Quelltexte übersetzen

Kommen wir nun zur komplizierteren Variante, Software auf Ihrem Rechner zu installieren – hier liegt das Programm als Quelltext-Archiv vor. Dazu muss es zunächst an einer geeigneten Stelle entpackt werden; es bietet sich /usr/local/src/ an.

Wechseln Sie also in dieses Verzeichnis, werden Sie zum Administrator root und entpacken Sie dort das Programm-Archiv. Archive, die auf .tar.gz oder .tgz enden, entpacken Sie mit tar xzf pfad/paket.tar.gz und Pakete, die auf .tar.bz2 enden, mit tar xIf pfad/paket.tar.bz2 (Zwischen "x" und "f" steht ein großes "i" wie "Insel".) Dadurch wird ein neues Unterverzeichnis mit den Quelltext-Dateien erzeugt; wechseln Sie hinein. In den meisten Fällen folgt nun der klassische Installations-Dreischritt "configure/make/make install":

[root@dual myprog-1.1.0]# ./configure
...
[root@dual myprog-1.1.0]# make
...
[root@dual myprog-1.1.0]# make install

Alle drei Befehle führen dazu, dass Ihr Bildschirm sich mit Unmengen an Systemmeldungen füllt. Was passiert hier alles?

  • Der erste Schritt ./configure (der unbedingt mit einem Punkt und Schrägstrich vor dem Wort "configure" eingegeben werden muss) startet das im aktuellen Verzeichnis liegende Shell-Skript namens configure: Dieses wurde vom Programmierer für Sie erstellt und hat die Aufgabe, sich auf Ihrem Linux-System genau umzusehen. Es prüft, welches Betriebssystem und welche Version Sie verwenden (das gleiche Quelltext-Archiv lässt sich in der Regel auch auf anderen Unix-Varianten verwenden), welcher Compiler installiert ist (unter Linux meistens der GNU C Compiler) und ob alle benötigten Programmbibliotheken in ausreichend aktuellen Versionen vorliegen. Ist alles zur vollen Zufriedenheit von configure, dann erzeugt das Skript ein sogenanntes Makefile. (Siehe Abb. 8)
  • … und das Makefile brauchen Sie für die nächsten beiden Schritte. Wenn Sie das Dienstprogramm make aufrufen (welches dazu auch installiert sein muss!), arbeitet es Ihr frisch erstelltes Makefile der Reihe nach ab: das Makefile enthält eine Rezept-ähnliche Auflistung, was alles in welcher Reihenfolge geschehen muss, um ein fertiges (binäres) Programm zu erzeugen. Die beiden Schritte ./configure und make können je nach Umfang des Programmes recht lange dauern.
  • Schließlich werden mit make install alle erstellten Dateien an die vorgesehenen Stellen in Ihrem Dateisystem kopiert: Programme selbst landen meist unter /usr/bin oder /usr/local/bin, Hilfe-Seiten (man pages) unter /usr/man oder /usr/local/man, Konfigurationsdateien unter /etc usw. Damit ist die Installation abgeschlossen: Wenn das erstellte Programm funktioniert, können Sie das Verzeichnis, in dem Sie die Übersetzung durchgeführt haben, wieder löschen.
Abbildung 8: ./configure – der erste Schritt zum fertigen Programm

Sollte dieses Verfahren nicht möglich sein, weil es keine Datei configure gibt, dann schauen Sie sich die Dateien im Verzeichnis an: meistens finden Sie dort eine Datei COMPILE oder README, in der die richtige Vorgehensweise beschrieben ist.

Mehr zu tar & Co.

In der Rubrik "Zu Befehl" (in dieser Ausgabe auf Seite 86) geht es noch einmal ausführlicher um die Arbeit mit tar, gzip und bzip2 – Archive sind ja nicht nur für die Installation neuer Programme nützlich.

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