gnome-huge-alpha.png

Gelungene Aufholjagd

Desktop-Alternative GNOME 1.2

01.08.2000
Von vielen X11-Anwendern nicht beachtet und von manchen Distributoren gar vorzeitig abgeschrieben meldet sich die Desktop-Umgebung GNOME in einer neuen Version zurück. LinuxUser stellt Ihnen die wichtigsten Komponenten von Helix GNOME 1.2 vor und hilft Ihnen bei der Frage, ob sich ein Upgrade bzw. eine Neuinstallation lohnt.

Vor etwa vier Jahren fanden sich im Internet Linux-Begeisterte mit dem Ziel, eine grafische Benutzeroberfläche für Linux zu entwickeln, die den Vergleich mit der Windows- oder Mac-Oberfläche nicht zu scheuen braucht. Es gab damals zwar bereits diverse Window-Manager (z. B. fvwm2 oder Afterstep) für die X-Oberfläche; mit CDE stand prinzipiell sogar eine Desktop-Umgebung zur Verfügung. Die vorhandenen Lösungen hatten aber einige Nachteile (Window-Manager: z. B. kein Session-Management oder Drag & Drop; CDE: kommerziell und veraltet), so dass im Internet ein verteiltes Entwicklungsprojekt ins Leben gerufen wurde, um eine neue grafische Benutzeroberfläche zu schaffen. Es gab jedoch Meinungsverschiedenheiten darüber, auf welcher Basis (genauer: auf welchem GUI-Toolkit) die Benutzeroberfläche in Programmcode umgesetzt werden sollte. Zur Debatte stand zunächst die Qt-Bibliothek der norwegischen Firma Trolltech. Die konsequenten Anhänger der Open-Source-Bewegung bemängelten jedoch, dass Qt (damals noch) einer kommerziellen, nicht-freien Lizenz unterlag. Sie machten darauf aufmerksam, dass mit dem Gimp-Toolkit (gtk/gtk+) auch eine freie Bibliothek zur Verfügung steht, mit der ähnlich einfach grafische Elemente erzeugt werden können. So kam es schließlich dazu, dass sich ein Teil der freien Internet-Entwickler für die Unterstützung des (Qt-basierten) KDE-Projekts entschied, während ein anderer Teil das (gtk/gtk+-basierte) GNOME-Projekt ins Leben rief.

Kooperation statt Rivalität

In der Zwischenzeit ist, nicht zuletzt aufgrund der nachträglichen Open-Source-Lizenzierung von Qt, die einstige Rivalität der beiden Projekte eher einer kooperativen Annäherung gewichen. Die Entwickler beider Seiten sind bemüht, Anwendungsprogramme, die für die jeweils andere Desktop-Umgebung geschrieben wurden, auch in die eigene Oberfläche (halbwegs) zu integrieren. Dennoch: KDE hat sich v. a. in Europa bisher besser durchsetzen können als GNOME. Besonders nachteilig wirkt sich derzeit auf die weitere Verbreitung von GNOME aus, dass einige Linux-Distributoren inzwischen völlig auf KDE setzen (z. B. Calderas eDesktop 2.4, Corel Linux OS 1.0 oder easyLinux 2.0) oder aber die Standardinstallationsroutine auf KDE hin optimieren, so dass GNOME, wenn überhaupt, erst nach zusätzlichen Konfigurationsschritten betriebsbereit ist. Red Hat ist momentan die einzige (hinsichtlich weltweiter Verkaufszahlen) größere Distribution, die GNOME als Standard-Desktop einsetzt.

Doch von einem stillen Untergang kann keine Rede sein. Mit dem Versionssprung von 1.0 auf 1.2 könnte GNOME, unterstützt von Firmen wie Helix Code, Inc., möglicherweise sogar ein Comeback gelingen. Im Folgenden zeigen wir Ihnen, welche Features GNOME in der aktuellen Version mitbringt und wie Sie die Helixcode GNOME-Binary-Release 1.2 in Ihr bestehendes Linux-System integrieren können.

Window-Manager nach Wahl

Helix GNOME setzt derzeit auf den noch jungen Window-Manager Sawfish

GNOME im engeren Sinne besteht v. a. aus dem GNOME-Panel, dem GNOME-Kontrollzentrum, der Drag & Drop-Funktionalität und einem Session-Management-System. Während KDE mit seinem kwm bereits einen eigenen Window Manager mitbringt, überlässt GNOME es jedem Anwender selbst, welchen Window Manager dieser einsetzt. Einschränkend muss jedoch hinzugefügt werden, dass bisher nur eine Handvoll Window Manager in der Lage sind, mit GNOME (nahezu) optimal zusammenzuarbeiten. In der aktuellen Version 1.2 liefert Helixcode nur Sawfish als Window-Manager mit. Wenn Sie einen anderen GNOME-fähigen Window-Manager bevorzugen, dann können Sie diesen selbstverständlich nach ggf. erforderlicher Nachinstallation im GNOME-Kontrollzentrum unter Arbeitsplatz/Fenstermanager als aktuellen Window Manager aktivieren.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • News und Programme rund um GNOME
    GNOME und GTK als Programmbasis von GNOME haben in den letzten Jahren immer mehr Anhänger gefunden. Inzwischen gibt es Programme für fast jede Aufgabe, und täglich kommen neue hinzu. In der Rubrik Gnomogram wollen wir jeden Monat die Perlen unter den GNOME-Tools vorstellen und über die neuesten Gerüchte und Informationen zu GNOME berichten.
  • Jo´s alternativer Desktop
    Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie von nun an regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Windowmanager und Desktopumgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor. In dieser Ausgabe bittet Ihr Desktop im Lande des GNOMEs zum Tanz.
  • News und Programme rund um GNOME
    GNOME und GTK als Programmbasis von GNOME haben in den letzten Jahren immer mehr Anhänger gefunden. Inzwischen gibt es Programme für fast jede Aufgabe und täglich kommen neue hinzu. In der Rubrik Gnomogram wollen wir jeden Monat die Perlen unter den GNOME-Tools vorstellen und über die neuesten Gerüchte und Informationen zu GNOME berichten.
  • Überblick: aktuelle gtk+-Anwendungen für Helix GNOME
    Für den Einsatz von GNOME als Desktop-Umgebung sprechen nicht nur seine grundlegenden Desktop-Funktionalitäten, sondern auch die wachsende Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger gtk+-basierter Anwendungen. LinuxUser gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Anwendungen, die der aktuellen Helixcode GNOME Preview 2 beiliegen.
  • Jo´s alternativer Desktop
    Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window-Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor. Nachdem wir nun in der letzten Ausgabe mit wmxeinen klassischen Vertreter der Window-Manager kompiliert haben, folgt in den nächsten beiden Ausgaben dessen Einsatz auf dem Desktop.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 11/2014: VIDEOS BEARBEITEN

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 4 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...