Plattenmeister und Zeitgeister

Dr. Linux

01.09.2000
Komplizierte Organismen, wie Linux-Systeme es nun einmal sind, haben so ihre ganz eigenen Wehwehchen. Dr. Linux beobachtet die Patienten in den Linux-Newsgruppen, stellt Rezepte für aktuelle Probleme aus und alternative Heilmethoden vor.

Prüfungsstress

Wenn ich mein Linux hoch fahre, kommt immer mal wieder die Meldung:

/dev/Laufwerk has reached maximal mount count, check forced.

Kann ich die Häufigkeit der Überprüfungen meines Dateisystems beeinflussen?

Dr. Linux: Die Überprüfung eines Linux-ext2-Dateisystems erfolgt in der Regel bei jedem zwanzigsten Boot-Vorgang. Das Intervall lässt sich mit /sbin/tune2fs verändern.

Um einen entsprechenden Befehl auf der Kommandozeile abzusetzen, müssen Sie wissen, auf welcher Partition das jeweilige Dateisystem liegt (siehe Kasten "Partitionen".

Partitionen

Bevor auf einer Festplatte Nutzdaten abgelegt werden können, werden ein oder mehrere logische Bereiche, Partitionen, definiert und in einer Partitionstabelle festgehalten. Darauf muss ein für das benutzte Betriebssystem passendes Dateisystem eingerichtet werden, in dem dieses Dateien und Verzeichnisse verwaltet. Das am weitesten verbreitete Linux-Dateisystem ist das "Second Extended File System" ext2fs. Jeder Partition wird eindeutig ein Gerätename zugeordnet, über den das Betriebssystem auf die Daten im Dateisystem zugreift. Linux bezeichnet Festplatten und Partitionen mit Buchstaben und Ziffern. Die Buchstaben geben an, welche Festplatte gemeint ist. Für IDE-Festplatten gilt:

  • hda: die Master-Festplatte am primären Controller,
  • hdb: die Slave-Festplatte am primären Controller. Bei SCSI-Geräten lauten die Zuweisungen entsprechend:
  • sda: erste SCSI-Platte,
  • sdb: zweite SCSI-Platte. Jede Festplatte kann maximal vier Partitionen aufnehmen, wobei eine als erweiterte Partition mit mehreren logischen Partitionen genutzt werden kann. Die Ziffern 1--4 werden nur für primäre Partitionen genutzt, die logischen Partitionen werden mit 5 und höher durchnumeriert.

Dies erfahren Sie bei automatisch eingebundenen Datenträgern, indem Sie den Befehl mount ohne weitere Optionen eingeben. Wenn Sie nur eine Linux-Partition haben, "hängt" am Wurzelverzeichnis / das einzige "echte" Dateisystem in Ihrer Auflistung:

user$ mount/dev/hda6 on / type ext2 (rw)
proc on /proc type proc (rw)
devpts on /dev/pts type devpts (rw,gid=5,mode=0620)

Welche Partition automatisch wo eingehängt wird, legen Sie in der Datei /etc/fstab ("Filesystemtabelle") fest. Hier ist das Wurzelverzeichnis ("Root-Directory") mit dem Dateisystem ebenfalls aufgeführt:

/dev/hda5   swap     swap      defaults   0  0/dev/hda6 / ext2 defaults 1 1
/dev/hdc    /cdrom   iso9660   ro,noauto,user,exec 0  0

In diesem Beispiel befindet sich das Root-Dateisystem ganz eindeutig auf /dev/hda6. Der Befehl zur Änderung der entsprechenden Prüfintervalle könnte also folgendermaßen aussehen:

root# tune2fs -c 5 /dev/hda6

Mit der Option -c stellt tune2fs die maximalen Mounts ein, die zwischen zwei Dateisystemprüfungen liegen dürfen. Die Ziffer 5 bestimmt die Boot-Vorgänge bis zur nächsten Prüfung; in diesem Beispiel würde das System künftig bei jedem fünften Booten überprüft.

tune2fs bestätigt die Ausführung des Befehls freundlicherweise:

tune2fs 1.17, 26-Oct-1999 for EXT2 FS 0.5b, 95/08/09
Setting maximal mount count to 5

Wurde Ihr System nicht ordnungsgemäß herunter gefahren (z. B. bei einem Stromausfall), erfolgt eine automatische Prüfung des Dateisystems auch dann, wenn Sie das Intervall der Systemprüfung mit tune2fs auf 0 gesetzt haben. Denn zusätzlich zur Anzahl der maximalen Mounts, die mit tune2fs festgelegt werden, wird im Superblock eines ext2-Dateisystems das Valid-Bit gespeichert.

Beim Hochfahren des System wird dieses vom Programm e2fsck geprüft. Ist es auf 0 gesetzt, versucht e2fsck zu retten, was zu retten ist, indem es eine automatische Reparatur des Dateisystems auf den Weg bringt. Bevor Sie nun die Prüfungen Ihres Systems mit tune2fs ganz abstellen, sollten Sie darüber informiert sein, was fsck und e2fsck leisten, bzw. welche Reparaturen ggf. gemacht werden.

  • Zunächst erfolgt ein Vergleich der Informationen im Superblock mit dem aktuellen Zustand des Systems.
  • Es wird geprüft, ob jeder Inode-Eintrag gültig ist und einem Verzeichniseintrag zugeordnet werden kann.
  • Dann wird nachgesehen, ob für alle Dateien die zugehörigen Datenblöcke existieren und eindeutig sind.
  • Die Link-Anzahl in allen Verzeichnissen wird mit dem internen Link-Zähler im Inode verglichen.
  • Schließlich erfolgt die Prüfung, ob die Gesamtzahl aller Blöcke gleich der Anzahl belegter plus freier Blöcke ist.

Vielleicht stellte sich beim Lesen dieser Zeilen ein Gefühl von Desinteresse, Ödnis oder Sekundenschlaf ein, vielleicht finden Sie das alles furchtbar theoretisch, langweilig und uninteressant – immerhin könnte dies ein Grund sein, die Überprüfungen des Dateisystems auch weiterhin regelmäßig Linux zu überlassen.

Ein weiterer ist, dass Sie eine Überprüfung des Dateisystems nicht einfach "mal eben" starten können. Ist die Partition schreibbar gemountet, darf kein Dateisystemcheck erfolgen. Auch Ihr System prüft das Wurzelverzeichnis nur im Modus mit "Leseberechtigung". Das können Sie beim Systemstart leicht beobachten:

[...]
Partition check:
 hda: hda1 hda3 < hda5 hda6 >
VFS: Mounted root (ext2 filesystem) readonly.
Freeing unused kernel memory: 60k freed
INIT: version 2.76 booting
Running /sbin/init.d/boot
Mounting /proc device                                                 done
Activating swap-devices in /etc/fstab...
Adding Swap: 128484k swap-space (priority -1)                         done
Checking file systems...
Parallelizing fsck version 1.17 (26-Oct-1999)
/dev/hda6: clean, 139696/1038336 files, 2225322/4152771 blocks        done
Mounting local file systems...[...]

Erst danach werden die Partitionen "vollständig", also les- und beschreibbar, im System eingehängt. Alle Fachbücher zu und über Linux weisen darauf hin, dass die Benutzerin ihr System erst dann "von Hand" prüfen soll, wenn Sie die Manpages zu tune2fs und e2fsck gelesen und verstanden hat. Dieser Meinung kann sich die Artikelschreiberin nur anschließen.

Fundbüro

In meinem System habe ich das Verzeichnis lost+found gefunden. Darin ist aber nichts installiert, wofür ist dann es gedacht?

Dr. Linux: Ein Verzeichnis namens lost+found befindet sich auf allen ext2-Dateisystemen. Hierhin werden Dateien verschoben, die bei einer Dateisystemprüfung "durchgefallen" sind. Damit haben Sie die Möglichkeit, kaputte Dateien zumindest teilweise zu retten.

Zum Beispiel kann der Verzeichniseintrag einer Datei fehlen, ihr Inhalt aber noch vorhanden sein. Solche Fehler im Dateisystem entstehen durch nicht ordnungsgemäßes Herunterfahren des Systems, wie es ein Stromausfall oder versehentliches Drücken der Reset-Taste nach sich ziehen.

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