Wir möchten Ihnen in dieser und den beiden folgenden Ausgaben Datenbankprogramme vorstellen, die klein, kompakt und möglichst einfach zu bedienen sind. Diese Programme haben gemeinsam, dass sie ohne aufwendige Serverkonfiguration in Betrieb zu nehmen sind.
Neben der Installation zeigen wir an Beispielen, wofür sich die Kandidaten besonders eignen. Wir gehen auf Besonderheiten bei der Bedienung ein und prüfen, inwieweit ein Datenaustausch mit anderen Programmen möglich ist.
Wie viele andere Berufsgruppen pflegen auch die Datenbanker eine eigene "Fachsprache". Ganz ohne sie kommen wir auch bei Minidatenbanken nicht aus. In Tabelle 1 finden Sie daher Erklärungen für Begriffe, die im Folgenden häufiger auftauchen.
Tabelle 1: Kleines Lexikon der Datenbankbegriffe
| Feld | Kleinste Informationseinheit einer Datenbank. Ein Feld enthält genau einen Wert, z. B. einen Nachnamen innerhalb einer Adressverwaltung. |
| Datensatz | In einem Datensatz sind alle zusammengehörenden Felder zusammengefasst, beispielsweise alle Angaben zu einer Adresse. |
| Tabelle | Eine Tabelle wiederum fasst Datensätze zusammen. Eine Zeile einer Tabelle entspricht einem Datensatz, eine Tabellenzelle einem Feld. |
| Datenbank | Eine Datenbank ist eine Sammlung beliebig strukturierter Daten, sie kann aus einer oder mehreren Tabellen bestehen. QuickList unterstützt nur eine Tabelle pro Datenbank. |
| Bericht | Die formatierte Ausgabe aller oder bestimmter Datensätze einer Datenbank nennt man Bericht. |
| Abfrage | Eine Abfrage enthält die Untermenge der Datensätze und Felder einer Datenbank, die bestimmte Kriterien erfüllt. |
| Filter | Ein Filter umfasst den Teil der Datensätze, der bestimmten Kriterien entspricht. In einem Filter befinden sich stets vollständige Datensätze. |
| Formular | Ein Formular ist ein Bildschirmbereich, in dem jeweils ein Datensatz dargestellt wird. |
QuickList
Den Anfang dieser Artikelreihe macht das Programm QuickList. Seine Entwickler verstehen es als Werkzeug, das ohne überflüssigen Ballast einfach nur beliebige Daten verwaltet. Nach ihren Aussagen soll QuickList einmal eine Datenbank ähnlich dem Datenbankmodul von RagTime für den Mac oder dem Datenbankteil von Works für Windows werden.
QuickList stellt die Datensätze in einer Tabelle dar, eine Formularansicht ist für zukünftige Versionen geplant. Neben der Beschränkung auf die wirklich wichtige Funktionalität (Das Motto der Entwickler lautet: "Kein SQL, keine Relationen!"), sind geringe Größe und hohe Ausführungsgeschwindigkeit wichtige Entwicklungsziele. Auch auf einem 486er soll QuickList noch ausreichend schnell laufen, in Ermangelung eines solchen Rechners bleibe ich die Bestätigung allerdings schuldig.
Quicklist: Download und Installation
QuickList 0.8.6 finden Sie auf der Heft-CD im Verzeichnis LinuxUser/quicklist/.
Alternativ gibt es die jeweils neueste Version auf der QuickList-Homepage [3]. Neben dem Quelltext benötigen Sie noch GTK in einer Version ab 1.2.0. (Die aktuelle Version 1.2.8 finden Sie ebenfalls auf der Heft-CD; GTK sollte aber bereits installiert sein.) Entpacken sie die Datei quicklist-0.8.6.tar.gz in einem Verzeichnis, in dem Sie Lese- und Schreibrechte haben, mit
tar xvzf quicklist-0.8.6.tar.gz
Außer tar können Sie zum Auspacken natürlich auch ein Programm wie ark oder guitar benutzen. Anschließend wechseln Sie in das neue Verzeichnis quicklist-0.8.6.
Dank autoconf und automake sind Übersetzung und Einrichtung schnell erledigt. Sie geben dazu an der Konsole nacheinander die Befehle
./configure make
und als root
make install
ein.
Jetzt können Sie mit dem Befehl exit die root-Rechte wieder abgeben und Ihre Minidatenbank durch Eingabe von quicklist auf einer Kommandozeile starten.
Der erste Start
Nach erfolgreicher Übersetzung und Installation begrüßt QuickList Sie mit einem Dialog, in dem Sie auswählen können, ob Sie eine neue Datei anlegen, eine bestehende öffnen oder eine Datenbank importieren möchten (Abbildung 1).
Da anfangs noch keine QuickList-Tabelle existiert, klicken Sie auf New List, um eine neue Tabelle zu definieren. Es erscheint ein Dialog, in dem Sie nacheinander die Eigenschaften der einzelnen Felder der Datenbanktabelle festlegen. Ich möchte am Beispiel einer Datenbank für Zeitschriftenartikel zeigen, wie eine neue Tabelle erstellt wird.
Zunächst gilt es festzulegen, welche Informationen gespeichert werden sollen. Neben dem Namen des Verfassers sind das der Titel des Artikels, die Zeitschrift, in der der Artikel stand, die Ausgabe und die Seitenzahl. Hilfreich ist ein Feld "Sachgebiet", um die Daten später auch nach Themen ordnen zu können.
Nacheinander definieren Sie jetzt die einzelnen Felder: Ins Textfeld Column Name geben Sie den Feldnamen ein, der später als Spaltenüberschrift in der Tabelle stehen soll.
In der zweiten Zeile wählen Sie den Feldtyp. Hier bestimmen Sie, ob Sie Text, Zahlen (Numeric), ein Datum (Date) oder die Uhrzeit (Time) speichern möchten. Für jedes Feld können Sie in der dritten Zeile des Dialogs festlegen, wie die jeweiligen Daten in der Tabelle ausgerichtet werden sollen: linksbündig (Left), zentriert (Center) oder rechtsbündig (Right).
Um die Felddefinition zu übernehmen, klicken Sie auf OK. In Abbildung 2 sehen Sie die Beschreibung für das Feld "Autor", in Tabelle 2 ist die vollständige Definition der Beispieldatenbank angegeben. Die komplette Vorlage für die Literaturdatenbank finden Sie unter [4].
Tabelle 2: Die Felder der Beispieldatenbank
| Feldname | Feldtyp | Ausrichtung |
|---|---|---|
| Sachgebiet | Text | Left |
| Autor | Text | Left |
| Titel | Text | Left |
| Zeitschrift | Text | Left |
| Ausgabe | Text | Left |
| Seite | Numeric | Left |
| Bemerkungen | Text | Left |



