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Ein Männlein steht im Walde…

Civilization: Call to Power

01.09.2000 Kennen Sie noch das erste Civilization? Haben Sie einmal den GPL-Klone freeciv gespielt? Dann dürfen Sie sich freuen! Loki hat den Nachfolger "Call to Power" auf Linux portiert.

Civilization: Call to Power ist eine komplexe Mischung aus Städtebausimulation, Forschung, Wirtschaft, Diplomatie, Handel und Kampfspiel. Ziel ist es, eine Zivilisation zu erschaffen und aus der Steinzeit in die Zukunft zu führen. Spieler, die sich mit Echtzeitballereien und Hektikstrategie nicht anfreunden können, werden ihre Freude an Call to Power haben - es wird in Runden und nicht auf Zeit gespielt, so dass keine Hektik aufkommt. Das ist vor allem dann vorteilhaft, wenn Sie im späteren Spielverlauf mehrere große Städte besitzen, sich übler Angreifer erwehren müssen und auf einer großen, dicht besiedelten Karte spielen. Apropos Kämpfe: Verscherzt man es sich nicht mit seinen Nachbarn, kommen Auseinandersetzungen recht selten vor.

Fasziniert hat mich, dass man nur mit einem einzigen, recht einsamen Männchen beginnt, das irgendwo verloren im Wald steht. Und mit dieser DNS-Sparbüchse wird eine ganze Nation gegründet, verwaltet und weiterführt. Um das Spiel zu gewinnen, muss man entweder alle Computergegner besiegen oder schließlich ein Alien "erschaffen".

Abbildung 1: Adam, but no Eve: Wie man hier zu einer Vermehrung kommt, bleibt dem geneigten Spieler oder Gentechniker überlassen.

Die Möglichkeit, "Weltwunder" zu bauen und damit die heimische Bevölkerung gnädig zu stimmen, gibt dem Spiel einen zusätzlichen Ansporn. Überhaupt ist es wichtig, die öffentliche Meinung, den Ausbildungsstand der Einwohner, ihre Aufgaben und die Nahrungsvorräte immer im Auge zu behalten. Sonst haben Gegner leichtes Spiel im Kampf, die Bevölkerung verhungert oder rebelliert gar und wendet sich gegen Sie, den allmächtigen Herrscher.

Wenn Sie freeciv oder den Vorgänger Civilization I nicht kennen, finden Sie im Hauptmenü von Call to Power ein umfangreiches und sehr hilfreiches Tutorial. Auch ein Blick in das dicke Handbuch gibt wichtige Informationen zum Spielprinzip.

Abbildung 2: Bis zum Mittelalter hat man schon einige Stunden investiert.

Es gibt auch die Möglichkeit, Civilization mit anderen im Netzwerk zu spielen. Doch bei einem derart umfangreichen und langwierigen Spiel bringt die Netzwerkoption nur dann Spaß, wenn man sich wöchentlich für mehrere Stunden mit den anderen Mitspielern trifft. "Mal eben" für ein paar Stunden ergibt eine Mehrspielerpartie nicht viel Sinn, dafür ist Civilization einfach zu komplex.

Fazit

Civilization: Call to Power bietet Langzeitspielspaß, der geradezu süchtig macht. Die Grafik ist gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert worden. Abzüge gibt es für die oft sehr klein geratenen Buttons und den verbesserungswürden Kampfmodus. Dafür ist die Sound-Ausgabe gut gelungen und auf der Höhe der Zeit, alle Befehle werden von den Spielfiguren akustisch kommentiert.

Civilization: Call to Power

Langzeitspielspaß: 100%
Grafik: 95%
Sound: 80%
Steuerung: 80%
Multiplayer: 70%
Gesamtwertung: 85%

Der Autor

René Gäbler ist freischaffender Autor und schreibt Bücher zu Linux- und Windows-Themen. Er beschäftigt sich seit zwei Jahren mit Linux und ist damit noch ein Newbie. In seiner Freizeit bastelt er an einer kommerziellen Web-Seite und versucht sich mit einem Fernstudium an der Kunstschule Zürich.

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LinuxUser 03/2012

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