Plot-Programme unter Linux

Malen nach Zahlen

Wer unter Linux Daten graphisch visualisieren will oder einfach nur eine Möglichkeit sucht, eine mathematische Funktion auszugeben, landet früher oder später beim freien Programm Gnuplot. Dieser Artikel soll eine für Einsteiger verständliche Einführung in die Bedienung dieses Programms geben. Um Alternativen zum Kommandozeilenprogramm Gnuplot zu zeigen, werden wir dann auch einen Blick auf die in letzter Zeit immer häufiger werdenden Plotprogramme für X11/KDE werfen.

Gnuplot stellt sicherlich das Non-Plus-Ultra der Plotprogramme unter Linux dar. Die Tatsache, dass es sich hierbei um ein Kommandozeilenprogramm handelt, lässt Sie vielleicht schon ahnen, dass die Bedienung nicht ganz simpel ist. Aber keine Sorge, mit ein wenig Einarbeitungszeit werden Sie schnell gute Ergebnisse erzielen. Um darüber hinaus auch einen Eindruck von X11-basierten Plot-Programmalternativen zu erhalten, finden Sie am Ende dieses Artikels verschiedene Programme für X11/KDE beschrieben. Diese Plotprogramme können zwar vollkommen mit der Maus bedient werden, Sie werden aber merken, dass der Funktionsumfang von Gnuplot weit über den der vorgestellten KDE-Programme hinausgeht. Trotzdem sollten Sie für einfachere Aufgaben nicht auf den Komfort dieser Programme verzichten.

Fangen wir also direkt mit Gnuplot an:

Gnuplot – Der Einstieg

Falls Sie Gnuplot noch nicht auf Ihrer Festplatte haben, können Sie sich den Sourcecode im Internet besorgen. Viele aktuelle Distributionen liefern das Tool aber bereits mit.

Um Gnuplot zu benutzen, benötigen Sie eine funktionsfähige graphische Oberfläche (in der Regel X11) und einen installierten Windowmanager. Alle nachfolgenden Beschreibungen beziehen sich auf die Oberfläche KDE und den dazugehörigen Windowmanager kwm.

Um das Programm in Gang zu setzen, starten Sie einfach ein Terminal-Fenster (z.B xterm) und tippen am Eingabe-Prompt folgenden Befehl ein:

HomePC:/# gnuplot

Das Programm sollte sich jetzt wie in Abbildung 1 melden.

Abbildung 1: Gnuplot ist bereit!

Sie sehen, dass Gnuplot eine eigene Kommandozeile für Sie bereit hält. Die Befehle können hinter gnuplot eingegeben werden und mit einem Druck auf die Taste RETURN zur Ausführung gebracht werden. Bevor wir nun zu den verschiedenen Gnuplot-Befehlen kommen, wollen wir noch kurz einen Blick auf Kommandozeilenparameter werfen, die dem Programm beim Starten mit auf den Weg gegeben werden können.

Gnuplot kann eine Befehlsfolge aus einer Datei einlesen. Diese Möglichkeit ist besonders bei umfangreichen Aufgaben wünschenswert, da so nicht jedesmal alle Befehle von Neuem am Gnuplot-Prompt eingegeben werden müssen. Hinter dem Programmaufruf können beliebig viele Dateien angegeben werden, die dann nacheinander zur Ausführung gebracht werden sollen. Beispiel:

HomePC:/# gnuplot input_file_1 input_file_2

Gnuplot beginnt bei diesem Beispiel mit der Abarbeitung der Datei input_file_1. Mit den Befehlen exit und quit kann die Ausführung der ersten Datei abgeschlossen werden und zur nächsten weitergegangen werden. Wie Sie bemerken, kann man also zwischen zwei Ausführungsmodi unterscheiden:

  • der interaktive Modus (Eingaben werden vom Benutzer entgegengenommen)
  • und der Script-Modus (Eingaben werden aus einer Datei gelesen) Als letztes Beispiel zu den Kommandozeilenparametern, die Gnuplot beim Start übergeben werden können, soll folgendes betrachtet werden:
HomePC:/# gnuplot input_file_1 -- input_file_2

Hier wird mit der Ausführung der Befehle in der Datei input_file_1 begonnen, danach in den interaktiven Modus gewechselt (das - Zeichen!) und beim Beenden mit quit oder exit schließlich die Datei input_file_2 ausgeführt. Auf diese Weise ist eine Kombination der beiden Modi möglich.

Hilfe!

Kommen wir nun zum ersten Gnuplot-Befehl: help. Wie der Name bereits verrät, liefert dieser Befehl eine Online-Hilfe zu allen Gnuplot-Schlüsselwörtern. Geben Sie zunächst

gnuplot> help

ein. Es erscheint eine allgemeine Einführung in Gnuplot mit einer Auflistung aller weiteren Hilfethemen. Mit q beenden Sie die Anzeige des Hilfetextes und gelangen zum Prompt:

Help topic:

Jetzt können Sie ein Hilfethema angeben und den zugehörigen Text lesen. (Beispiel: plot) Hält Gnuplot noch weitere Unterthemen bereit, haben Sie nach dem Beenden der Hilfetextanzeige die Möglichkeit, diese am Prompt:

Subtopic of plot:

einzugeben. (Beispiel: example) Drücken Sie einfach RETURN, um zum normalen Hilfe-Prompt zurückzukehren. Ein weiteres RETURN beendet den Hilfemodus. Brauchen Sie Hilfe zu einem bestimmten Schüsselwort, dann geben Sie den Help-Befehl mit folgendem Syntax ein:

gnuplot> help 'Befehl'

Gnuplot verfügt über zahlreiche Variablen zur Einstellung verschiedener Parameter. (Zum Setzen dieser Werte später mehr) Einen Überblick über die aktuellen Werte erhalten Sie mit der Eingabe von:

gnuplot> show all

Mit diesen (Hilfe)-Möglichkeiten ausgerüstet können Sie sich jetzt an weitere Gnuplot-Befehle trauen.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Interessante Kurven
    Im wissenschaftlichen Umfeld kaum noch wegzudenken, fristet Gnuplot auf den meisten anderen Linux-PCs ein Schattendasein. Das wird dem Diagrammprofi nicht gerecht, denn auch abseits der Hochschulen ist er oft sehr nützlich.
  • Augenfällig
    Die Plotutils versprechen schnelle Hilfe bei der Visualisierung nummerischer Daten in unterschiedlichsten Ausgabeformaten.
  • Top 50
    Linux eignet sich nicht nur für die tägliche Arbeit, sondern auch bestens für Schule, spielerisches Lernen und das Hobby. Wir stellen die 50 besten Programme aus diesen Kategorien vor.
  • Konfiguration der Bash
    Für viele Einsteiger ist die Shell ein Mysterium, das fortgeschrittenen Anwendern und Linux-Gurus vorbehalten bleibt. Dabei verbirgt sich hinter dem Prompt ein flexibles Programm, mit dem Anwender beinahe jede Aufgabe lösen können.
  • Linux-Distributionen für die Schule
    Um Schülern den Umgang mit Computern beizubringen, müssen Schulen nicht zu teuren Windows-Lizenzen greifen. Linux ist das System der Wahl, ist es doch preiswert und gibt sich auch mit älterer Hardware zufrieden.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2016: Neue Desktops

Digitale Ausgabe: Preis € 5,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Brother Drucker DCP-J4120
Achim Zerrer, 09.12.2016 18:08, 0 Antworten
Hallo, ich wollte unter Leap 42.1 den Brother Drucker installieren und dazu das PPD- Datei vom do...
Drucker Epson XP-332 unter ubuntu 14.04 einrichten
Andrea Wagenblast, 30.11.2016 22:07, 2 Antworten
Hallo, habe vergeblich versucht mein Multifunktionsgerät Epson XP-332 als neuen Drucker unter...
Apricity Gnome unter Win 10 via VirtualBox
André Driesel, 30.11.2016 06:28, 2 Antworten
Halo Leute, ich versuche hier schon seit mehreren Tagen Apricity OS Gnome via VirtualBox zum l...
EYE of Gnome
FRank Schubert, 15.11.2016 20:06, 2 Antworten
Hallo, EOG öffnet Fotos nur in der Größenordnung 4000 × 3000 Pixel. Größere Fotos werden nic...
Kamera mit Notebook koppeln
Karl Spiegel, 12.11.2016 15:02, 2 Antworten
Hi, Fotografen ich werde eine SONY alpha 77ii bekommen, und möchte die LifeView-Möglichkeit nu...