RPMs installieren

Wenn Sie ein Binär-RPM-Paket haben, das zu Ihrer Linux-Distribution passt, dann können Sie es wahlweise auf der Konsole mit Hilfe des Dienstprogrammes rpm installieren oder dafür ein grafisches Frontend wie kpackage (unter KDE) oder gnorpm unter GNOME verwenden. Einige aktuelle Distributionen liefern noch weitere Tools mit, die den gleichen Zweck erfüllen, so etwa SuSE (YaST) und easyLinux (eProfile).

In den meisten Fällen werden Sie mit einer der Desktop-Umgebungen KDE oder GNOME arbeiten. Unter KDE können Sie das Tool kpackage, unter GNOME gnorpm zur Installation von RPM-Paketen verwenden.

kpackage

Um Pakete installieren zu können, müssen Sie Administrator-Rechte besitzen. Geben Sie in einem Konsolen-Fenster den Befehl su ein – Sie werden dann nach dem Passwort für den Administrator root gefragt. Nach erfolgreicher Eingabe starten Sie den Paket-Manager mit kpackage. (Bei einigen Distributionen können Sie kpackage auch direkt oder über den Menüpunkt Dienstprogramme/kpackage des Startmenüs aufrufen, ohne vorher zu root zu werden: es öffnet sich dann vor dem Programmstart ein Fenster, in dem Sie das root-Passwort eingeben können; siehe Abb. 1)

Abbildung 1: Beim Start von kpackage als normaler Anwender wird das root-Passwort abgefragt

Beim Programmstart liest kpackage zunächst die in der RPM-Datenbank gespeicherten Informationen über alle installierten Programmpakete ein und zeigt diese in einer Baumübersicht an: jedes Paket ist in diese Hierarchie eingeordnet, den Editor emacs finden Sie beispielsweise unter RPM/Applications/Editors.

Abbildung 2: In der Baumansicht finden Sie alle bereits installierten RPM-Pakete

Um nun ein neues Paket zu installieren, wählen Sie den Menüpunkt Datei/Öffnen. Es erscheint der klassische Öffnen-Dialog von KDE, und hier können Sie nun das gewünschte Paket auswählen (Abb. 2). kpackage zeigt nun in der rechten Hälfte Informationen über das Paket an: Unter dem Tab Eigenschaften finden Sie eine Kurzbeschreibung, die unter anderem Name und Version des Pakets anzeigt (Abb. 3). Klicken Sie auf den Tab Datei-Liste, um eine Auflistung aller Dateien zu erhalten, die bei einer Installation neu angelegt würden – Sie sehen dabei auch direkt die Verzeichnisse, in die die Dateien gehören.

Abbildung 3: Paket-Eigenschaften unter kpackage

Links finden Sie fünf ankreuzbare Felder: Upgrade, Ersetze Dateien, Ersetze Pakete, Überprüfe Abhängigkeiten und Test. Diese haben die folgenden Bedeutungen:

  • Upgrade: Wenn Sie ein Paket installieren wollen, das bereits in einer älteren Version vorhanden ist, dann müssen Sie dieses Feld ankreuzen, um ein Update durchführen zu können (dabei wird die ältere Version gelöscht). Ist Upgrade nicht angekreuzt und eine ältere Version vorhanden, wird die Installation verweigert.
  • Ersetze Dateien: rpm prüft, ob durch die Installation bereits vorhandene Dateien überschrieben würden. Das kann zum Beispiel passieren, wenn zwei Pakete eine gleichnamige Konfigurationsdatei im Verzeichnis /etc erwarten. Wenn Sie dieses Feld ankreuzen, wird ein Paket selbst dann installiert, wenn es dadurch eine Datei überschreiben würde. Ansonsten erhalten Sie in dieser Situation eine Fehlermeldung.
  • Ersetze Pakete: Diese Option stellt ein Gegenstück zu Upgrade dar: auch hier wird ein Paket installiert, wenn es bereits in anderer Version vorhanden ist – dabei bleibt das alte Paket jedoch erhalten. Das kann sinnvoll sein, wenn Sie etwa zwei Versionen einer Bibliothek installieren wollen.
  • Überprüfe Abhängigkeiten: RPM-Pakete "wissen", welche weiteren Pakete notwendig sind, damit das aktuelle Paket lauffähig ist: So ist etwa das KDE-Base-Paket kdebase nur dann lauffähig, wenn auch qt und kdelibs installiert sind, da anderenfalls die von allen KDE-Programmen benutzten Bibliotheken fehlen würden. Fehlt ein benötigtes Paket, dann erhalten Sie eine Fehlermeldung. Wenn Sie genau wissen, dass alle notwendigen Dateien vorhanden sind und trotzdem eine Fehlermeldung erhalten, dann können Sie diese Option deaktivieren – dies kann Ihnen zum Beispiel dann passieren, wenn Sie ein Paket einer fremden Linux-Distribution installieren wollen: das benötigte Paket hat bei Ihrer Distribution vielleicht einen anderen Namen und wird deswegen nicht gefunden, obwohl es installiert ist.
  • Test: Wollen Sie zunächst nur prüfen, ob sich das Paket problemlos installieren lässt? Dann kreuzen Sie das Feld Test an – es werden dann keine Dateien installiert.

In den meisten Fällen können Sie die Voreinstellung dieser fünf Optionen übernehmen. Klicken Sie auf Installieren, um das ausgewählte Paket zu installieren. Über Abbrechen kommen Sie wieder in die Baumansicht der installierten Pakete zurück. Übrigens: Anstatt ein Paket über Datei/Öffnen auszuwählen, können Sie es auch von einem kfm-Fenster per Drag & Drop auf das kpackage-Fenster ziehen. Ist kpackage noch nicht geöffnet, können Sie im kfm per Einfachklick auf das rpm-Archiv kpackage starten. Das funktioniert aber nur, wenn (wie oben beschrieben) beim Start durch einen normalen Anwender ein Passwort-Dialog erscheint. Ist dies nicht der Fall, gibt es noch eine Möglichkeit, kpackage mit den nötigen Rechten aus dem kfm-Fenster aufzurufen: Wählen Sie dazu den Menüpunkt System/KFM Dateimanager (Super User Modus) auf. Nach Eingabe des Passworts wird ein kfm-Fenster geöffnet, in dem Sie Administrator-Rechte haben; Sie erkennen das an der roten Markierung links oben im kfm-Fenster. Wenn Sie in diesem Fenster auf ein rpm-Archiv klicken, wird kpackage ohne Passwort-Abfrage gestartet.

Abbildung 4: Rote Markierung links oben bedeutet: In diesem Fenster haben Sie root-Rechte

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