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Next Generation

Netscape 6

01.08.2000 Es sah schon fast so aus, als hätte Netscape den Kampf gegen den großen Rivalen Internet Explorer von Microsoft aufgegeben. Doch nun zieht Netscape mit der Version 6 (nein, das ist kein Druckfehler. ;-) Version 5 wurde übersprungen) einen neuen Trumpf aus dem Ärmel.

Dieser Artikel gibt einen kurzen Einblick in die Funktionsweise und die Neuerungen, die Netscape 6 mitbringt. Auch wenn Netscape mit der Versionsnummer 6 Microsoft überrundet, bleibt natürlich die Frage, ob die Nummer hält, was sie verspricht. Anhand der Preview Release 1 gehen wir dieser Frage auf den Grund. Als dieser Artikel geschrieben wurde, stand die endgültige Version von Netscape 6 noch nicht zur Verfügung, so dass wir uns im Folgenden auf die Vorstellung der aktuellsten Preview Release 1 beschränken. Einen ersten Eindruck und einen Einblick in die neuen Konzepte, die in Netscape 6 umgesetzt worden sind, sollten Sie dadurch trotzdem erhalten. Die jeweils aktuellste Release steht auf [1] kostenlos bereit. Wer den knapp 10 MB großen Download nicht scheut, findet hier fertige Pakete für Windows, MacOS und natürlich Linux.

Für Linux gibt es derzeit leider nur eine englischsprachige Version. Eine deutsche Version dürfte aber spätestens einige Wochen nach Veröffentlichung der endgültigen Version erhältlich sein. In diesem Artikel wenden wir uns natürlich ausschließlich der Linux-Version zu, die sich aber von den anderen Paketen nich groß unterscheiden sollte. Ist das Paket erst einmal aus dem Internet geladen, mit dem Befehl tar xvzf netscape-version.tar.gz in einem dafür vorgesehenen Verzeichnis entpackt und der neue Browser im Unterverzeichnis package durch Eingabe von ./netscape gestartet, dann werden Sie nach dem Aufruf möglicherweise erst mal ziemlich überrascht sein. Die Oberfläche mit ihren Bedienelementen à la Communicator musste einem völlig neuen Design weichen. (s. Abbildung 1)

Abbildung 1: Netscape 6 in neuem Look

Mit der neuen Render-Engine Gecko, die u.a. für eine flüssige und korrekte Darstellung von Webseiten sorgen soll, wurde auch ein vollkommen neues Look&Feel implementiert. Wie Sie aus Abbildung 1 entnehmen können gliedert sich das Hauptfenster nach dem Start in drei Bereiche:

  • Menü- und Navigationszeile
  • My-Sidebar
  • Web-Seitenansicht

Keines dieser Elemente erinnert mehr an Oberflächen, wie man sie von KDE oder GNOME gewohnt ist. Auch wenn die Entwickler des freien Mozilla-Projekts (siehe unter http://www.mozilla.org), auf dem Netscape 6 aufbaut, hiermit eine einfachere Handhabung erzielen wollten, dürfte mancher Anwender eine gewisse Zeit brauchen, bis er sich an das neue Aussehen gewöhnt hat.

Wenn Sie sich die Oberfläche nach dem Start anschauen, sehen Sie zunächst nicht allzu viel an Funktionalität. Die Navigationszeile wurde auf vier Buttons reduziert und wirkt - wie der Rest - recht einfach. Doch der Schein trügt: Netscape enthält nämlich in der Version 6 nicht nur einen einfachen Internet-Browser, sondern noch jede Menge an nützlichen Zusatztools rund um die Internet-Benutzung. Bei genauerer Betrachtung entdecken Sie in Netscape 6 u.a. folgende Komponenten:

  • Web-Browser (wen hätte das gewundert :-) )
  • Mail-Client
  • Netscape-Composer zum Erstellen von einfachen HTML-Seiten nach dem WYSIWYG-Prinzip.
  • My-Sidebar zum schnellen Zugriff auf Web-Inhalte
  • Passwort-Manager
  • Cookie-Manager
  • Netscape Instant Messenger
  • Adressbuch Diese Liste ließe sich sicherlich noch ein wenig erweitern, doch wir wollen uns hier auf die wichtigsten Tools beschränken.

Alles meins!

Hinter My-Sidebar steckt ein neues Konzept: Das Tool soll einen schnellen Zugriff auf oft benötigte Daten aus dem Internet bieten. My-Sidebar lässt sich an die individuellen Bedürfnisse eines jeden Benutzers anpassen. Damit können Sie z. B. schnell auf Ihre Bookmarks zugreifen oder sich laufend über aktuelle Börsenkurse informieren lassen. Netscape wird mit der finalen Version eine Reihe von Diensten anbieten, die dann in My-Sidebar integriert werden können. Um nicht den Überblick zu verlieren, lassen sich über die Schaltfläche customize Dienste für My-Sidebar gezielt an- und abwählen (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Konfigurieren Sie My-Sidebar nach Ihren Wünschen.

Natürlich ist My-Sidebar so konzipiert, dass Sie während des Surfens immer mit aktuellen Informationen versorgt werden. Wenn Sie allerdings der Meinung sind, dass My-Sidebar zuviel Platz auf dem Bildschirm verbraucht, dann haben Sie auch die Möglichkeit, das Sidebar-Fenster auf eine beliebige Größe zu reduzieren. Benutzen Sie dazu den hellblauen Anfasser am Rahmen.

Sicherheit

Auch das Sicherheitskonzept des Browsers wurde komplett überdacht. Mit der Entscheidung, einen Cookie-Manager und einen Passwort-Manager zu implementieren, gibt Netscape dem User jetzt mehr Möglichkeiten, sich gegen ungewollte Angriffe zu schützen. Über den Menüpunkt Tasks/Personal Managers gelangen Sie in die entsprechenden Dialogfelder.

Der Passwort-Manager dient dazu, alle Passwörter und Login-Daten von Web-Seiten zu verwalten. Werden Sie z.B. auf einer Seite nach Ihren zuvor vergebenen Login-Daten gefragt, meldet sich der Passwort-Manager und fragt Sie, ob die Daten in die Passwort-Liste aufgenommen werden sollen. Dieser Vorgang erspart Ihnen das Merken von unzähligen Passwörtern für verschiedene Online-Angebote.

Die Passwort-Liste wird durch ein von Ihnen gewähltes Master-Passwort geschützt. Wenn Sie sich nun auf einer bereits eingetragenen Seite einloggen, benötigen Sie nur noch das Master-Passwort, damit Ihre Zugangsdaten automatisch eingetragen werden.Der Cookie-Manager aus Abbildung 3 bietet ebenfalls neue Sicherheitsvorkehrungen.

Abbildung 3: Behalten Sie die Kontrolle über Ihre Cookies.

In Abhängigkeit von den Einstellungen unter dem Menüpunkt Edit/Preferences/Advanced/Cookies werden so genannte Cookies auf Ihrem Rechner gespeichert. Cookies sind Dateien, in die Website-Anbieter Informationen über Ihr Surf-Verhalten eintragen. Wenn ein Website-Anbieter durch Einlesen einer Cookie-Datei in Erfahrung bringt, dass Sie z.B. vor kurzer Zeit schon einmal auf seiner Homepage waren, dann kann er z.B. sein Web-Angebot darauf abstimmen. In bestimmten Fällen könnte dies in Ihrem Interesse sein, in vielen Fällen werden Sie solche Informationen über sich aber nicht preisgeben wollen.

Damit Sie hier nicht den Überblick verlieren, wurde der Cookie-Manager programmiert. Das kleine Programm gibt Ihnen eine Liste aller gepeicherter Cookies aus und zeigt Ihnen dazu wichtige Informationen, anhand derer es Ihnen leichter fallen wird, zu beurteilen, ob Sie ein bestimmtes Cookie für seriös halten. Wenn Sie ihm nicht trauen, dann können Sie es durch einen Mausklick von Ihrer Festplatte entfernen.Neben dem gezielten Einsatz dieser beiden Managern, gibt es natürlich unter Preferences/Advanced noch die Möglichkeit, sicherheitskritische Einstellungen wie JavaScript gezielt zu deaktivieren.

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LinuxUser 03/2012

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