Futter für den Gnom

Überblick: aktuelle gtk+-Anwendungen für Helix GNOME

01.08.2000
Für den Einsatz von GNOME als Desktop-Umgebung sprechen nicht nur seine grundlegenden Desktop-Funktionalitäten, sondern auch die wachsende Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger gtk+-basierter Anwendungen. LinuxUser gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Anwendungen, die der aktuellen Helixcode GNOME Preview 2 beiliegen.

Natürlich können Sie GNOME- oder gtk+-basierte Programme nach der Installation der GNOME-Basispakete auch unter KDE ausführen. Ein populäres Beispiel, auf das ich weiter unten in diesem Artikel noch mal zurückkommen werde, ist das Bildbearbeitungs-Wunder Gimp. Es gibt jedoch mindestens zwei Gründe, die für den Einsatz gtk+-basierter Anwendungen unter GNOME und eben nicht unter KDE sprechen: das einheitlichere Look & Feel und die bessere Unterstützung einiger GNOME-Desktop-Funktionalitäten. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Dennoch ist uter Kennern die Meinung weit verbreitet, dass die Widgets, Buttons und Icons gtk+-basierter Anwendungen ihren ganz besonderen Charme besitzen und in ästhetischer Hinsicht gut mit den Qt-basierten Grafikbausteinen mithalten können.

Da ist es recht praktisch, wenn mit GNOME ein einheitliches Look & Feel realisiert werden kann, das nur noch dann etwas leidet, wenn mangels gtk-Alternative auf eine X11-Anwendung zurückgegriffen werden muss, die auf einer fremden grafischen Bibliothek aufsetzt. Neben dieser eher ästhetischen Dimension spricht jedoch ein wichtiger funktionaler Aspekt für den Einsatz von GNOME als Desktop-Umgebung für gtk+-basierte Anwendungen. Zentrale Eigenschaften eines modernen Desktops wie Drag & Drop oder Cut & Paste (siehe "Gelungene Aufholjagd" in diesem Heft) funktionieren in der Regel nur zwischen solchen Anwendungen, die mit denselben Basisbibliotheken erstellt wurden: So lässt sich in GNOME eine normale Textdatei ohne weiteres per Drag & Drop vom GNOME-Dateimanager (Midnight Commander gmc) in das ebenfalls gtk+-basierte Textverarbeitungsprogramm Abiword "ziehen" (Drag), so dass diese dort unverzüglich nach dem Fallenlassen (Drop) geöffnet wird. Ein Versuch, dieselbe Datei im geöffneten Qt-basierten Texteditor KWrite "fallen zu lassen", scheitert jedoch aus besagter Inkompatibilität der Basisbibliotheken. Nun will ich Sie nicht länger auf die Folter spannen und Ihnen nun endlich die versprochenen GNOME-Programme vorstellen.

Noch ein Office-Paket

Work in Progress: In AbiWord Personal fehlt noch so manches wichtige Feature

Was für KDE das freie Mammutprojekt KOffice, das ist für GNOME das Open-Source-Projekt Abisuite. Unter der Leitung der Firma SourceGear Corporation soll in Zusammenarbeit mit interessierten freien Entwicklern nach und nach eine gtk+-basierte plattformübergreifende Open-Source-Office-Suite entstehen. AbiWord, das Textverarbeitungs-Modul, ist bereits für die Erstellung einfacherer Dokumente einsatzfähig und wurde deshalb in die aktuelle GNOME-Release von Helixcode mit aufgenommen. Neben den üblichen Texteditor- und einigen Textformatierungsfunktionen bietet es sogar schon eine (auf die englische Sprache beschränkte) Rechtschreibprüfung. Das hauseigene Dateiformat ist .abw in der un-gzip-ten oder .zabw in der gzip-ten Form. Darüber hinaus lassen sich z. B. auch rtf- und Word-97-Dateien öffnen. Der Import-Filter ist zwar (noch) nicht optimal – ähnlich wie bei anderen Textverarbeitungen treten auch in AbiWord beim Import von Word-Dateien in bestimmten Fällen die üblichen Konvertierungsfehler auf. Wenn es für Sie aber in erster Linie darauf ankommt, kleinere, gering-formatierte Dokumente (wie etwa Briefe) in AbiWord zu übernehmen, dann dürfte der Import-Filter in den meisten Fällen seinen Zweck erfüllen.

Die verfassten Dokumente lassen sich derzeit wahlweise im AbiWord-eigenen Dateiformat oder als .txt-, .rtf-, .html- oder LaTeX-Dateien abspeichern.

In der aktuellen Version (0.7.9) eignet sich AbiWord in erster Linie als Programm zum Betrachten von Textdateien verschiedenster Herkunft und zum Erstellen von einfachen Text-Dokumenten. Es beherrscht zwar bereits grundlegende Funktionen eines modernen Textverarbeitungssystems, kann jedoch professionellen Konkurrenten wie StarOffice oder Wordperfect (noch) nicht das Wasser reichen.

Excel-Killer Gnumeric

Auch komplexere statistische Berechnungen sind unter Gnumeric kein Problem.

Wer in der Vergangenheit unter Linux nach einem vollwertigen Excel-Ersatz gesucht hat, musste fast zwangsläufig zu den Tabellenkalkulationen greifen, die in den Office-Paketen kommerzieller Software-Hersteller integriert sind (z. B. StarCalc in StarOffice). Seit einiger Zeit steht jedoch mit Gnumeric eine GPL-Tabellenkalkulation zur Verfügung, die das Zeug dazu hat, zum "besseren Excel" zu werden. Von einfachen mathematischen Funktionen über statistische Analyseverfahren (ANOVA, Regressionsanalyse, …) bis zu praktischen Filter- und Sortieralgorithmen bietet Gnumeric bereits jetzt schon nahezu alles, was man sich von einer zeitgemäßen Tabellenkalkulation wünscht. Einer der wenigen wirklichen Schwachpunkte ist momentan noch das Fehlen eines Diagramm-Wizards. Neben dem eigenen Gnumeric-XML-Dateiformat existiert eine Vielzahl von Import- und Export-Filtern für gängige und exotischere Dateiformate (diff, kommagetrennt, HTML, Excel 95/97, …). Ein leicht erweiterbarer Plugin-Mechanismus sorgt dafür, dass zukünftige Formate (auch von kommerziellen Herstellern) leicht integriert werden können.

Die Entwicklergruppe um den GNOME-Mitbegründer Miguel de Icaza macht einen sehr engagierten und kompetenten Eindruck. Man darf gespannt sein, was sich diese Crew noch so alles einfallen lässt. Gnumeric eignet sich jedenfalls schon in der aktuellen Version (0.54) für einfache wie komplexere Berechnungen aller Art.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • MP3-Sammelsucht unter Linux
    Auch bei Linux-Anwendern erfreuen sich MP3-Musikdateien einer ständig wachsenden Beliebtheit. Da ist es wenig verwunderlich, dass es auch für das momentane Lieblingskind der MP3-Fan-Gemeinde, Napster, Portierungen der Original-Windows Software gibt.
  • Desktop-Alternative GNOME 1.2
    Von vielen X11-Anwendern nicht beachtet und von manchen Distributoren gar vorzeitig abgeschrieben meldet sich die Desktop-Umgebung GNOME in einer neuen Version zurück. LinuxUser stellt Ihnen die wichtigsten Komponenten von Helix GNOME 1.2 vor und hilft Ihnen bei der Frage, ob sich ein Upgrade bzw. eine Neuinstallation lohnt.
  • Gnome 2.10 im Überblick
    Mit dem jüngsten Release besinnt sich der Gnome-Desktop zurück auf klassische Grundwerte wie einfache Bedienung und Konfiguration. Dazu bringt er zahlreiche neue Anwendungen und Applets mit. Aber auch unter der Haube bietet Gnome 2.10 eine solidere Basis und innovative Lösungen.
  • Distributed Filesharing unter Linux
    In der letzten Zeit gab es einigen Aufruhr um Napster, ein Programm, mit dem viele Benutzer MP3s und mit Hilfe von Wrapster auch andere Dateien tauschen können. Diejenigen, die Napster nicht kannten, werden das spätestens tun, seit Metallica Napster gezwungen hat, Benutzer, die illegal Metallica-MP3s verbreitet hatten, aus Napster auszuschließen. Aber Napster ist nicht das einzige Programm bzw. der einzige Service dieser Art – es gibt einige sehr interessante Nachfolger.
  • Alter Name, neuer Desktop: Gnome 3
    Der Wechsel auf Gnome 3 ist für Anwender ein großer Schritt: Konzept und Philosophie von Gnome 3 unterscheiden sich deutlich vom Vorgänger. Gnome-Freunde müssen sich entscheiden, ob sie erheblichen Lernaufwand in die Bedienung eines quasi neuen Desktops investieren oder sich mit der gleichen Energie besser der Konkurrenz KDE 4.7 zuwenden. Wir helfen bei der Entscheidung.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 02/2016: Alt-PCs flott machen

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Der Tipp der Woche

Schon gewußt?

14.11.2015

Auch unter Ubuntu 15.10 kann man wieder mit dem Startmedienersteller (alias Startup Disk Creator) ein Live-System auf einem USB-Stick einrichten. ...

Fehler des Startmedienerstellers von Ubuntu 15.10 umgehen

Aktuelle Fragen

Leap 42.1 und LibreOffice
Heinz Kolbe, 09.02.2016 21:54, 0 Antworten
Moin moin, auf meinem Notebook habe ich Leap 42.1 und Win 10 installiert. Alles läuft rund nur...
Tails Update
Val Lerie, 11.01.2016 10:51, 0 Antworten
Hallo zusammen, updaten > update Speichern unter > Persistent nicht möglich, mit der Meldung;...
Recoll
Jürgen Heck, 20.12.2015 18:13, 4 Antworten
Wie kann man mit Recoll nach bestimmten Zeichen/Satzzeichen bzw. Zeichenkombinationen suchen, z....
Wings Platinum 4 auf Linux?
Bodo Steguweit, 18.12.2015 11:37, 4 Antworten
Hallo in die Runde ich nutze für meine Diashows Wings Platinum 4 als Diareferent. Arbeite jetzt...
Bandbreite regulieren
Georg Armani, 25.11.2015 16:50, 1 Antworten
Hallo, ich bin ein Neuling in Sachen Linux und hoffe auf Hilfe. Ich habe zwei Windows Rechner...