Komfortable HTML-Editoren für Linux gibt es mittlerweile viele, und in der LinuxUser-Rubrik des Linux-Magazins 05/2000 haben wir Ihnen mit WebMaker schon eine Variante im typischen KDE-Look & Feel vorgestellt. Warum dann jetzt wieder ein anderer zum K-Tool des Monats wird? Mit gutem Grund, denn Quanta, um den sich diesmal alles drehen wird, bringt das eine oder andere Feature mit, auf das Sie beim WebMaker bis dato noch verzichten müssen.

So bietet er beispielsweise eine eingebaute HTML-Referenz. Während der WebMaker als reinrassiger Quelltext-Editor zur Vorschaudarstellung auf Netscape zurückgreifen muss, löst Quanta diese Aufgabe "hausintern". Darüber hinaus wird Quanta permanent weiter entwickelt, in der nächsten Zeit sind weitreichende Unterstützungen für die Arbeit mit CSS, PHP und JavaScript geplant.

Übrigens: Im Vergleichstest der HTML-Editoren ab Seite 34 finden Sie auch ein paar Worte zu Quanta!

… und los!

Gerade wegen dieser sehr aggressiven Weiterentwicklung lohnt ein regelmäßiger Besuch auf der Homepage des Projekts unter http://quanta.sourceforge.net/, um dort kurz und entschlossen die neueste Version herunter zu laden. Neben einem tar-Ball des Quellcodes stellen die Entwickler meist noch ein rpm-Paket der aktuellen Beta-Version bereit.

Heft-CD

Quanta 1.0 LinuxUser/k-tools/quanta-1.0-1mdk.i586.rpm (i586 Binary)LinuxUser/k-tools/quanta-1.0-1mdk.i686.rpm (i686 Binary)LinuxUser/k-tools/quanta-1.0-1mdk.src.rpm (Source-RPM)LinuxUser/k-tools/quanta-1.0.2.tar.bz2 (Sourcen, aktuellste Version)
Weblint 1.020 LinuxUser/k-tools/weblint-1.020.tar.gz (Sourcen)

Nach dem klassischen Kompilierdreisatz ./configure, make und make install oder alternativ einem rpm -i quanta.versionsnummer.rpm steht zwischen Ihnen und dem von Quanta unterstützten Web-Design eigentlich nur noch ein freundliches quanta & in einer Terminalemulation Ihrer Wahl.

Eingangs präsentiert sich der Editor dreigeteilt (Abbildung 1). Links befindet sich der Verzeichnisbaum, akkurat aufgeteilt nach Root-Verzeichnis und Home-Verzeichnis, Ihren – noch zu erstellenden – Web-Projekten sowie zu guter letzt der eingangs angesprochenen HTML-Dokumentation.

Im rechten Fenster stellt Quanta den Quellcode der HTML-Seiten dar. Sie können übrigens beliebig viele Seiten gleichzeitig beackern und sich zwischen Ihren Werken über die Karteireiter am unteren Rand munter hin und her bewegen.

Im unteren Fenster zeigt Ihnen Quanta das Ergebnis Ihrer Bemühungen in der Vorschaudarstellung. Wer das nicht braucht oder den Platz zwischenzeitlich anders nutzen möchte, schaltet diese Darstellung mit dem Tastenkürzel F6 an und ab. Wem Quantas Vorschau hingegen nicht reicht, kann die betreffende Datei jederzeit via Menüleiste (View/Open in Netscape und View/Open in KFM) auch in Netscape oder im KDE-Dateimanager betrachten.

Abbildung 1: Alle guten Dinge sind drei

Maßgeschneidert

Wie eigentlich alle KDE-Programme, so lässt sich auch Quanta nahezu völlig Ihren Bedürfnissen anpassen. Ins Konfigurationsvergnügen stürzen Sie sich über den Menüpunkt Options. Abbildung 2 beweist, dass es bei diesem Editor eine Menge zu konfigurieren gibt – wenn Sie das wollen.

Auch wenn das meiste davon selbsterklärend sein dürfte, möchte ich Sie auf einen Punkt hinweisen: Wem die voreingestellten Tastenkürzel für die wichtigsten Aktionen nicht gefallen, dem bietet sich unter Options/General options/Keys die Möglichkeit, selbige völlig den eigenen Vorstellungen anzupassen.

Abbildung 2: Nicht einmal steinig – der Weg zu Ihrem Traum-Quanta

Von Links, Schriften und anderen Absonderlichkeiten

Die Entwickler haben versucht, das Arbeiten mit Quanta so einfach wie möglich zu gestalten. Möchten Sie ein neues HTML-Dokument erstellen, sollte Ihr erster Blick dem Menüpunkt Insert/Quick Start gelten. Sobald Sie diesen angeklickt haben, offeriert Ihnen Ihr HTML-Helferlein eine Dialogbox (Abbildung 3), in der Sie per Mausklick die wichtigsten Eckdaten Ihrer Seite (Hintergrundfarbe oder -bild, Farbe der Links oder Titel der Seite etc.) festlegen können.

Abbildung 3: Klicken Sie das Grundgerüst Ihrer neuen HTML-Perle einfach zusammen!

Quanta erledigt für Sie daraufhin die wichtigsten Formalien, und Sie müssen im folgenden nur noch den Text Ihrer Wahl zwischen den body-Tags eingeben. Wer hier bereits über das Wort "body-Tag" stolpert, freut sich sicher über die eingebaute HTML-Referenz.

Möchten Sie mehr über die Funktionsweise/Bedeutung einer HTML-Auszeichnung erfahren, bewegen Sie Ihren Cursor über selbige und betätigen dann die rechte Maustaste. Im Kontext-Menü (Abbildung 4) wählen Sie Context help an, et voilà, im rechten Fenster erscheint sofort alles Wissenswerte dazu (Abbildung 5). Haben Sie die Lektüre der Hintergrundinfos beendet, gelangen Sie durch einen Klick auf den Project-Tab wieder zurück zu Ihrer HTML-Seite.

Die rechte Maustaste bietet zudem noch mehr Möglichkeiten. Ob Sie nun einen bestehenden Tag oder seine Attribute verändern wollen – hier finden Sie Hilfe. Der HTML-Syntax-Checker Weblint, der ebenfalls über das Kontextmenü gestartet wird, sagt Ihnen, ob Ihr HTML korrekt ist. Achtung: Weblint ist nicht Bestandteil von Quanta sondern muss zusätzlich installiert werden. Die neueste Version kann bei Bedarf von http://www.weblint.org/ herunter geladen werden.

Spürt Weblint einen Fehler in Ihrem HTML-Code auf, klicken Sie im Weblint-Output-Fenster (das ist jenes, in dem Quanta sonst die Vorschau Ihrer Web-Seite präsentiert) auf die Zeile mit der Fehlermeldung, und Ihr Editor bewegt den Cursor automatisch zum Grund des Übels, so dass Sie den Fehler sofort beheben können – notfalls nach einem Blick in die HTML-Referenz.

Abbildung 4: Wofür eine rechte Maustaste doch alles gut ist …
Abbildung 5: Wer's nicht im Kopf hat, muss es in der Doku haben

Auch Tabellen oder Listen erstellen Sie mit Quanta kurz und schmerzlos. Mit dem HTML-Helferlein Quick Start vergleichbar, bietet Ihnen Ihr Editor unter dem Menüpunkt Insert die Punkte Quick table und Quick list an. Das so erstellte Grundgerüst können Sie selbstverständlich im rechten Fenster über die Karteireiter Tables und Lists jederzeit verfeinern.

Übrigens können Sie in diesem Bereich auch allerlei Schabernack mit Formularen oder Schriften treiben. Im entsprechenden Tab finden Sie Icons für alle wichtigen und unwichtigen HTML-Tags wie beispielsweise die verschiedenen Überschrifts- oder Schriftgrößen, die Sie nur noch per Mausklick anwählen müssen. Quanta trägt diese dann für Sie an der aktuellen Cursor-Position im HTML-Quelltext ein. Einen kleinen Haken hat die Sache: Für den Inhalt der Tags müssen derzeit noch Sie sorgen, aber da Quanta "work in progress" ist, wer weiß?

Fundamentales finden Sie unter dem Tab Standard. In diesem Bereich haben die Entwickler die Tags für Kommentare, Absätze, Fett- oder Kursiv-Schriften und ähnliches versteckt. Auch Bilder oder Hyperlinks können hier eingefügt werden. Klicken Sie z. B. auf das Image-Icon (alternativ können Sie auch den Menüpunkt Insert/Insert Image anwählen), öffnet sich sofort eine Dialogbox (Abbildung 6), in der Sie sich mit Hilfe des kfms bis zum Bild Ihrer Wahl vorklicken können.

Die Maße der Grafik errechnet Quanta für Sie. Nachdem Sie gegebenenfalls noch Ausrichtung, Alternativtext oder einen Rand für das Bildchen in der Dialogbox definiert haben, reicht ein Klick auf OK, und die Daten sowie der korrekte relative Pfad zur Grafik werden mit dem img-Tag in den Quellcode geschrieben.

Ähnlich simpel gestaltet sich das Einfügen eines Links. Wählen Sie dazu das Anker-Icon oder Insert/Insert anchor an, und tragen Sie in der daraufhin aufploppenden Dialogbox (Abbildung 7) die nötigen Informationen ein.

Abbildung 6: Quanta hat ein Herz für Bilder
Abbildung 7: Wie link …

Sie sehen – HTML kann sooooooooo einfach sein. Lassen Sie mich wissen, wenn Ihre neue, mit Quanta erzeugte Homepage online geht. Ich surfe dann gerne einmal vorbei…

Glossar

CSS

"Cascading Style Sheets" sind Formatanweisungen, die Aussehen und Typographie bestimmter Textabschnitte einer Web-Seite festlegen.

PHP

Abkürzung für "Personal Home Page" oder auch "PHP Hypertext Preprocessor". Eine einfache Web-Skriptsprache, die es ermöglicht, dynamische Seiten ohne großen Aufwand zu erstellen. Der Anwendung sind kaum Grenzen gesetzt, da man PHP sehr leicht mit anderen Sprachen (JavaScript, HTML u. a.) kombinieren kann. PHP ist plattformunabhängig und läuft auf nahezu jedem Betriebssystem.

JavaScript

Eine Skriptsprache, die innerhalb von HTML-Dokumenten verwendet wird. Ziel und Zweck ist es, die Fähigkeiten von Web-Seiten zu verbessern und dynamische Dokumente zu ermöglichen. Dazu wurde mit dem Tag <skript> die Möglichkeit geschaffen, den Programmcode direkt in den HTML-Code zu integrieren. Ein weiterer Vorteil liegt in der einfachen Erstellung des Programmcodes. Hierzu ist keine spezielle Programmierumgebung notwendig. Statt dessen reicht ein einfacher Texteditor aus – der erstellte Code kann im Web-Browser getestet werden. Manche Surfer schalten die Unterstützung für JavaScript aus Sicherheitsgründen ab, weil beim Öffnen einer Web-Seite mit JavaScript der Code vom Browser interpretiert und auf dem eigenen Rechner sofort ausgeführt wird. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

tar-Ball

Slangausdruck für ein mit dem Archivierungsprogramm tar gepacktes (und zudem meistens mit gzip oder bzip2 komprimiertes) Softwarepaket, das den Quelltext des Programms zum Selbstkompilieren enthält.

Root-Verzeichnis

Ausgangspunkt oder Wurzel Ihres Linux-Verzeichnisbaums.

Home-Verzeichnis

Unter /home befinden sich die privaten Verzeichnisse, die Heimatverzeichnisse aller Systembenutzer. Das persönliche Home-Verzeichnis ist das Verzeichnis, in dem man sich direkt nach dem Einloggen automatisch wiederfindet.

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