Storm Linux 2000

Das Installations-Tool von Storm ist durchgehend in Englisch und nicht immer selbsterklärend.

Die Kanadier Stormix Technologies Inc. versprechen mit ihrer Distribution, die weitverbreitete Basisdistribution Debian endlich einsteigerfreundlich umgesetzt zu haben. Neben einem (englischsprachigen) Handbuch liegen der Vollversion von Storm Linux 2000 insgesamt vier CDs sowie eine Bootdiskette bei. Nach dem Booten der Installations-CD überrascht uns Stormix mit einer Lizenzvereinbarung, wie wir sie normalerweise nur von proprietären Programmen gewohnt sind. Glücklicherweise müssen wir in diesem Fall nur die GPL-Bedingungen akzeptieren, um weitermachen zu können. Die anschließende Hardwareerkennung findet sowohl unseren SCSI-Adapter als auch das IDE-CD-ROM-Laufwerk, das als Installationsquelle dient. SCSI-Anhänger aufgepasst: bei einem Paralleltest auf einem Testsystem mit SCSI-CD-RW-Laufwerk ist die Installation an dieser Stelle zu Ende, da die Hardware-Erkennung das Quellmedium, von dem aus sie selbst gestartet wurde, nicht erkennt!

Installation von Storm-Linux: schlichte Dialoge aber teilweise geravierende Auswirkungen.

Nun wählen wir den grafischen Installationsmodus, der X-Server startet, und die durchgehend englischsprachigen Installationsdialoge beginnen. Wenn Sie Linux zum ersten Mal installieren, dann dürften Sie spätestens bei der Tastaturauswahl das erste Entscheidungsproblem haben. Weder in der mageren Online-Hilfe noch im Handbuch wird klar, welche "Key map" man im deutschen Sprachraum bevorzugt verwendet ("nodeadkeys"). Während sich die X-Server-Konfiguration eher unkompliziert gestaltet, sind wir bei der Partitionierung froh, dass es eine Rücksprung-Option gibt. Linux-Neulingen wird die Option "Express" nahegelegt. Als wir dies bestätigen, ist das Installationstool kurz davor, die gesamte Festplatte umzupflügen. Nur gut, dass wir zuvor noch gewarnt werden und dieses Vorhaben abbrechen können.

Nach dem reboot ein grafischer LILO.

Mit "Custom" erhalten wir schließlich doch noch die Möglichkeit, Partitionen nach unseren Bedürfnissen anzulegen. Bei der anschließenden Boot-Manager-Konfiguration lässt sich mit "Add" die bestehende Windows-Partition einbinden. Nach der Einrichtung von Netzwerkkarte und Zeitzone bietet das Installations-Tool eine stark eingeschränkte Paketauswahl an, die Einsteiger eher verwirren dürfte. Bevor die eigentliche Paket-Installation beginnt, dürfen wir noch zwischen KDE und GNOME als Standard-Desktop wählen.

Nach Abschluss der Installation wird die CD ausgeworfen, und ein Reboot bringt wie erwartet den grafischen Bootmanager auf den Monitor. Nach dem ersten root-Login werden wir allein gelassen. Eine eigene Erkundungstour ergibt, dass sich Storm Linux neben dem grafischen Installer in erster Linie durch zwei selbstentwickelte Tools von seiner Distributions-"Mutter" Debian unterscheidet: das Storm Administration System (SAT) und den Storm Package Manager. Während SAT eher dürftige Konfigurationsmöglichkeiten mitbringt, bietet der Paket-Manager die Möglichkeit, Online-Updates von beliebigen FTP-Mirrors durchzuführen, die Debian-Pakete anbieten.

Das Administrations-Tool von Storm-Liux enttäuscht.

Wenn Sie eine schnelle Internet-Anbindung oder gar eine Flatrate besitzen, erschließt sich Ihnen dadurch die Möglichkeit, ihre lokalen Debian-Pakete ständig auf dem aktuellstmöglichen Stand zu halten. Leider ist für dieses Tool keine Hilfe vorhanden, so dass Learning-by-Doing angesagt ist. Auch sonst sucht man in Storm Linux vergeblich nach Einsteigerhilfe und weiterführender Dokumentation. Für Linux-Einsteiger unzumutbar ist auch die Tatsache, dass sich standardmäßig weder Laufwerkssymbole auf dem Desktop befinden noch (neben dem schlichten SAT) irgendwelche sonstigen Konfigurations-Tools auffindbar sind. Damit wird ein alltagstauglicher Desktop zur langwierigen Bastelarbeit von Hand. Das beiliegende Handbuch bestätigt diese Vermutung mit einigen "grundsätzlichen" Kapiteln zu KDE und Linux-Konsolentools.

SPM - ein gelungenes grafisches Frontend zu Debians mächtigen Paket-Manager dselect.

Insgesamt kann Storm Linux sein Versprechen nicht vollständig halten, Debian benutzerfreundlicher zu machen. Einziger Lichtpunkt ist der Storm Package Manager, der die Verwaltung von Debian-Paketen gegenüber Debians entsprechendem Kommandozeilen-Tool dselect wesentlich komfortabler macht. Der erheblich größere Softwareumfang und ein geringerer Preis sprechen aber eher für den Kauf des Originals. Debian richtet sich aber eindeutig an fortgeschrittenere Linux-Anwender.

SuSE 6.4

SuSEs YaST2 wird allmählich erwachsen.

Die Distribution der Nürnberger SuSE GmbH läuft derzeit auf circa 70% aller Linux-PCs in Deutschland und ist damit momentan klarer deutscher Marktführer in diesem Segment. Neben den sechs CDs und dem vielgelobten Distributions-Handbuch liegt in der Version 6.4 erstmals ein deutschsprachiges "Quick Install Manual" bei, das Linux-Einsteigern durch die erste Installation begleiten soll. In der Tat finden wir darin neben Erläuterungen zu den einzelnen Installationsschritten jede Menge Hintergrundwissen, das insbesondere für Neulinge den Einstieg enorm erleichtert. Leider bleibt die automatische Hardware-Erkennung mit einem "pnpdump1.3.1 add card" hängen. Daran ändern auch diverse Reboots nichts - einzig der Ausbau unserer zugegebenermaßen nicht mehr ganz taufrischen ISA-Soundkarte (Terratec Maestro 32/96 SE) löst das Problem. Nicht gerade löblich für den deutschen Marktführer.

Transparente Benutzerdialoge erleichtern den Einsteigern die Entscheidung.

YaST 2 heißt das grafische Installationstool: Am linken Seitenrand werden kurze Hintergrundinfos zu den einzelnen Installationsschritten gegeben, und oben wandert ein Linux-Pinguin weiter, wenn ein weiterer Punkt abgeschlossen ist. Die Installation gestaltet sich mit Hilfe des beiliegenden Handbuchs insgesamt relativ problemlos. YaST 2 sammelt zunächst einige Einstellungsdaten und gibt abschließend einen Gesamtüberblick über die geplanten Installationsschritte. Bei der Software-Auswahl kann der Benutzer selbst entscheiden, ob er nur eine der drei Grundinstallationsarten (Minimal, Standard, Fast alles), einzelne Paketgruppen oder gar einzelne Pakete auswählen möchte. Überhaupt hat man sich bei SuSE bemüht, die Installation so transparent wie möglich zu gestalten. So erscheint z. B. während der Paketinstallation die Meldung, dass der alte Master Boot Record (MBR) mit dem Befehl "lilo -u /dev/hda" wiederherstellbar ist. Auch die anschließende X-Server-Konfiguration macht einen durchdachten Eindruck. Die "Weiter"-Taste funktioniert erst dann wieder, wenn der Benutzer mit den aktuellen Einstellungen einen X-Server-Test durchgeführt hat oder explizit auf die X-Konfiguration verzichten will. Dadurch lässt sich gut einer falschen X-Konfiguration vorbeugen, die sich beim ersten X-Start unangenehm auswirken könnte.

SuSE-Begrüßung nach dem ersten Login.

Auch die anschließende Konfiguration der Systemkomponenten lässt eigentlich keine Wünsche offen. Nach dem Reboot loggen wir uns zunächst einmal als Administrator root ein. Uns begrüßt ein großes SuSE-Fenster, das als Einstiegspunkt für Hilfe und Support dienen soll. Erfreulicherweise befinden sich alle Laufwerks-Icons mount-fähig auf dem Desktop. Das ZIP-Laufwerk hat allerdings den etwas irreführenden Namen "Windows_D" erhalten, was uns aber nicht weiter stört, da sich das Icon leicht umbenennen lässt. Etwas ungewöhnlicher ist aber schon, dass die KDE-Installation des deutschen Marktführers standardmäßig englisch spricht und manuell auf "deutsch" gesetzt werden muss.

Vater und Sohn ergänzen sich bei der Arbeit: YaST und YaST2

Insgesamt ist der derzeitige Zustand der SuSE-Konfigurations-Tools etwas irritierend. Man fragt sich gelegentlich, welches der diversen Programme wohl am besten für welchen Zweck zu wählen ist. Zumindest bei der Paketverwaltung führt zur Zeit noch kein Weg an YaST vorbei - hier hat es sich inzwischen auch gut bewährt. Es verwaltet nicht nur die beiliegenden CDs übersichtlich sondern eignet sich auch zum Einspielen distributionsfremder Pakete aus diversen Quellmedien (u. a. auch FTP). Paketabhängigkeiten löst YaST dabei falls möglich selbständig. Die mitgelieferten CDs lassen kaum mehr Wünsche offen, so dass Sie nach kurzer Eingewöhnungsphase und einigen Nachinstallationen produktiv arbeiten können.

Altbewährte Paketverwaltung mit YaST

Die SuSE GmbH hat rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt und ihrer Distribution ein einsteigerfreundlicheres Gewand (YaST 2, Quick Install Manual) übergezogen.

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