Futter für den Gnom

Überblick: aktuelle gtk+-Anwendungen für Helix GNOME

01.08.2000
Für den Einsatz von GNOME als Desktop-Umgebung sprechen nicht nur seine grundlegenden Desktop-Funktionalitäten, sondern auch die wachsende Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger gtk+-basierter Anwendungen. LinuxUser gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Anwendungen, die der aktuellen Helixcode GNOME Preview 2 beiliegen.

Natürlich können Sie GNOME- oder gtk+-basierte Programme nach der Installation der GNOME-Basispakete auch unter KDE ausführen. Ein populäres Beispiel, auf das ich weiter unten in diesem Artikel noch mal zurückkommen werde, ist das Bildbearbeitungs-Wunder Gimp. Es gibt jedoch mindestens zwei Gründe, die für den Einsatz gtk+-basierter Anwendungen unter GNOME und eben nicht unter KDE sprechen: das einheitlichere Look & Feel und die bessere Unterstützung einiger GNOME-Desktop-Funktionalitäten. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Dennoch ist uter Kennern die Meinung weit verbreitet, dass die Widgets, Buttons und Icons gtk+-basierter Anwendungen ihren ganz besonderen Charme besitzen und in ästhetischer Hinsicht gut mit den Qt-basierten Grafikbausteinen mithalten können.

Da ist es recht praktisch, wenn mit GNOME ein einheitliches Look & Feel realisiert werden kann, das nur noch dann etwas leidet, wenn mangels gtk-Alternative auf eine X11-Anwendung zurückgegriffen werden muss, die auf einer fremden grafischen Bibliothek aufsetzt. Neben dieser eher ästhetischen Dimension spricht jedoch ein wichtiger funktionaler Aspekt für den Einsatz von GNOME als Desktop-Umgebung für gtk+-basierte Anwendungen. Zentrale Eigenschaften eines modernen Desktops wie Drag & Drop oder Cut & Paste (siehe "Gelungene Aufholjagd" in diesem Heft) funktionieren in der Regel nur zwischen solchen Anwendungen, die mit denselben Basisbibliotheken erstellt wurden: So lässt sich in GNOME eine normale Textdatei ohne weiteres per Drag & Drop vom GNOME-Dateimanager (Midnight Commander gmc) in das ebenfalls gtk+-basierte Textverarbeitungsprogramm Abiword "ziehen" (Drag), so dass diese dort unverzüglich nach dem Fallenlassen (Drop) geöffnet wird. Ein Versuch, dieselbe Datei im geöffneten Qt-basierten Texteditor KWrite "fallen zu lassen", scheitert jedoch aus besagter Inkompatibilität der Basisbibliotheken. Nun will ich Sie nicht länger auf die Folter spannen und Ihnen nun endlich die versprochenen GNOME-Programme vorstellen.

Noch ein Office-Paket

Work in Progress: In AbiWord Personal fehlt noch so manches wichtige Feature

Was für KDE das freie Mammutprojekt KOffice, das ist für GNOME das Open-Source-Projekt Abisuite. Unter der Leitung der Firma SourceGear Corporation soll in Zusammenarbeit mit interessierten freien Entwicklern nach und nach eine gtk+-basierte plattformübergreifende Open-Source-Office-Suite entstehen. AbiWord, das Textverarbeitungs-Modul, ist bereits für die Erstellung einfacherer Dokumente einsatzfähig und wurde deshalb in die aktuelle GNOME-Release von Helixcode mit aufgenommen. Neben den üblichen Texteditor- und einigen Textformatierungsfunktionen bietet es sogar schon eine (auf die englische Sprache beschränkte) Rechtschreibprüfung. Das hauseigene Dateiformat ist .abw in der un-gzip-ten oder .zabw in der gzip-ten Form. Darüber hinaus lassen sich z. B. auch rtf- und Word-97-Dateien öffnen. Der Import-Filter ist zwar (noch) nicht optimal – ähnlich wie bei anderen Textverarbeitungen treten auch in AbiWord beim Import von Word-Dateien in bestimmten Fällen die üblichen Konvertierungsfehler auf. Wenn es für Sie aber in erster Linie darauf ankommt, kleinere, gering-formatierte Dokumente (wie etwa Briefe) in AbiWord zu übernehmen, dann dürfte der Import-Filter in den meisten Fällen seinen Zweck erfüllen.

Die verfassten Dokumente lassen sich derzeit wahlweise im AbiWord-eigenen Dateiformat oder als .txt-, .rtf-, .html- oder LaTeX-Dateien abspeichern.

In der aktuellen Version (0.7.9) eignet sich AbiWord in erster Linie als Programm zum Betrachten von Textdateien verschiedenster Herkunft und zum Erstellen von einfachen Text-Dokumenten. Es beherrscht zwar bereits grundlegende Funktionen eines modernen Textverarbeitungssystems, kann jedoch professionellen Konkurrenten wie StarOffice oder Wordperfect (noch) nicht das Wasser reichen.

Excel-Killer Gnumeric

Auch komplexere statistische Berechnungen sind unter Gnumeric kein Problem.

Wer in der Vergangenheit unter Linux nach einem vollwertigen Excel-Ersatz gesucht hat, musste fast zwangsläufig zu den Tabellenkalkulationen greifen, die in den Office-Paketen kommerzieller Software-Hersteller integriert sind (z. B. StarCalc in StarOffice). Seit einiger Zeit steht jedoch mit Gnumeric eine GPL-Tabellenkalkulation zur Verfügung, die das Zeug dazu hat, zum "besseren Excel" zu werden. Von einfachen mathematischen Funktionen über statistische Analyseverfahren (ANOVA, Regressionsanalyse, …) bis zu praktischen Filter- und Sortieralgorithmen bietet Gnumeric bereits jetzt schon nahezu alles, was man sich von einer zeitgemäßen Tabellenkalkulation wünscht. Einer der wenigen wirklichen Schwachpunkte ist momentan noch das Fehlen eines Diagramm-Wizards. Neben dem eigenen Gnumeric-XML-Dateiformat existiert eine Vielzahl von Import- und Export-Filtern für gängige und exotischere Dateiformate (diff, kommagetrennt, HTML, Excel 95/97, …). Ein leicht erweiterbarer Plugin-Mechanismus sorgt dafür, dass zukünftige Formate (auch von kommerziellen Herstellern) leicht integriert werden können.

Die Entwicklergruppe um den GNOME-Mitbegründer Miguel de Icaza macht einen sehr engagierten und kompetenten Eindruck. Man darf gespannt sein, was sich diese Crew noch so alles einfallen lässt. Gnumeric eignet sich jedenfalls schon in der aktuellen Version (0.54) für einfache wie komplexere Berechnungen aller Art.

Diagrammeditor Dia

UML-Diagramme leicht gemacht: Dia ist das geeignete Werkzeug für (Software-)Ingenieure

Wenn Sie Visio für Windows kennen oder bisher gar mangels Linux-Alternative benutzen, dann sollten Sie sich das Diagrammerzeugungsprogramm Dia mal näher anschauen. Es eignet sich für die Erstellung von Diagrammen aller Art und stellt in der derzeit verfügbaren Version (0.85) einige interessante Features zur Verfügung, mit denen Sie auf einfache Weise Diagrammsymbole für verschiedene Anwendungskontexte erzeugen können. Bisher wurden spezielle Objekte für folgende Anwendungsfelder implementiert:

  • Circui
  • Ladder
  • ER (Entity-Relationship)
  • Electric
  • FS (Fluss)
  • Flowchar
  • GRAFCET
  • Pneumatic/Hydraulic
  • UML (Unified Modelling Language)
  • Chronogram
  • Civil
  • Network
  • Sybase

Damit richtet sich das Programm bisher vor allem an Ingenieure und Informatiker. Da es aber auch über einige elementare Diagramm-Symbole (Kreis, Vieleck, Bogen, Linienzug, …) verfügt, lässt es sich durchaus auch für andere Anwendungsfelder nutzbar machen.

Applikationsentwicklung ganz einfach

Haben Sie ein eigenes konsolenbasiertes Programm geschrieben und möchten diesem ein grafisches Gewand im GNOM-Look & Feel geben, ohne sich im Detail in die gtk-Spezifikationen einzuarbeiten? Kein Problem mit GLADE, einem sogenannten RAD-Tool (Rapid Application Development) für gtk-basierte Anwendungen. GLADE gestattet es Ihnen, sich mit wenigen Mausklicks ein ansprechendes grafisches Benutzer-Interface zusammenzubauen. Das fertige Projekt lässt sich als XML-Datei abspeichern. GLADE erzeugt daraus wahlweise Sourcecode für die Programmiersprachen C, C++, Ada 95, Perl oder Eiffel.

Klassiker der Bildbearbeitung

In Sachen Übersichtlichkeit und Bedienerfreundlichkeit deutlich zugelegt: Bildbearbeitung GIMP

Auch auf die Gefahr hin, dass ich viele Leser langweile, möchte ich doch die vielen Linux-Neulinge kurz auf eines der Vorzeige-Projekte der Open-Source-Gemeinde aufmerksam machen. The GIMP (GNU Image Manipulation Program) ist ein Universal-Bildbearbeitungsprogramm, das sich ähnlich wie Photoshop besonders für Aufgaben wie das Retouchieren von Fotos oder das Erstellen und Verwalten von Bilddateien eignet. Die 1.2-Prerelease 1.1.22 von GIMP protzt nicht mehr nur wie gewohnt in Sachen Funktionsvielfalt, sondern ist auch Beweis dafür, dass die Entwickler inzwischen mehr Wert auf Bedienkomfort legen als in der Vergangenheit.

Bereits bei der Benutzerinstallation fällt angenehm auf, dass man sich die Mühe gemacht hat, ansprechendere Benutzerdialoge zu implementieren. GIMP präsentiert sich auch nach dem Programmstart wesentlich übersichtlicher. Obwohl gegenüber älteren Versionen eine Vielzahl neuer Features hinzugekommen sind, findet man in der Regel auf Anhieb die gewünschte Funktion. Außerdem wurde eine umfassende (Kontext-) Hilfe integriert, die dem Benutzer bei Verständnisfragen zur Seite steht.

Keine Frage: GIMP stellt eine vollwertige Alternative zu kommerziellen Bildbearbeitungsprogrammen dar.

Grafische Helferchen für GNOME

Neben der neuen Version des Klassikers GIMP bringt GNOME 1.2 zwei weitere grafische Tools mit, die speziell für den Einsatz unter GNOME konzipiert wurden: Eye of Gnome ist ein einfaches Bildbetrachtungs- und Katalogisierungsprogramm. Bisher (Version 0.3.0) beschränkt sich seine Funktionalität allerdings auf das Anzeigen von Bildern mit verschiedenen Zoom-Faktoren.

Mit Icon Edit lassen sich, wie der Name bereits stark vermuten lässt, Icons für GNOME erstellen bzw. editieren. In der Version 1.0.6 gibt es leider, unabhängig vom verwendeten Window Manager, noch Probleme beim Einstellen der Fenstergröße.

Digitalkamera-Software gPhoto

GPhoto unterstützt schon mehr als 100 Digitalkameras

Sind Sie stolzer Besitzer einer neuen Digitalkamera oder wollen Sie sich in Kürze eine solche kaufen? Wenn Sie Ihre Kamera-PC-Verbindung unter Linux realisieren wollen, dann sollten Sie sich (am besten noch vor dem Kamerakauf!) mal gPhoto in der aktuellsten Version (>=0.4.3) anschauen. Das Programm unterstützt bereits mehr als 100 verschiedene Digitalkameras und eignet sich als Software-Schnittstelle für die Verwaltung Ihrer digitalen Bilder über den PC. Wenn Sie sich näher für die momentanen Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Digitalkameras unter Linux interessieren – im LinuxUser Ausgabe 06/2000 haben wir einen ausführlichen Praxistest mit aktuellen Digitalkameras unter Linux durchgeführt.

Sound-Studio GNOME

Im Paket gnome-media sind diverse Sound-Tools für GNOME enthalten. gtcd ist ein einfacher CD-Player mit CDDB-Support. Mit grecord können Sie eigene Klänge aufnehmen und abspielen. Hinter gmix verbirgt sich ein komfortables Mischpult, mit dem Sie nach Belieben die Klangeigenschaften Ihrer Soundkarte beeinflussen können.

Ripper und MP3-Encoder Grip

MP3s selbstgemacht mit Grip

grip ist ein grafisches Frontend für verschiedene CD-Ripper und MP3-Encoder. Zugleich enthält das Programm den vollwertigen CD-Player gcd, den Sie bei Bedarf auch separat (ohne Ripper/Encoding-Funktionalität) installieren können. Grip ist ein Frontend für die Konsolen-Ripper cdparanoia und cdda2way. Es besteht jedoch die Möglichkeit, weitere Ripper zu integrieren. Die wav-Dateien lassen sich anschließend in MP3-Dateien umwandeln, wobei Sie hier ebenfalls die Wahl zwischen den sechs beiliegenden MP3-Encodern oder weiteren haben. Wenn Sie einen Internet-Zugang besitzen, dann kann Grip automatisch von einem CDDB-Server das ID3-Tag Ihrer neuerstellten MP3-Dateien ermitteln. Mit Hilfe dieser Information kann das Programm Song-, Album, und -Interpreternamen der neuerstellten MP3s feststellen und dadurch eine sinnvolle Verzeichnisstruktur für Ihre MP3-Dateien anlegen.

MP3-Player XMMS

Ein Muss für alle MP3-Fans und Winamp-Verehrer

xmms ist ein vollwertiger Winamp-Clone unter Linux. Wie sein Windows-Pendant bietet er neben dem Abspielen von MP3s einen Equalizer, einen Playlist-Editor sowie Skin- bzw. Plugin-Support. Unter http://www.xmms.org finden Sie jede Menge Skins, mit denen Sie das Aussehen Ihres MP3-Players nach Belieben verändern können (Sie können auch die Original-Winamp-Skins verwenden, da das Format identisch ist). Außerdem können Sie von dort auch Plugins herunterladen, mit deren Hilfe Sie die Funktionalität von xmms enorm erweitern können. So können Sie z. B. das Verhalten Ihres MP3-Players über Infrarot-Fernbedienung oder IBM's ViaVoice kontrollieren. Schließlich gibt es dort natürlich auch noch die beliebten Plugins, mit denen sich MP3-Sounds grafisch visualisieren lassen.

Internet-Clients für alle Zwecke

File Sharing im Internet mit dem gnapster-Client

Wundern Sie sich, woher Ihre Bekannten plötzlich all die tollen Musikstücke haben? Des Rätsels Lösung ist womöglich ein Napster-Client, mit dem Ihre Bekannten neue MP3s aus dem weltweiten Napster-Netz holen. Obwohl dieses Vorgehen rechtlich auf wackeligen Füßen steht, gibt es natürlich auch einen komfortablen Napster-Client für GNOME. Dieser heißt gnapster und bietet einen enormen Funktionsumfang, der kaum Wünsche offen lässt. Neben der standardmäßigen MP3-Suche über den offiziellen Napster-Server kann man auch eine Verbindung zu den sogenannten OPENNAP-Servern aufbauen, auf denen sich neben Audio-Daten auch Video-, Bild- und andere Dateien finden lassen.

Im Gegensatz zum Windows-Pendant stellt gnapster die angebotenen Verzeichnisse nicht in einer langen Liste, sondern in einer übersichtlicheren Baumstruktur dar. Außerdem ordnet gnapster alle unvollständig heruntergeladenen Dateien einem eigenen Verzeichnis zu, damit Sie auf einen Blick erkennen, ob der Download geglückt ist – Resume-Funktion (also Fortsetzen eines abgebrochenen Downloads) selbstverständlich inbegriffen! Seien Sie aber beim Einsatz von gnapster vorsichtig. Inzwischen existieren Programme (z. B. Media Enforcer), die illegale Napster-Aktivitäten registrieren. Außerdem existieren Berichte über Sicherheitslücken in Napster-Clients, die es einem Angreifer leicht machen, Ihr System auszuspionieren.

ICQ oder AIM

Mit GnomeICU oder Gaim finden Sie Ihre Bekannten ganz bestimmt im Internet.

Ähnlich unsicher wie der Napster-Dienst, aber mindestens ebenso praktisch sind die Internet-Dienste ICQ (gesprochen: I Seek You) von Mirabilis und AIM (AOL Instant Messenger) von AOL. Bei ICQ ist der Name eigentlich schon Programm. Jeder, der sich beim ICQ-Server mit einer eindeutigen ID registrieren lässt, kann von anderen Teilnehmern gesucht und gefunden werden. Wenn Sie online sind und Ihren ICQ-Client gestartet haben, dann können Sie sehen, ob Bekannte, deren ICQ-Client natürlich auch aktiv sein muss, sich ebenfalls gerade im Internet befinden. Über GnomeICU kann man dann z. B. ein wenig miteinander chatten oder Dateien bzw. interessante URLs austauschen.

Der AIM-Dienst von AOL funktioniert im Prinzip genauso wie ICQ, bietet jedoch noch einige weitere Features an. Da AOL selbst bisher keinen AIM-Client für Linux zum Download anbietet, musste sich die freie Entwicklerszene mal wieder selbst helfen und einen eigenen AIM-Client schreiben. Das Resultat dieser Bemühungen ist gaim, mit dem Sie seit kurzem auch unter Linux in Kontakt mit anderen AIM-Mitgliedern treten können.

Zwei tolle Programme, wenn Sie viele Leute kennen, die häufig online sind, und Sie bereit sind, das erhöhte Sicherheitsrisiko in Kauf zu nehmen.

IRC mit X-Chat

Plauderstunde im Netz gefällig? X-Chat macht es Ihnen so angenehm wie möglich.

Wenn Ihnen ein gelegentlicher Chat mit Bekannten über ICQ bzw. AIM noch nicht genügt und Sie neue Bekanntschaften im Internet knüpfen wollen, dann haben wir ein Suchtmittel für Sie. X-Chat ist ein IRC-Client (IRC steht für Internet Relay Chat), mit dem Sie über die Wahl eines IRC-Servers in die weite Welt der IRC-Junkies eintreten können. Das Programm bietet eigentlich alles, was in der Windows-Welt Programme wie mirc zur Verfügung stellen. Natürlich können Sie auch diverse Plugins und Perl-Skripte integrieren, die Ihre IRC-Session noch angenehmer machen.

Newsreader Pan

Newsreader deluxe - Pan kümmert sich um Ihre Abonnements

Schließlich gibt es im Internet auch noch das Usenet: Es bietet Newsgroups, die schwarzen Bretter des Internet. Für nahezu jedes erdenkliche Thema gibt es eine Newsgroup. pan ist ein komfortabler Newsreader für GNOME. Nach der Angabe eines News-Servers können Sie von diesem eine Gruppenliste anfordern. Wenn Sie sich für eine Gruppe entschieden haben, können Sie diese bequem abonnieren und die einzelnen Postings lesen. pan nimmt Ihnen nahezu alle Verwaltungsaufgaben hinsichtlich Gruppenabonnement und Nachrichtenselektion ab. Sie können pan z. B. anweisen, bestimmte Gruppen auf neue Postings hin zu überwachen und diese ggf. anzuzeigen.

Systemmonitore gtop und logview

Informationen über den Systemzustand aus erster Hand erhalten Sie von gtop und logview.

Hin und wieder kommt es vor, dass man detailliertere Informationen über den aktuellen Systemzustand benötigt. In früheren Zeiten musste man dafür meist mehrere Konsolenbefehle kennen, um unter Linux an derartige Systeminformationen zu gelangen. Mit grafischen Desktops ist dies nicht mehr unbedingt erforderlich. Die wichtigsten Systemdaten lassen sich auch mit X-Window-Tools in Erfahrung bringen.

Stellvertretend für eine Reihe von System-Tools unter GNOME stelle ich Ihnen die beiden Systemmonitore gtop und logview vor. gtop ist das grafische gtk-Frontend zum Konsolentool top. Sie können damit bequem aktuelle Informationen über laufende Prozesse, die Arbeitsspeicher-Auslastung und die momentane Platzsituation auf den einzelnen Dateisystemen Ihres Systems abfragen. Die Aktualisierung der Systemdaten erfolgt bei Bedarf natürlich nahezu in Echtzeit.

Anders als bei gtop müssen Sie beim Aufruf des Systemprotokoll-Monitors logview Administrator-Rechte besitzen. Schließlich können Sie sich damit nicht nur diverse Protokolldateien Ihres Systems einsehen, sondern diese auch von logview auf Unregelmäßigkeiten hin überwachen lassen. Wenn Sie etwa sicherstellen wollen, dass merkwürdige Aktivitäten an bestimmten Ports nicht unentdeckt bleiben, dann können Sie logview anweisen, mit Hilfe sogenannter regulärer Ausdrücke bestimmte Logdateien auf gewisse Zeichenmuster hin zu untersuchen und ggf. bestimmte Aktionen (z. B. eine Warnmeldung an die Benutzer Ihres Systems) zu starten.

Applets für das Panel

Allerlei Nützliches für das GNOME-Panel: Postkontrolle, Uhr, Batteriezustand, Modemlämpchen,…

Die bisher vorgestellten Programme lassen sich entweder über das GNOME-Hauptmenü (Fußabdruck) oder direkt aus einem X-Terminal heraus aufrufen. GNOME bietet jedoch auch die Möglichkeit, sogenannte Applets zu starten. Dabei handelt es sich um kleinere, nützliche Programme, die man in aktiviertem Zustand ins Panel integrieren kann, so dass diese jederzeit verfügbar sind. Typische Applets sind Uhren, Statusanzeigen und Kontrolllämpchen. Aus dem Sammelsurium an Applets möchte ich Ihnen drei besonders nützliche Exemplare kurz vor.

Die Applets Uhr und Postkontrolle bzw. Postkontrolle überwachen Ihre Mailbox auf neuankommende Mails. Uhr und Postkontrolle beinhaltet zwar gleich zwei Funktionalitäten, kann jedoch in der aktuellen Version nur Posteingänge auf dem lokalen Rechner registrieren. Wenn Sie eine Mailbox auf einem entfernten POP3- oder IMAP-Mailserver auf Neuzugänge kontrollieren wollen, dann sollten Sie zum Applet Postkontrolle greifen.

Das Applet Modemlämpchen verbindet Sie auf Knopfdruck mit dem Internet und beendet Ihre Sitzung ebenso schnell wieder. Während Ihrer Online-Zeit erhalten Sie bei Bedarf Informationen zu Verbindungszeit und Durchsatz. ISDN-Benutzer können dieses Applet übrigens prinzipiell auch für die Kontrolle ihrer ISDN-Karte einsetzen.

Wenn Sie Besitzer eines Laptops sind, werden Sie sich vielleicht über das Applet Batterieladungsanzeige freuen. Vorausgesetzt, Ihr laufender Kernel unterstützt APM ("Advanced Power Management"), dann zeigt Ihnen dieses Applet jederzeit den aktuellen Batteriestatus Ihres Laptops an und warnt Sie ggf. bei Unterschreitung eines Ladungsminimums.

Reiches Sortiment

Nun sind wir ans Ende unseres kleinen Streifzugs durch die Welt der GNOME-Anwendungen gelangt. Natürlich gibt es noch Hunderte weiterer nützlicher Anwendungsprogramme und Tools für die KDE-Alternative. Ich habe mich auf die Vorstellung derjenigen Programme beschränkt, die in der aktuellen Helixcode GNOME-Version 1.2 enthalten sind. Unter [1] bis [3] finden Sie eine umfangreiche Liste mit weiteren gtk+-basierten Programmen. Auch wenn es noch hier und da an optimalen Software-Lösungen auf gtk-Basis hapert (etwa bei gtk-basierten Modem- und ISDN-Tools a la kppp oder kISDN), so zeigt die vorgestellte Auswahl, dass GNOME inzwischen über eine ausreichende Zahl "nativer" Anwendungsprogramme verfügt, um sich als ernstzunehmende Alternative zu KDE etablieren zu können. Projekte wie "Helixcode" dürften auch in Zukunft dazu beitragen, dass GNOME an Attraktivität gewinnt.

Glossar

gtk+

Damit nicht jeder Programmierer jedesmal das Rad neu erfinden muss, haben sich im Laufe der Zeit eine Vielzahl von Programmbibiliotheken herausgebildet, die Programmcode enthalten, der immer wieder verwendet werden kann. gtk+ ist eine Erweiterung der gtk-Bibliothek, mit der das Bildbearbeitungsprogramm Gimp (daher gtk: Gimp Toolkit) geschrieben wurde. Bibliotheken, die grafische Elemente erzeugen, tragen auch häufig die Bezeichnung Toolkit (z. B. gtk, FLTK, Tcl/TK).

CD-Ripper

Ein Ripper liest Track-Informationen von Audio-CDs aus und erzeugt damit Wav-Dateien.

MP3-Encoder

Ein MP3-Encoder wandelt Sound-Dateien in das hochkomprimierende MP3-Format um: MP3-Dateien haben in der Regel nur ca. 10% der Ursprungsgröße, wobei die Qualität nur geringfügig abnimmt. MP3-Encoder unterscheiden sich zum Teil erheblich hinsichtlich Encoding-Qualität und Geschwindigkeit.

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