Test MainActor 3.5

Hauptdarsteller

Unter Linux kann man die verfügbaren Videoschnittprogramme immer noch an einer Hand abzählen. MainActor, hergestellt von der eher unbekannten Firma MainConcept, ist ein solches, waschechtes Video- und Audio-Nachbearbeitungsprogramm für Linux. Wir haben die Version 3.5 für Sie getestet.

MainActor war das erste Videoschnittprogramm, das überhaupt auf das freie Betriebsystem mit dem Pinguin konvertiert wurde. Heutzutage muss sich das kommerzielle Programm gleich gegen zwei Fronten behaupten. Zum einen wäre da die gleichteure Konkurrenz auf dem Windows-Sektor, die dort mit einer kinderleichten Bedienung ihre Käufer lockt, und zum anderen bläst auf der Linux-Seite mit Broadcast 2000 ein freies Schnittprogramm unter der GNU-Lizenz heftig zum Gegenangriff.

Das zirka 150 DM teure Programm ist eigentlich ein Paket, das sich aus mehreren, einzelnen Programmen zusammensetzt: Da ist zum einen ein Tool zur Konvertierung von verschiedenen Dateiformaten, das übrigens als einziges Werkzeug nur über die Kommandozeile verwendbar ist. Weiterhin liegen ein Programm bei zum Aufzeichnen von Videos über eine, von Video for Linux 2 unterstützte Videokarte, ein Programm zum Schneiden von bereits aufgezeichneten Videofilmen und ein Sequenzer, der das Herzstück des Paketes bildet.

Der Sequenzer von MainActor bei der Arbeit.

Die Oberfläche des Sequenzers lehnt sich, im Gegensatz zu Broadcast 2000, an die schon fast standardisierten Oberflächen der Konkurrenz aus dem Profilager an und spricht neben Englisch auch Deutsch. Die gesamte Bedienung erfolgt somit wesentlich intuitiver, wodurch sich wiederum der Arbeitsaufwand für den Benutzer drastisch reduziert. Übergänge zwischen zwei Szenen werden z.B. einfach mit der Maus auf eine extra dafür vorgesehene Spur gezogen. Auch das Zuschneiden und Anordnen der einzelnen Videos erfolgt per "Drag and Drop" merklich komfortabler als bei der kostenlosen Konkurrenz. Von den gleichteuren, in ihrer Bedienung fast schon kindersicheren Einsteigerprogrammen unter Windows, bleibt MainActor allerdings weit entfernt. Unter dem Strich zielt das Videoschnittprogramm somit eindeutig auf den fortgeschrittenen bzw. anspruchsvolleren Anwender.

Was die unterstützten Dateiformate anbelangt, schlägt MainActor Broadcast 2000 um Längen. Neben direkter MPEG-1 und MPEG-2 Unterstützung, können sogar Videos im Windowsformat "AVI" importiert, bearbeitet und erzeugt werden. Damit wird es möglich, alle Schnittkarten, die im Allgemeinen speziell für Windows entwickelt werden, über einen kleinen Umweg auch unter Linux zu nutzen. Sie sollten hier nur darauf achten, dass Sie Ihre Filme unter Windows nicht mit einem exotischen Codec aufzeichnen.

Inzwischen kann MainActor auch mit dem, in modernen digitalen Kameras zum Einsatz kommenden, DV-Format umgehen. Leider wird das, für eine direkte Kameraansteuerung notwendige Aufnahmeprogramm nur unter Windows mitgeliefert. Als Folge ist es unter Linux nicht möglich, einen Videofilm direkt von einer solchen digitalen Kamera auszulesen und nach dem Bearbeitungsvorgang wieder auf ein entsprechendes Videoband zurückzuspielen.

Äußerst gelungen sind hingegen die neuen, üppigen Funktionen zum Erstellen von Titeln, bei denen man einen beliebigen Text nun sowohl zwei, als auch dreidimensional, inklusive Animations-Möglichkeit in den eigenen Film einbauen kann.

Wie alle anderen Programme zur Videonachbearbeitung, bietet auch MainActor neben einer Echtzeitvorschau eine große Auswahl an Filtern und Übergängen. Herausragend ist hierbei sicherlich die, als Übergang zur Verfügung stehende Morphing-Funktion. Ebenfalls fast zu einem Standard bei Schnittprogrammen ist die Option geworden, den fertigen Film schon während des Bearbeitungsprozesses im Hintergrund erstellen zu lassen. Im optimalen Fall führt dies bei der Ausgabe des fertigen Films zu einer drastisch reduzierten Rechenzeit. Eine Unterstützung für mehrere Prozessoren, wie sie Broadcast 2000 bietet, sucht man unter MainActor allerdings vergebens.

Die Hilfe liegt komplett in Form von deutschen HTML-Seiten vor, die mit dem mitgelieferten Anzeigeprogramm auch ohne einen installierten Internetbrowser bequem eingehsehen werden können.

Wer sich vor einem Kauf das Programm einmal näher ansehen möchte, sollte einen Blick auf die Internetseite von MainConcept werfen. Dort hält der Hersteller eine, wenn auch mit 15MB relativ große, Demoversion zum Download bereit. FazitMainActor hat, bis auf den Preis von fast 150 DM, kaum nennenswerte Macken. Es versteht viele Dateiformate, die Bedienung ist wesentlich intuitiver als beim Konkurrenten Broadcast 2000 und die Anzahl der Effekte lässt für den Heim- und Semiprofessionellen Bereich kaum Wünsche offen. Das sich unter Linux die Videokamera nicht direkt ansteuern läßt, enttäuscht jedoch wie gesagt ein wenig. Dieses Problem liegt aber weniger bei MainActor, als an der noch mangelhaften Unterstützung der sogenannten Firewire-Schnittstelle durch Linux. Vergleicht man MainActor mit der gleich teuren Konkurrenz unter Windows, so bekommt man hier für sein Geld einen wesentlich höheren Gegenwert. Das Programm kann sich in einigen Punkten sogar durchaus mit professionellen Programmen, wie Premiere oder dem MediaStudio messen.

Glossar: Video for Linux

Eine Schnittstelle unter Linux, die Programmen das Ansprechen von Fernseh- und Videoaufnahmekarten erleichtert. Codec

Abkürzung für COdierung/DECodierung. Im wesentlichen ist dies die Bezeichnung für ein Treiberprogramm, das für die Kompression von Video- und/oder Audiodaten zuständig ist. Beim Abspielen einer Videodatei muss der, bei der Aufnahme verwendete Codec installiert sein.

Infos

[1] Homepage des Herstellers MainConcept: http://www.mainconcept.de 

[2] Hollywood in Heimarbeit, Linux-Magazin 06/2000

Der Autor

Tim Schürmann ist Student der Informatik an der Universität Dortmund und fragt sich, wie wohl ein, in der Waschmaschine eingelaufener Plüschpinguin aussieht…

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