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Unix-Tools unter Windows

Unix-Tools unter Windows

01.06.2000 Wäre es nicht praktisch, alle Windows-Programme unter Linux und umgekehrt verfügbar zu haben? Nach den ersten Wochen mit Linux gewöhnt man sich an den Umgang mit verschiedenen Standard-Unix-Tools. Wer dann wieder mit Windows arbeiten muss, vermisst diese Programme häufig. Wir zeigen Ihnen, dass Sie auch in der Microsoft-Welt nicht ganz auf die leistungsstarken Helfer verzichten müssen, die Sie unter Linux kennengelernt haben.

Auch wenn Sie noch nicht mit dem Linux-Einstieg begonnen haben, sind die Programme, die wir im folgenden beschreiben, einen Blick wert: So können Sie schon mal "Trockenübungen" unter Windows machen, bevor Sie mit Linux loslegen. Installationsprogramme für Windows 95/98/NT/2000 finden Sie auf der Heft-CD.

XEmacs – der Editor

Eines der bekanntesten freien Software-Projekte aus der Unix-Szene ist der Editor Emacs, der in zwei Varianten (GNU Emacs und XEmacs) existiert – da die XEmacs-Variante etwas komfortabler ist, wollen wir hier nur diesen besprechen.

Ein Editor eignet sich – im Gegensatz zu Textverarbeitungsprogrammen – ideal zum Bearbeiten von reinen ASCII-Textdateien, etwa Konfigurations- und HTML-Dateien oder Programm-Quellcodes. Emacs bietet hier für die verschiedensten Programmiersprachen Features wie Syntax Highlighting, automatische Einrückungen und Zusatzmenüs für automatische Compiler-Aufrufe etc. Emacs lässt sich durch selbsterstellte Lisp-Makros beliebig in seiner Funkionalität erweitern – so kann man ihn z. B. als Mail-Client, News-Reader oder sogar als Web-Browser verwenden. Der Name Emacs ist übrigens eine Abkürzung für "Editor" und "Macros", auch wenn die fünf Buchstaben wegen seines hohen Speicherbedarfs als "Eight Megabytes Almost Continously Swapping" (frei: mit 8 MB RAM swappt er ständig) interpretiert werden.

Die Installation unter Windows ist denkbar einfach und läuft genauso ab, wie Sie es auch von anderen Windows-Programmen kennen: Rufen Sie einfach die Datei xemacs-21.1.9-i586-pc-win32.exe auf, die Sie auf der Heft-CD im Verzeichnis \LinuxUser\xemacs-win\ finden. Im Installationsprogramm können Sie dann auswählen, wo XEmacs installiert werden soll (die Vorgabe ist C:\Programme\XEmacs\XEmacs-21.1.9\) und welche Programmteile mit auf die Festplatte zu kopieren sind. Im Dialog Select Packages (siehe Abbildung 1) können Sie verschiedene Pakete auswählen und mit einem Klick auf Options im Detail bestimmen, welche Features Sie nutzen wollen. Wenn Sie genügend Plattenplatz haben, installieren Sie einfach alles.

Abbildung 1: Unter "Select Packages" wählen Sie aus, welche Teile des großen XEmacs-Pakets auf Ihre Festplatte übertragen werden

Abbildung 2: Die Animation während des Kopiervorgangs ist optimal an Windows angepasst :-)

Nach erfolgreicher Installation können Sie XEmacs über den Menüpunkt Programme/XEmacs/XEmacs 21.1 des Startmenüs aufrufen. Sollten Sie das Programm bereits von Linux kennen, dann gibt es einen Aha-Effekt, da XEmacs unter Windows wirklich genauso aussieht wie auf allen Unix-Plattformen: Selbst die Tastenkombinationen zur Bedienung sind identisch – beenden lässt sich das Programm z. B. nicht mit der Windows-Standard-Tastenkombination [Alt-F4] sondern nur über [Strg-X],[Strg-C] (oder wahlweise über den Menüpunkt File/Exit XEmacs).

Abbildung 3: XEmacs bietet auch unter Windows das gewohnte Aussehen – wenn Sie häufig zwischen beiden Betriebssystemen wechseln, bietet sich die gemeinsame Verwendung auf allen Plattformen an

Abbildung 4: Zum Vergleich das Aussehen von XEmacs unter Linux – gleiche Button-Leiste und gleiche Menüstruktur

Arbeiten mit XEmacs

Fangen wir mit den wichtigsten Dingen an: bestehende Dateien öffnen und neue erzeugen. Zum Öffnen einer bereits vorhandenen Datei wählen Sie den Menüpunkt File/Open..., verwenden die Tastenkombination [Strg-X],[Strg-F] oder klicken auf den Open-Button ganz links in der Button-Leiste.

Tastenkombinationen im XEmacs

Viele Funktionen des XEmacs lassen sich schneller über Tastenkombinationen abrufen als sie über die Menühierarchie erreichbar sind. XEmacs hilft Ihnen beim Lernen dieser Tastaturkürzel, indem hinter jedem Menüpunkt, der auch per Tastatur erreichbar ist, die entsprechende Kombination angegeben ist. Dabei wird eine für Windows-Anwender ungewöhnliche Notation verwendet:

  • Normale Buchstabentasten werden in Kleinbuchstaben dargestellt.
  • Soll eine Taste zusammen mit der Strg-Taste (engl: Control) gedrückt werden, so wird ein "C-" vorangestellt.
  • Für die (linke) Alt-Taste ist es entsprechend ein "M-" (Die Alt-Taste wird im Unix-Bereich mit "Meta" bezeichnet).

Somit wird die Tastenkombination für das Programmende, [Strg-X],[Strg-C], im XEmacs kurz "C-x C-c" geschrieben; analog ist "C-x C-f" die Abkürzung für [Strg-X],[Strg-F]: Datei öffnen. Sollen gleichzeitig [Strg] und [Alt] gedrückt werden, erscheint "C-M-x".

Es erscheint nun ein Auswahlfenster, in dem Sie durch die Verzeichnishierarchie navigieren können. Die Bedienung ist anders als bei den üblichen Windows-Programmen: So können Dateien und Unterverzeichnisse nicht per Doppelklick sondern über die mittlere Maustaste ausgewählt werden. Wenn Sie nur eine Zwei-Tasten-Maus haben oder Ihr Maustreiber die mittlere Taste ignoriert, drücken Sie beide Maustasten gleichzeitig – das wird von XEmacs als mittlerer Klick interpretiert.

Wenn Sie die gewünschte Datei ausgewählt haben, wird sie von XEmacs geöffnet. Sollte es sich dabei um einen Dateityp handeln, den XEmacs kennt, so werden Sie direkt mit dem bereits erwähnten Syntax Highlighting belohnt. Die Vorgehensweise zum Erzeugen einer neuen Datei ist identisch – nur müssen Sie hier einen Dateinamen auswählen, den es noch gar nicht gibt. Dazu wechseln Sie im Öffnen-Dialog in das Zielverzeichnis und geben dann manuell den neuen Dateinamen an. XEmacs öffnet dann ein neues, leeres Dokument.

Wichtig ist auch das Speichern: Wenn Sie versuchen, XEmacs zu beenden, ohne Ihre Daten vorher zu sichern, dann fragt der Editor Sie, wie Sie mit den letzten Änderungen umgehen wollen: Sie können an dieser Stelle speichern oder alle Änderungen seit dem letzten Speichervorgang verwerfen. Wenn Sie während der Arbeit im Editor die Datei sichern möchten, verwenden Sie die Tastenkombination "C-x C-s". Dadurch wird das gerade angezeigt Dokument gesichert. Falls Sie gerade mehrere Dateien offen haben, können Sie auch "C-x s" verwenden – dann werden Sie für jede einzelne Datei gefragt, ob diese gespeichert werden soll.

Abbildung 5: Der Web-Server des XEmacs-Projektes ist unter http://www.xemacs.org zu erreichen

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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


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