Digitalen Anrufbeantworter einrichten

Bei Anruf Linux

Schon seit langer Zeit ist es möglich, eine aktive oder passive ISDN-Karte in einem Linux-Rechner anzusteuern und zu nutzen. Gerade die Dial-on-demand-Funktion, die das Paket isdn4linux bietet, hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass Privatleute und auch kleinere Unternehmen einen Linux-Rechner als Internet-Gateway für ein kleines lokales Netzwerk einrichten. Doch damit sind die Möglichkeiten dieses ISDN-Tools noch lange nicht erschöpft. Wie wäre es denn zum Beispiel mit einem Anrufbeantworter?

Innerhalb des Pakets I4L, dem ISDN-Komplettpaket für Linux, ist eine kleine Programmsammlung enthalten, welche einen Linux-Rechner zu einem multifunktionalen Anrufbeantworter macht: Vbox. Das Programm vboxgetty kann eingehende Gespräche entgegennehmen. Es überwacht Ihre ISDN-Leitung hinsichtlich ankommender Anrufe, zeichnet Nachrichten auf und legt diese als Sound-Datei ab. Vboxgetty bildet damit die Basis für alle weiteren Programme des Vbox-Pakets. Dieses ist übrigens, wie so viele Programme, mehrbenutzerfähig entwickelt worden. Es ist also möglich, den Anrufbeantworter so zu konfigurieren, dass Vbox auf eingehende Telefongespräche mehrerer Telefonnummern lauscht und diese getrennt ablegt. Der Zugriff auf diese verschiedenen Mailboxen wird durch das Programm vboxd geregelt. Es stellt einen Dienst zur Verfügung, bei dem sich verschiedene Benutzer, auch über das Netzwerk, anmelden und ihre persönliche Mailbox abhören können. Hierfür existiert ein Frontend, das etwas irreführend schlicht vbox heißt.

Mit dem Tool vbox2www (http://www.kalka.org/linux/dox/isdnvbox.html) ist sogar die Abfrage über einen Web-Browser möglich

Vboxbeep überwacht die lokalen Vbox-Verzeichnisse, in denen neu aufgenommene Nachrichten abgelegt werden und gibt einen Signalton ab, sobald vboxgetty dort einen neuen Anruf gespeichert hat.

Die Konfiguration

Bevor Sie die Dienste von Vbox konfigurieren, sollten Sie für jeden Anwender entsprechende Verzeichnisse erstellen, welche die benutzerspezifischen Konfigurationsdateien enthalten. Dazu müssen Sie einfach folgende Verzeichnisse anlegen:

/var/spool/vbox/benutzer/
/var/spool/benutzer/incoming/
/var/spool/benutzer/messages/

Das Mailbox-Verzeichnis ist zwar prinzipiell frei wählbar, in den meisten Distributionen ist jedoch /var/spool voreingestellt. Möchten Sie die Mailbox der Benutzer davon abweichend in ein anderes Verzeichnis legen, dann müssen Sie dafür sorgen, dass der Eintrag des Spool-Verzeichnisses in der Konfigurationsdatei vboxgetty.conf auch auf diese Verzeichnisse verweist (siehe weiter unten).

Zuerst sollten Sie das zentrale Programm vboxgetty einrichten. Zu diesem Zweck müssen Sie im Verzeichnis /etc/isdn mit einem Texteditor wie z. B. KWrite eine Datei vboxgetty.conf anlegen. Diese Datei muss die grundlegenden Optionen des Vboxgetty enthalten. Außerdem müssen hier auch verschiedene Verzeichnisse angegeben werden, die einmal die Anrufbeantworternachrichten enthalten sollen.

Beispiel einer /etc/isdn/vboxgetty.conf

compression     adpcm-4
umask   077
badinitsexit    10
dropdtrtime     400
initpause       2500
commandtimeout     4
echotimeout     4
ringtimeout     6
alivetimeout    1800
freespace       2000000
debuglevel      FEWIDJ
# Settings for port ttyI6
port /dev/ttyI6
  modeminit     ATZ&B512&E7830022
  user  jolly
  group users
  spooldir      /var/spool/vbox/jolly

Damit die vorgesehenen Benutzer einen Zugriff auf den digitalen PC-Anrufbeantworter erhalten, müssen schließlich noch deren Home-Verzeichnisse modifiziert werden. Dazu muss (beispielsweise in /home/jolly) die Konfigurationsdatei .vboxrc erzeugt werden. In dieser Datei können Sie den Usernamen sowie ein Passwort angeben.

Start von vgetty

Damit vboxgetty nach jedem Neustart automatisch zur Verfügung steht, bietet es sich an, es bei der Systeminitialisierung über init gleich mit zu starten. Dazu müssen Sie die Konfigurationsdatei /etc/inittab z. B. um folgende Zeile ergänzen:

I6:2345:respawn:/usr/local/sbin/vboxgetty -d /dev/ttyI6 u jolly p vboxnotify a Michael@Home.ne

Der Parameter u jolly bewirkt dabei, dass die Benutzereinstellungen für den User Jolly verwendet werden, welche Sie natürlich zuvor bereits festgelegt haben müssen. p sorgt darüber hinaus dafür, dass bei Eingang einer Sprachnachricht automatisch eine Benachrichtigungs-Mail an die unter a angegebene E-Mail-Adresse geschickt wird.

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