausgabe von TeX ist eine Datei mit der Endung dvi. Auch LyX und natürlich KLyX erzeugen neben ihrem nativen Dateiformat dvi-Dateien. Darüberhinaus können Sie jedoch ebenfalls LaTeX-, PostScript- oder ASCII-Dateien erzeugen, vorausgesetzt, die richtigen Filterprogramme sind auf Ihrem Rechner vorhanden.
Leslie Lamport erweiterte das TeX-Paket 1985 mit einem Satz von Makro-Befehlen. Diese vereinfachten zwar den Umgang mit den Kommandos, aber die Befehle müssen nach wie vor in den Fließtext eingebaut werden, wobei eine bestimmte Syntax unbedingt einzuhalten ist. LaTeX ist ein Makropaket auf der Basis von TeX.
Matthias Ettrich begann 1995, ein Programm zu entwickeln, das das Missverhältnis zwischen einer modernen Textverarbeitung und der bis dahin immer noch unerreichten Qualität des Programms TeX beseitigen sollte. "Damals gab es überhaupt noch kein brauchbares WYSIWYG-Programm zu erschwinglichen Preisen für Linux/Unix, und ich brauchte etwas, um Seminararbeiten, Papers, Diplomarbeit etc. schreiben zu können. Rohes LaTeX war mir etwas zu umständlich."
Kein einfacher Editor
So wurde LyX geboren. Es hat eine grafische Oberfläche, und die Buttons und Menüs erinnern an einen einfachen Editor. Aber mit diesem Urteil tut man LyX (und seiner KDE-Portierung kLyX) Unrecht.
LyX baut auf TeX und LaTeX auf, zeigt aber keinen Ganzseiten-Umbruch am Bildschirm. Der Autor des Programms kreierte den Begriff WYSIWYM. Nach einigen Jahren gab er die Betreuung des Projektes an Lars Gullik Bjoennes ab, der von einigen anderen Programmierern rund um den Globus unterstützt wird. LyX ist eine visuelle Textverarbeitung, die LaTeX mit all seinen Fähigkeiten zum Ausdruck verwendet.



