Spiele über das Netzwerk

Wo sich Götter und Wizards tummeln

01.09.2000
Welches Spiel hat in letzter Zeit für viel überraschende Aufregung gesorgt, eine Horde Plagiate nach sich gezogen und ganze Spielefirmen zum völligen Umdenken der Marketingstrategie gebracht? Richtig, Ultima Online, und das, obwohl diesem Spross der traditionsreichen Ultima-Familie wegen der platten Grafik und den laufenden Kosten keine große Zukunft prophezeit worden ist. Allerdings ist dieses Phänomen nicht ganz so neu, wie viele Marketing-Direktoren gerne glauben.

Das erste wichtige Ereignis fand schon 1937 statt, bevor Konrad Zuse den ersten Computer entwickelte. J. R. R. Tolkien veröffentlicht seine Romantrilogie "Lord of the Rings". Die phantastische Welt und ihre Einwohner sind der Grundstein für die sich in den Sechzigern entwickelnden Papier-Rollenspiele. Etwas später übertrugen Studenten, unter denen die Pen & Paper-RPGs weit verbreitet waren, auf die Universitäts-Computer.

Im Jahre 1976 entsteht ADVENT (eigentlich ADVENTURE, aber das Betriebssystem der damals verbreiteten PDP/10 erlaubt nur Dateinamen mit maximal 6 Zeichen!), der Urvater aller Adventures, aus einer computer-generierten Nachbildung eines wirklichen Höhlensystems namens Mammoth & Flint Ridge. Ein Jahr später zirkuliert DUNGEN (eigentlich DUNGEON, später als kommerzielle "Zork Trilogy" als Erstlingswerk der bekannten Software-Schmiede Infocom wiederveröffentlicht) in den Netzen. Es wird so intensiv gespielt, dass viele Dekane die Benutzung auf Uni-Rechnern verbieten, damit für die wissenschaftliche Nutzung wieder Rechenzeit zur Verfügung steht.

Auf dessen Basis entwickeln Richard Bartle und Ray Trubshaw 1978 das Rollenspiel MUD (Multi-User Dungeon), in das sich mehrere Spieler gleichzeitig über das ARPAnet, den Vorgänger des heutigen Internets, einloggen, sich mit ADVENT-ähnlichen Befehlen durch einen virtuellen Raum bewegen und sowohl computergesteuerte Gegner als auch andere Spieler plätten können. 1979 schreibt Alan Klietz Empire, eine Mehrspielerversion von ADVENT, ohne vorher von MUD gehört zu haben.

Bis 1989 sind diese Programme und ihre Nachfolger, die jetzt generell als MUDs bezeichnet werden, jedoch größtenteils Splatter-Spiele, deren wichtigstes Element der Kampf ist, vergleichbar mit heutigen Deathmatch-Spielen wie Halflife oder Unreal Tournament. Dann eröffnet das TinyMUD von Jim Aspnes, ganz modern und portierungsfreundlich unter Unix in C entwickelt, eine neue Art von Online-Rollenspiel, bei dem es vor allem um die Charakterentwicklung, das Rollenspiel und die Kommunikation geht.

Seitdem entstehen mehr und mehr dieser Spiele im Netz, wobei es gängige Praxis ist, die Mudlib eines bestimmten MUD, also das Herz der Welt mit dem Kommando-Parser und den Grundeigenschaften, zu übernehmen, ein paar Räume und Gegenstände hinzuzufügen, und damit eine Art quantentheoretische Paralleldimension zu schaffen. Wenn eines dieser Programme von Grund auf neu entwickelt wird, tendiert es dazu, einen neuen Namen zu bekommen, so steht MOO beispielsweise für MUD Object-Oriented, ein Hinweis auf das neue objektorientierte Entwicklungssystem innerhalb des MUDs.

Damit sind manche Konzepte immer wieder erkennbar, und je mehr Online-Rollenspiele Sie ausprobieren, desto häufiger werden Sie feststellen, dass es immer wieder bestimmte Elemente gibt, die Ihnen gefallen, und andere, die Sie nicht mögen. Weil dies eigentlich für jeden Spieler anders ist, gibt es so viele verschiedene Welten im Netz. Wer das Rollenspiel haben möchte, das alle guten Eigenschaften der anderen kombiniert, muss es eben selbst eröffnen.

Dabei gibt es nochmal eine Unterteilung der MUDs, heute vor allem Tiny, in universelle und thematische. Während bei den einen eigentlich alles möglich ist, so zum Beispiel Spieler, die mit ihrem Starfighter F-104G auf dem Marktplatz der Mittelalterecke landen, spielen die anderen ausschließlich in einem bestimmten, meist der Geschichte oder Literatur nachgebildeten, Universum. Hier gibt es StarTrek, Heavy Metal, Inquisition, Meditation (wer sich zu schnell bewegt oder einschläft, fliegt raus), und eigentlich jedes andere Thema, die sich gegenseitig den geneigten Spieler abspenstig machen wollen, denn davon leben die MUD-Götter – von der Online-Zeit ihrer Spieler.

Demnach sollten Sie zwei Dinge mitbringen, wenn Sie in die interessante Welt der Online-Rollenspiele eintauchen wollen: Viel Zeit und einen finanzierbaren Internet-Zugang. Schneller als gedacht landet der typische Spieler nämlich bei sechs bis zwölf Stunden MUD-Aktivität am Tag, was sich nicht nur in manchen Fällen ungünstig auf Klausurergebnisse, den Arbeitsplatz oder die Familie auswirkt (Sie wurden gewarnt!), sondern in der Zeit vor den Flatrates für NichtstudentInnen, die einen Zugang über das Uni-Netz hatten, kaum finanzierbar war.

MUD UNItopia

Exemplarisch möchte ich hier näher auf den MUD UNItopia eingehen, der einer der ersten deutschsprachigen war, inzwischen eine riesige Fan-Gemeinde und eine ebenso große Welt hat. Hier geht es um soziale Interaktion, und obwohl Kämpfe möglich sind, werden sie nicht unbedingt benötigt, um weiterzukommen. Wer andere Spieler tötet, wird als Mörder öffentlich geächtet und erst rehabilitiert, wenn die Reinkarnation des Opfers ihrem Peiniger verzeiht. In UNItopia ist zu jeder Uhrzeit genug los: Bis zu 100 Spieler sind gleichzeitig eingeloggt, und Anfänger finden immer jemanden, der ihre Fragen beantwortet.

Auf der Homepage http://www.mud.de finden Sie wertvolle Tips zu dem Spiel

Das MUD ist kostenlos (ja, es gibt inzwischen welche, die etwa 1 Mark pro Stunde berechnen; diese sind aber wenig attraktiv. Wer bezahlt schon bis zu 200 Mark pro Monat für etwas, das es an anderer Stelle umsonst gibt?). Der Spiel-Server und der anfallende Traffic wird vom UNItopia-Trägerkreis – einem eingetragenen Verein – durch freiwillige Spenden finanziert.

Die UNItopia-Spieler treffen sich relativ regelmäßig an verschiedenen Orten, um sich im wirklichen Leben kennen zu lernen und dort vielleicht ein wenig ihre Charaktere weiterzuspielen.

In UNItopia geht es in erster Linie um den Spaß, und dabei kommen eigentlich alle auf ihre Kosten. Im Hintergrund allerdings werden Erfahrungspunkte gezählt und auf Nachfrage in Prozent angezeigt. So benötigt ein Charakter meist 20 Prozent, um in der Hierarchie seiner Gilde zum ersten Mal aufzusteigen. 100 Prozent ist der Wert, der ausreicht, um sich zum Engel befördern lassen: Dies ist einer der Charaktere, die noch spielen dürfen, aber besondere Fähigkeiten haben; die setzen sie idealerweise ein, um steckengeblieben Neulingen etwas unter die Arme zu greifen. Aber auch, um neue Gaben zu sammeln, die ihr eigenes Leben erleichtern. In UNItopia kann ein Engel auch die Entscheidung treffen, zum Gott aufzusteigen. Dann darf er zwar nicht mehr spielen, aber die Welt aktiv umgestalten und erweitern.

Doch genug der Vorrede, probieren Sie es doch einfach einmal aus: Für die ersten Versuche reicht es, wenn Sie einfach unitopia.mud.de" im Befehlszeilen-Interpreter oder http://telnet://unitopia.mud.de in die Address-Zeile des Web-Browsers eingeben. Eine kurze Einführung und die Frage nach dem Namen des Charakters erscheinen. Seien Sie kreativ – wenn der Name bereits belegt ist, wird nach dem Passwort des Charakters gefragt, das Sie natürlich nicht kennen, und Sie müssen es erneut mit einem anderen Namen versuchen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Rollenspielen müssen Sie jetzt nicht erst umständlich irgendwelche Attribute und Werte festlegen (das tun Sie nach und nach während des Spieles) sondern landen direkt nach Eingabe des Geschlechts und der E-Mail-Adresse am Stuttgarter U-Bahn-Hof Vaihingen, der direkt auf dem Campus der Universität liegt.

Hier werden sie von einem netten NPC (Non-playing character) begrüßt, einer vom Server gesteuerten Person also, die Ihnen gleich Ihre ersten beiden Gegenstände überreicht. Im Moment können sie Meldungen wie Xyzzy bruellt: ... oder andere Spieler getrost ignorieren. Zum Thema Kommunikation erfahren Sie etwas später mehr.

Mit lies flugblatt bekommen Sie ein paar zusätzliche Informationen. Auf jeden Fall sollten Sie das Anfängerpraktikum besuchen, weil dort wichtige Prinzipien des Spiels erklärt werden. Also fragen wir doch mal danach: frage anfaengerpraktikum?. Und wie Sie sehen, antwortet die schöne Frau/der schöne Mann/die schöne Kreatur sofort: Sie sollen Professor Neunmalklug fragen. Also los. Weil der Professor nicht im gleichen Raum ist, benutzen Sie das Kommando "rede": rede neunmalklug will begleiter praktikum.

Der Professor schickt seinen HiWi vorbei; auf diesen warten wir jetzt kurz. Legen Sie Stift und Papier bereit, um gleich den Weg aufzuschreiben. Eine Karte ist nämlich sehr hilfreich, um später etwas wiederzufinden. Wenn Günner da ist, sagen wir ihm, dass wir ihm hinterherlaufen wollen. Dies geht mit 'ich folge dir. Das Kommando ' ist die Abkürzung für sprich. Weitere sinnvolle Abkürzungen finden Sie im Kasten. Diese könnnen sie jetzt benutzen, um Günner hinterher zu laufen. Wenn er also nach oben abhaut, geben Sie einfach h für hoch ein. Folgen Sie ihm einfach, und zeichnen Sie mit!

Abkürzungen

Richtungen
n - Nord
s - Süd
w - Wes
o - Os
h - hoch
r - runter
a - Ausgang
Nordwest würde zum Beispiel nw abgekürzt.
Andere (in Auswahl):
' - sprich
b - betrachte
t - toete
i - ausruestung
ni - nimm

Mit kuerzel können Sie eigene Abkürzungen definieren, geben Sie doch einfach mal hilfe kuerzel ein.

Im Praktikum angelangt, sollten sie in jedem Raum die Informationen auf den Schildern lesen. Sie erklären ein bestimmtes Konzept von UNItopia und können meist im gleichen Raum ausprobiert werden. Falls Sie irgend etwas nicht schaffen, lesen Sie noch einmal die Hinweise, und wenn es immer noch nicht klappt, fragen Sie nach Hilfe. Mit dem Kommando bruell können Sie einen Satz so laut rufen, dass alle Spieler ihn hören, außer diese haben den Brüllkanal deaktiviert (mit kuri 9 aus).

Irgendwann werden Sie am Ende des völlig linear, also ohne Abzweigungen, aufgebauten Gebäudes auf Professor Neunmalklug persönlich treffen. Fragen sie ihn nach dem Anfängerdiplom. Wenn er nicht reagiert, müssen sie die Frage noch einmal umformulieren. Diese Syntax-Raterei ist zwar sehr nervig, wird Ihnen jedoch immer wieder begegnen. Beantworten Sie noch den Fragenbogen auf der Rückseite des Diploms und lassen sie ihn vom Prof überprüfen. Damit steigt das Diplom beträchtlich im Wert und Sie erhalten mehr Geld dafür, wenn Sie es später verkaufen.

Obwohl telnet die ursprünglichste Methode des Einwählens in MUDs ist, ist sie zugleich die unbequemste. Deswegen gibt es inzwischen eine Vielzahl von MUD-Clients, die Zusatzfunktionen wie einen Eingabepuffer, Makros, Kartenerstellungsmodule und sogar eigene Programmiersprachen enthalten. Hier möchte ich exemplarisch zwei dieser Programme vorstellen: das konsolenbasierte TinyFugue und den grafischen SMM++.

TinyFugue ist in der aktuellsten stabilen Version auf der CD-ROM enthalten, die offizielle Homepage ist http://muq.org/~hawkeye/tf. Nach der Installation (rpm -i tinyfugue-4.0.stable1-1.i386.rpm) sollten Sie zuerst ein paar Voreinstellungen treffen: Die Datei .tfrc im Home-Verzeichnis enthält eine Liste von Befehlen, die TinyFugue bei jedem Start ausführt. Im folgenden Beispiel legen wir in dieser Datei fest, dass wir uns automatisch in UNItopia einloggen wollen (ersetzen Sie MeinCharakter und MeinPasswort bitte durch Ihren tatsächlichen Benutzernamen und das wirkliche Passwort!); dass immer nur ein Bildschirm auf einmal angezeigt und das Erweiterungsmodul kbstack.tf geladen werden; sowie dass die eingeblendete Uhr das 24-Stunden-Format benutzen soll:

/addworld -Tlp UNItopia MeinCharakter MeinPasswort unitopia.mud.de 23
/more on
/load kbstack.tf
/set status_int_clock=ftime("%H:%M", time())

Achten Sie bitte darauf, dass diese Datei nur von Ihnen gelesen werden kann (chmod go-r .tfrc), da sie Ihr Passwort enthält und Sie bestimmt nicht wollen, dass jemand es benutzen kann, um Ihren Charakter Selbstmord begehen zu lassen (in UNItopia: hilfe suizid). Wenn Sie dann TinyFugue mit tf starten, werden Sie automatisch in UNItopia eingeloggt, und im Gegensatz zum telnet ist hier das Fenster zweigeteilt: Oben erscheinen die Meldungen des MUDs und unten die Eingabeaufforderungen (meistens das Zeichen ">" (gelegentlich aber auch andere, zum Beispiel beim Lesen von Post) und Ihre Eingaben.

Diese Zweiteilung macht die Benutzung des MUDs schon wesentlich einfacher, aber das ist noch lange nicht alles, was TinyFugue an Bequemlichkeit bietet. So können Sie zum Beispiel eingegebene Befehle wiederholen, [Strg+P] blättert einen Befehl zurück, [Strg+N] einen nach vorne. Richtig, das sind die Befehle, die auch der Texteditor Emacs benutzt, und auch viele andere Emacs-Befehle werden von TF richtig interpretiert.

Mit einem zweigeteilten Bildschirm behalten Sie besser die Übersicht über die Meldungen aus der Parallelwelt

Das Modul kbstack.tf, das wir in der .tfrc geladen haben, ermöglicht uns auch, Zeilen zwischenzuspeichern. So schreiben Sie zum Beispiel gerade einen langen Satz in einen Brief, während Ihre Schnullerfreundin sie etwas fragt. Um sie nicht zu lange warten zu lassen, schieben Sie die gerade bearbeitete Zeile mit [Esc+Pfeil Unten] auf den Stapel, antworten hallo Buffy Noe, eigentlich nicht! und holen die vorige Zeile mit [Esc+Pfeil Oben] wieder zurück.

Es gibt noch viele andere Möglichkeiten: Betrachten Sie doch einfach die Online-Hilfe (mit dem TinyFugue-Befehl /help topics) und die Erweiterungsmodule (im Verzeichnis /usr/lib/tf-40s1). Allerdings sollten Sie zuerst die Möglichkeit wahrnehmen, die das MUD bietet. Sonst haben Sie sich zwar schön alle Befehle, die Sie häufig benutzen, auf Tastenkombinationen gelegt (mit /bind), aber beim Wechsel des MUD-Clients oder im Internet-Cafe auf Mallorca müssen Sie trotzdem wieder alles ausschreiben. Hier wäre die Definition von Kürzeln (siehe oben) sinnvoller gewesen.

SMM++, das steht für Selim's Magic Mapper, ist in einer schon sehr stabilen Entwicklerversion auf der CD enthalten, da diese etwas komfortabler und schneller ist als die aktuelle Endbenutzerversion. Außerdem enthält sie schon die neue Macrosprache, die mit der alten nicht kompatibel ist. Sie sollten aber, wenn Sie den SMM++ regelmäßig benutzen wollen, auf der offiziellen Homepage http://smm.mudcenter.com nachsehen, ob nicht bereits ein stabiles Release von Version 5 existiert.

SMM erstellt automatisch eine Karte. Das vereinfacht die Navigation. Dafür stellt das Programm aber hohe Anforderungen an die Hardware

Zum Installieren kopieren Sie die Datei smmdev.tar.gz als root in das Verzeichnis /usr/local, extrahieren sie mit tar xzfv smmdev.tar.gz, löschen das Archiv wieder und starten dann /usr/local/smm5r0/smm. Wenn das Programm nicht funktioniert, müssen Sie wohl das Paket itcl nachinstallieren, es sollte in Ihrer Distribution enthalten sein.

Das Programm ist zwar auch ein durchaus benutzbarer MUD-Client, der viele Features bietet, in erster Linie soll es aber die Erstellung von Karten vereinfachen. Leider sind die Standardbefehle in Programm in Englisch hartkodiert, deshalb empfiehlt es sich, zuerst die zehn Hauptrichtungen ins (deutschsprachige) MUD hineinzudefinieren. In UNItopia geschieht dies mit kuerzel north norden, kuerzel southwest suedwesten, kuerzel up hoch und so weiter. Zum Thema Probleme: Da der Magic Mapper in [incr tcl/tk], einer interpretierten Scriptsprache, die automatisch die Kontrollelemente im Fenster platziert, geschrieben ist, stellt er leider sehr hohe Anforderungen an Prozessorgeschwindigkeit und Bildschirmgröße: Unter 300 MHz und 1280x1024 ist sinnvolles Arbeiten kaum möglich, und Karopapier sollte als Alternative in Betracht gezogen werden.

Die Benutzung der Kartographierfunktionen und der Makrosprache werde ich hier nicht im einzelnen erläutern, das würde den Rahmen sprengen; deshalb sei hier auf die ausführliche, wenn auch englische und orthographisch nicht ganz gelungene Online-Hilfe verwiesen.

Nachdem ich bisher nur auf UNItopia eingegangen bin, möchte ich noch auf zwei Datenbanken verweisen, in denen weitere Online-Rollenspiele verzeichnet sind: http://www.mud.de listete zum Redaktionsschluss 50 deutsche (das heißt nicht zwangsläufig deutschsprachige!) MUDs nebst einer Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten zum Thema "virtuelle Welten" auf, der internationale Server http://www.mudconnect.com enthält die Daten von rund 1630 Mehrbenutzerspielen.

Auf der Homepage http://www.mud.de finden Sie wertvolle Tips zu dem Spiel
Ein wahres Mekka für Multi-User Dungeon Spieler ist die Seite http://www.mudconnect.com: Hier sind rund 1630 Spiele verzeichnet

Als letztes komme ich noch einmal auf Ultima Online und seine Nachfolger zurück: Diese Spiele haben durch die Medien einen Bekanntheitsgrad erreicht, den die MUDs vorher nie hatten – und das, obwohl neben dem Kauf des Spieles (etwa 50 Mark) auch noch laufende Kosten für die Mitgliedschaft anfallen. Außerdem läuft es eigentlich nur unter Windows.

Natürlich haben diese Spiele auch Vorteile: So zum Beispiel einen Stab von Mitarbeitern, die dafür bezahlt werden, dass sie die Welt warten und Spielern helfen. Sound und Grafik sind implementiert, und es gibt eine solche Menge an gleichzeitig eingeloggten Spielern und damit Interaktionsmöglichkeiten, wie sie wohl keines der vielen, diversifizierten MUDs je haben wird.

Für das kommerzielle Ultima Online gibt es eine Portierung auf Linux, die allerdings noch immer sehr unstabil läuft

Falls Sie Ultima Online unter Linux spielen wollen, ist das prinzipiell möglich. Es gibt einen absolut inoffiziellen Port, dass heißt, dass Ihnen weder Origin noch der Programmierer, der übrigens bei Origin arbeitet und nur in seiner Freizeit an der Linux-Version arbeit, bei irgendwelchen Problemen zur Seite stehen können.

Der Port läuft auch nur auf Systemen mit Intel-i386-Architektur und der glibc, das heißt, dass er zu Ihrem Rechner mit Ihrer Distribution eventuell schlicht und einfach inkompatibel ist. Desweiteren benötigen Sie natürlich die CD und müssen das Spiel einmal unter Windows starten, um die Patches zu ziehen. Nähere Informationen erhalten Sie unter http://www.linuxgames.com/uofaq.shtml. Natürlich gab es auch hier wieder Menschen, die Ultima Online zu teuer und langweilig fanden. So entstand zum Beispiel das Projekt http://www.uoxdev.com, ein Ultima Online Server Emulator, mit dem Sie Ihre eigenen Welten erschaffen können und für andere Spieler mit Ultima Online-Clients im Internet veröffentlichen.

Glossar

RPGs

(engl.: Role Play Games) Rollenspiele. Bei einem Rollenspiel schlüpfen die Spieler in einen anderen Charakter. Mit diesem versuchen sie – meist in einer Gruppe mit anderen Spielern –, Abenteuer zu bestehen und Rätsel zu lösen, die in einer erdachten Welt stattfinden.

telnet

Telnet ist ein Netzwerk-Dienst, der Ihnen den Login auf einem entfernten Rechner erlaubt; versuchen Sie beispielsweise telnet localhost, so wird die Login-Meldung Ihres Linux-PCs erscheinen.

Der Autor

Simon Kowalewski hat Microsoft-Betriebssysteme auf Commodore 64 (BASIC) und PC (MS-DOS 6.0) benutzt, bis ihm jemand Slackware Linux 2.0 gab. Seitdem weiß er, dass es auch besser geht. Er hat gerade das Gymnasium abgeschlossen und studiert jetzt Information Technology an der BA Stuttgart. Oder, genauer gesagt, er will es versuchen, wenn die MUDs ihm etwas Freizeit lassen.

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