Nachschlag bitte

K-tools

01.09.2000
In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.

Wurde es im letzten Linux-User mit Kgutenbook so richtig literarisch, liefern wir Ihnen in dieser Ausgabe mit kdict das passende Nachschlagewerk dazu. Denn leider, leider sind die meisten Klassiker in der zu Kgutenbook gehörenden virtuellen Bibliothek noch immer nur auf Englisch erhältlich, und wer muss da nicht trotz jahrelanger Vokabelpaukerei das eine oder andere Wörtchen nachschlagen?

Genau für diese Fälle gibt es Kdict, das Wörterbuch für KDE. (Die neueste Version finden Sie als Sourcecode oder rpm-Datei für SuSE und Red Hat jederzeit auf http://www.rhrk.uni-kl.de/~gebauerc/kdict/.) Dieses benutzt das DICT-Protokoll, um in auf diversen Internetservern zugänglichen Datenbanken nach der Definition eines Worts zu suchen.

Aber keine Angst, Sie benötigen nicht zwingend einen ständigen Internetzugang, denn mit dem Paket dictd-1.5.0.tar.gz, das Sie sich von http://www.dict.org/ herunter laden können, ist es möglich, einen dict-Server auf dem eigenen Rechner zu betreiben. Ein solcher lokaler Server bietet – neben maximaler Geschwindigkeit und Kostenersparnis (zumindest bis zur ersten echten Flatrate) – die Möglichkeit, zusätzliche Datenbanken zu installieren.

Ein Server ganz für Sie alleine

Bevor Sie Ihr virtuelles Wörterbuch in Betrieb nehmen, gilt es daher erst einmal den eigentlichen dictd-Server und die dazu gehörigen Hilfsprogramme zu installieren. Am einfachsten gestaltet sich die Prozedur, wenn Sie die zu Ihrer Distribution passenden deb- oder rpm-Pakete verwenden. Sowohl die Debian-Distribution als auch SuSE enthalten die passenden Päckchen, für andere rpm-basierte Distributionen wie Red Hat lassen sie sich leicht unter http://rpmfind.net/ aufstöbern.

Alternativ können Sie dictd selbstverständlich auch auf eigene Faust kompilieren. Dazu benötigen Sie das Paket dictd-1.5.0.tar.gz (ftp://ftp.dict.org/pub/dict/dictd-1.5.0.tar.gz), das Sie nach dem Herunterladen entpacken und mit dem altbekannten ./configure, make und make install installieren.

Nun sollten wir im Anschluss auch noch ein paar Datenbanken downladen, da der Server sonst wenig Sinn hat. Die üblichen Verdächtigen (Webster, Wordnet, Jargon File etc.) finden Sie unter ftp://ftp.dict.org/pub/dict/pre/. Zusätzlich lohnt ein Besuch auf www.freedict.de, das zweisprachige Wortlisten in mehr als 15 Sprachen für Sie bereit hält.

Jede dieser Datenbanken besteht aus zwei Dateien: .index enthält den Index und .dict.dz die eigentlichen Daten bzw. Wörter. Entpacken Sie die Datenbankarchive in ein Verzeichnis, das Sie extra dafür angelegt haben: Ich habe mich z.B. zu /usr/local/db entschlossen.

Wenn Sie außer kdict hin und wieder auch das Kommandozeilenprogramm dict zum Stöbern in Ihren lokalen Datenbanken verwenden wollen, sollte das Konfigurationsfile /etc/dict.conf schlicht und ergreifend allein folgende Zeile enthalten:

server localhost

Die Datei /etc/dictd.conf, die wir uns anschließend vornehmen, enthält die Konfiguration des eigentlichen Servers. Legen Sie als Erstes mit dem access-Befehl fest, wer künftig auf Ihren dict-Server Zugriff hat. Entscheiden Sie sich für etwas in der Art von

access {allow localhost deny *}

Damit gestatten Sie nur den lokalen Zugriff.

Jetzt fehlt nur noch die Spezifikation der Datenbanken, die dictd verwenden soll. Sie erinnern sich – das waren diese Dateien, die wir uns im Vorfeld mühsam zusammen gesucht und ins Verzeichnis /usr/local/db gesteeckt hatten. Meine dictd.conf hat folgendes Aussehen:

database deutsch   { data  "/usr/local/db/deu-eng.dict.dz"
                     index "/usr/local/db/deu-eng.index" }
database englisch  { data  "/usr/local/db/eng-deu.dict.dz"
                     index "/usr/local/db/eng-deu.index" }
database jargon    { data  "/usr/local/db/jargon.dict.dz"
                     index "/usr/local/db/jargon.index" }

Sollten Sie weitere Datenbanken verwenden wollen (etwa Webster), können Sie dictd.conf jederzeit um die Anweisung für diese Datenbank ergänzen, damit dictd die zugehörigen Dateien auch findet. In unserem Beispiel sähe das in etwa so aus:

database web1913   { data  "/usr/local/db/web1913.dict.dz"
                     index "/usr/local/db/web1913.index" }

Jetzt müssen Sie Ihren Wörterbuchserver lediglich noch durch die Eingabe eines bescheidenen dictd in einem Terminal Ihrer Wahl starten, und der Zugriff mit dict oder in unserem Fall Kdict sollte funktionieren.

Wortsalat

Nach all der Installiererei und Konfiguriererei sind Sie sicherlich ganz scharf darauf, Kdict endlich in Aktion zu sehen. Nichts leichter als das: Starten Sie Ihr Wörterbuch mit einem kdict & in einem kvt- oder konsole-Fenster, und freuen Sie sich erst einmal über ein Fenster wie in Abbildung 1.

Abbildung 1: Willkommen

Leider liegt die Konfigurationsarbeit noch nicht völlig hinter Ihnen, denn auch Kdict erwartet noch die eine oder andere Angabe. Öffnen Sie dazu den Einstellungsdialog via Einstellungen-->Einstellungen (Abbildung 2), und ändern Sie den voreingestellten Server dict.org in localhost um. Alle anderen Einstellungen des Server-Tabs können Sie getrost übernehmen.

Abbildung 2: Unser Server heißt localhost

Testen Sie danach Ihre Konfiguration durch den Aufruf von Server-->Informationen zum Server. Kdict versorgt Sie daraufhin mit ein paar Statusinformationen zum Server (Abbildung 3). Starten Sie im Anschluss Server-->Serverdaten ermitteln, um Kdict eine Liste der verfügbaren Datenbanken und Suchstrategien des eingestellten Servers zur Verfügung zu stellen. Künftig zeigt Ihnen das Wörterbuchfrontend in seinen Auswahlmenüs alle Datenbanken/Strategien an.

Abbildung 3: Das hat Ihr Server alles zu bieten

Kdict selbst lässt sich wunderbar einfach bedienen. Möchten Sie ein Wort oder eine Definition nachschauen, geben Sie dies lediglich im Feld Suche: ein und betätigen danach die Enter-Taste oder klicken alternativ auf das kleine Icon mit der Lupe in der Menüleiste. Im Pulldown-Menü daneben können Sie darüber hinaus festlegen, in welcher der verfügbaren Datenbanken Kdict nach dem von Ihnen eingegebenen Wort suchen soll.

Sie haben in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit, eigene Datenbanksets zu definieren, da es häufig sinnvoll ist, eine Abfrage nur auf einem Teil der Datenbanken durchzuführen. Diese Datenbanksets sind freie Zusammenstellungen der vorhandenen Datenbanken (z.B. alle englisch-deutschen Wörterbücher), die als virtuelle Datenbanken in der Datenbankauswahl auftauchen. Möchten Sie ein solches Set erstellen, wählen Sie Server-->Datenbanksets editieren und stellen sich mit Hilfe der Pfeil-Taste Ihre persönliche Datenbank-Kombination zusammen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Eine Datenbank nach Ihrem Geschmack

Ob mit oder ohne eigens aufbereiteter Datenmixtur zeigt Ihnen Kdict das Ergebnis Ihrer Suche kurze Zeit später in einem Fenster wie in Abbildung 5 an.

Abbildung 5: Jede Menge Informationen

Der Abbildung entnehmen Sie, dass manche Wörter in der Definition rot erscheinen. Dies hängt mit einem weiteren netten Feature des Programms zusammen. Klicken Sie auf eines dieser ausgezeichneten Wörter, zeigt Ihnen Kdict sofort die dazu gehörige Definition dieses Begriffs an – Hyperlinks à la Kdict…

Ach ja – wenn Sie nur mal schnell ein Wort nachschauen wollen, können Sie sich die Kommandozeilenoptionen Ihres Helferleins zu Nutze machen. Starten Sie Kdict in einem solchen Fall in folgender Form:

kdict ihrwortdassienachschlagenwollen

Ein kdict -h gibt Ihnen einen genauen Überblick über die weiteren Kommandozeilenoptionen.

Glossar

Webster

Ganz korrekt heißt dieses einsprachige, rein englische Online-Wörterbuch mit ausgefeilten Suchmöglichkeiten "Webster's Revised Unabridged Dictionary, 1913 Edition". Es umfasst mittlerweile über 100.000 Wörter.

Wordnet

Die Arbeiten an WordNet begannen im Jahr 1985 und werden heute noch weiter geführt. An der Entwicklung arbeiten überwiegend Psychologen und Linguisten der Universität Princeton, USA. WordNet ist eine Art Online-Lexikon. Die Struktur des Lexikons orientiert sich im Unterschied zu anderen gebräuchlicheren Lexika, die anhand der alphabetischen Ordnung bzw. in Synonymklassen organisiert sind, an psycholinguistischen Theorien über das menschliche Gedächtnis. WordNet ist nicht auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt und besteht derzeit aus über 95.600 verschiedenen englischen Wortformen. Eines der wichtigsten Merkmale von WordNet ist, dass bei einem Wort zwischen der Wortform und der Wortbedeutung unterschieden wird. Letztere wird dabei durch eine Menge synonymer Wortformen repräsentiert. Empfehlenswert ist dieser Thesaurus vor allem als Formulierungshilfe, wenn man einen englischen Text verfassen will.

Jargon File

Eric Raymonds "The New Hacker's Dictionary" ist wohl das Nachschlagewerk für den allgegenwärtigen Internet- und Hacker-Slang. Es bezeichnet und definiert – häufig in ironischer Weise – Begriffe rund ums Netz und den Computer.

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