Sim City 3000 Unlimited

Die Linux Games kommen!

01.09.2000
Unser allmonatliches Spielvergnügen ist heute wieder einmal "sponsored by Loki". Bei der Neuauflage eines Klassikers lauert stets die inhärente Gefahr des Versagens durch Nichterfüllung der immer höher gesteckten Erwartungen. So gesehen ist der Start für die immerhin dritte Generation des vielleicht bekanntesten Simulationsspiels aller Zeiten eine ganz besondere Herausforderung, die sich erfreulicherweise nun auch unter Linux stellt.

Die vorliegende Vorabversion benötigte 440 MB der Festplatte zur Installation. Nach dem Start öffnet sich ein Fenster mit einer Größe bis zu 1152x1024. Alternativ kann auch auf Full-Screen-Darstellung umgeschaltet werden, wodurch die Grafik leicht beschleunigt wird. Insgesamt zeigt SimCity 3000 sich für ein Simulationsspiel erstaunlich ressourcenhungrig. Ein Prozessor der 300-MHz-Pentium-Klasse und mindestens 32 MB RAM (ich würde unbedingt 64 empfehlen) dürfen es gern sein. Dafür wird man mit der Möglichkeit belohnt, Städte mit enormer Größe in einer bisher nicht gekannten Detailfülle zu simulieren.

Das fällt bereits auf, wenn man nach dem kleinen, obligatorischen Einführungsfilmchen im Hauptmenü auf niedlich animierte Grafik-Schaltflächen blickt, die zu den Hauptfunktionen des Programms verzweigen. Begleitet von freundlich dahinklimpernder mp3-Musik (mit einer Auswahl von immerhin über zehn Tracks) kann man nun daran gehen, seine erste Großstadt anzulegen. Dabei wurden altbewährte Verfahren und Bedienkonzepte beibehalten und oft sinnvoll erweitert, überflüssiger Schnickschnack weitgehend vermieden und viele unterhaltsame Details hinzugefügt. Auf Wunsch läuft das Spiel komplett in Deutsch.

So wurde aus dem "wandernden Fliegendreck" vergangener Tage jetzt richtiger Straßenverkehr mit animierten Menschen, Fahrrädern, Autos und so weiter; viele Gebäudedetails sind nett animiert in Szene gesetzt und immer wieder trifft man auf Kleinigkeiten, die einem zum Schmunzeln animieren – zum Beispiel, wenn man beim Betrachten der Gebäudedaten einer Polizeistation über die Zeile "Doughnutkonsum pro Monat" stolpert.

Auch wenn es sich ganz unverkennbar immer noch eben um "Sim City" handelt und sich am Grundkonzept nicht allzuviel geändert hat, ist doch das Spiel in vielen Details flexibler und besser geworden. Die Musik ändert sich mit wachsender Stadtgröße und je nach Szenario passend. Man hört Autohupen und rufende Passanten, wenn man auf einen Stau trifft. Der Spieler hat die Möglichkeit, seiner Stadt der echten Welt entlehnte, berühmte Bauwerke wie die Pyramiden oder die Freiheitsstatue hinzuzufügen. Die Auswahl an Gebäuden ist größer geworden, und neue Methoden der Personenbeförderung wie z. B. U-Bahnen und Umgehungsstraßen sind hinzugekommen.

Abbildung 2: Viele Details in der höchsten Vergrößerung

Bei der Entscheidungsfindung wird der Spieler von einem Stab elektronischer Ratgeber unterstützt, die je nach Spielsituation selbständig oder auf Wunsch Ihren Senf zum Besten geben. Was die sagen, sollte man tunlichst lesen, denn sie geben viele nützliche Hinweise. Zusätzlich stehen einem detaillierte Diagramme und Übersichten rund um das Spielgeschehen zur Verfügung, die stets eine genaue Einschätzung der Lage ermöglichen. Die Bedienung ist wie gehabt weitgehend intuitiv – leider aber hakt es an einigen Stellen etwas. Auch die Probleme der Windows-Version des Spieles wurden "originalgetreu" mitportiert – da hakelt es schon mal etwas beim Bau von Brücken oder Auffahrten zu Highways, Bibliotheken haben eine negative Anzahl von Büchern, und der Export der Wasserversorgung scheitert ständig aus kaum nachvollziehbaren Gründen – Kleinigkeiten, die man alle schon aus der Windows-Version kennt. Hier sind wohl auch die Programmierer des Originals gefordert, denn das in Ordnung zu bringen, würde wahrscheinlich den Rahmen für Lokis Programmierer sprengen.

Abbildung 3: Berühmte Bauwerke wie der Eiffelturm können gebaut werden.

Wie schon in den älteren Versionen sorgt das Spiel mit der Zeit schon mal für die eine oder andere Überraschung – so kann es passieren, dass über der gut gepflegten Stadt plötzlich Ufos auftauchen, und wenn man Pech hat, legen sie einem den einen oder anderen Stadtteil aus Lust und Laune in Schutt und Asche. Oder ein Tornado oder Erdbeben spielt Landschaftsdesigner in der Innenstadt – da hat man schnell alle Hände voll zu tun.

Das gilt bedauerlicherweise auch für den Rechner – wenn eine große Stadt mit viel Aktivität geladen ist, dann gehen selbst moderne Rechner in die Knie. Ich denke, hier wäre für Maxis und Loki noch Raum für Verbesserungen. Ich meine: Wer hat bisher je von einem Sim City gehört, das einen Pentium 450 ausbremst? Möglicherweise wäre hier auch eine stärkere Nutzung von beschleunigter Grafik hilfreich. Nur wenig beruhigend ist indes der Gedanke, dass die Windows-Version des Spiels unter demselben Problem leidet.

Die Logik und Eigenintelligenz im Spiel sind ok, aber letztendlich eher etwas "so lala". So wollen die Einwohner einer Stadt nicht in unmittelbarer Nachbarschaft eines Hochsicherheitsgefängnisses wohnen – logisch. Und sie beschweren sich, wenn benachbarte Städte Vorteile besitzen, die in der eigenen Stadt nicht zu finden sind. Dass sie sich aber immer noch über zu hohe Steuern beklagen, wenn man diese auf nur 2% senkt… nun gut, auch das mag realistisch sein. Vermisst habe ich eine Multiplayer-Option.

Auf der positiven Seite steht beispielsweise die Möglichkeit, eigene Gebäude zu designen und in das Spiel zu integrieren. Auch die Möglichkeit, alte Spielstände von SimCity 2000 zu übernehmen und mit den neuen Möglichkeiten von SimCity 3000 zu erweitern, ist für Fans sicherlich enorm motivierend. Humorvolle Details und der lustige Newsticker am Rand des Screens sorgen immer wieder für kleine Lacher. Wenn eine Stadt zu gut läuft, kann man immer noch selber alle möglichen Katastrophen auslösen und anschließend seine Fähigkeiten an der Lösung der daraus entstehenden Probleme messen.

Fazit: trotz all der neuen Features und der in die neue Version eingeflossenen Forschung (so wurde zum Beispiel genau untersucht, wie echte Wassertürme funktionieren, um Wassertürme im Spiel möglichst realitätsnah simulieren zu können) ist es immer noch Sim City und nichts bahnbrechend neues. Wenn Sie SimCity, SimCity 2000 oder ähnliche Spiele nicht leiden können, dann wird dieses Ihnen auch nicht gefallen. Für all die Sim-süchtigen da draußen aber ist es ganz klar ein Muss.

Für den Gelegenheitsspieler hingegen ist es nicht so einfach zu entscheiden, ob sich diese Anschaffung lohnt. Es ist eben alles eine Frage der Neigungen.

Bewertung

Langzeitspielspaß 70%
Grafik: 55%
Sound 85%
Steuerung 70%
Multiplayer n.V.
Gesamtwertung 65%

Der Autor

Fionn Behrens ist Student der technischen Informatik. Aber man kann ja nicht immer nur studieren… Im Netz erreichbar ist er als Fionn im IRCnet

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