LTOOLS - Lesen und Schreiben von Linux-Dateien unter Windows 9x und Windows NT

Friedliche Koexistenz

Ungeliebt, aber unvermeidlich: Auch der eingefleischteste Linuxer kann es nicht vermeiden, ab und zu doch mal Windows auf seinem Rechner zu booten, z. B. weil ein freundlicher, aber unbelehrbarer Kollege an die gerade eingegangene Mail ein Office-Dokument angehängt hat und es für das brandaktuelle Office 2010- Format halt im Augenblick nur unter Windows einen Datei-Viewer gibt …

Kaum hat man allerdings Windows gestartet, fällt einem ein, dass man genau diese Mail und ihr ungeliebtes Anhängsel auf der Extended-2-Linux-Partition gespeichert hat. Also rebooten, Linux starten, auf eine Windows-lesbare Partition kopieren, erneut Windows booten und … Halt! Unnötig, gibt es doch die LTOOLS, mit denen man Dateien auf Linux-Partitionen auch von Windows aus lesen und schreiben kann.

Die LTOOLS [1] sind unter Windows das, was die MTOOLS unter Linux sind. Sie können auf Dateien im "feindlichen" Dateisystem zugreifen, wenn Sie schnell mal eine Datei oder ein Verzeichnis suchen oder eine Datei kopieren wollen.

Kommandozeile allerorten

Den Kern der LTOOLS bildet ein Bündel von Kommandozeilenprogrammen, die, unter DOS oder im DOS-Fenster von Windows 9x oder Windows NT aufgerufen, ungefähr dieselbe Funktionalität bereitstellen wie die Linux-Befehle ls, cp, rm, chmod, chown und ln. Damit lassen sich unter Windows

  • Linux-Dateien und Verzeichnisse auflisten (Befehl: ldir),
  • Dateien von Linux nach Windows und umgekehrt kopieren (Befehle: lread, lwrite),
  • Linux-Dateien löschen oder umbenennen (Befehle: ldel, lren),
  • symbolische Links anlegen (Befehl: lln),
  • Verzeichnisse erstellen (Befehl: lmkdir),
  • Zugriffsrechte und Dateiattribute wie UID, GID verändern (Befehl: lchange),
  • Linux-Basisverzeichnis wechseln (Befehl: lcd) und das
  • Linux-Default-Laufwerk einstellen (Befehl: ldrive).

Die gesamte Funktionalität ist UNIX-artig in einem einzigen ausführbaren Programm realisiert, das mit einer Vielzahl von Parametern gefüttert werden will. Da sich aber kaum jemand ein halbes Dutzend Parameter merken oder gar eintippen wird, existieren zusätzliche Skripte, unter DOS/Windows Batchfiles genannt, die das übernehmen.

Und Java ist auch schon drin …

Kommandozeile ist out, Programme sind nur schick mit Klick! - Also brauchen die LTOOLS natürlich auch eine graphische Benutzeroberfläche. Mit dem Programm LTOOLgui steht für die LTOOLS eine graphische Benutzeroberfläche zur Verfügung, die auf den aktuellen Swing- Bibliotheken aus Java 2 basiert (Abb. 1). Das Programm bietet zwei Fensterhälften im Windows-Explorer-Stil, in denen die Verzeichnisstruktur jeweils eines DOS/Windows- und eines Linux-Laufwerks dargestellt und mit den üblichen Klickaktionen navigiert werden kann. Kopieren von Dateien in beiden Richtungen ist mit Copy-and-Paste oder durch Drag-and-Drop möglich. Ein Klick mit der rechten Maustaste öffnet einen Dialog, in dem die Dateiattribute angezeigt und verändert werden können. Durch Doppelklicken auf eine Datei wird diese gestartet oder mit der unter Windows registrierten Anwendung geöffnet. Das funktioniert übrigens auch bei Linux-Dateien, sofern es für diese unter Windows eine geeignete Anwendung gibt.

Man kann LTOOLgui übrigens auch einfach als Dateimanager unter Linux einsetzen. Dabei ist's dann ganz nett, dass es für die Kommandozeilenprogramme auch eine Linux-Variante gibt. Auf diese Weise kann man nämlich auch auf Festplattenpartitionen zugreifen, die gerade gar nicht 'gemountet' sind.

Abbildung 1: LTOOLgui - Java-Benutzeroberfläche für die LTOOLS

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