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g-wmx & k-wmx

Jo´s alternativer Desktop

01.06.2000 Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window-Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor. Nachdem wir nun in der letzten Ausgabe mit wmxeinen klassischen Vertreter der Window-Manager kompiliert haben, folgt in den nächsten beiden Ausgaben dessen Einsatz auf dem Desktop.

Sicher fragte sich der eine oder andere, was man denn mit dem im letzten Linux-Magazin vorgestellten wmx überhaupt anfangen soll - leistet er doch nicht mehr, als der Titel "Window-Manager" ohnehin schon vermuten lässt: Rahmen um X-Anwendungen malen und die Fenster verwalten - nicht gerade viel, vergleicht man dies mit dem meist vorinstallierten KDE. Unserem wmx fehlt noch der komplette Desktop: ein wichtiger Grund, überhaupt X einzusetzen.

Gewaltenteilung

Nun ist es unter Unix-Versionen (wie Linux) so, dass nicht eine undurchsichtige Blackbox alles nach eigenem Ermessen regelt sondern dem User eine breite Palette an Tools und Möglichkeiten zur Verfügung steht, um individuell das eigene Ideal zu verwirklichen. So gibt es vom Tool für den Hintergrund über Programmstarter bis hin zum kompletten Environmentalles, womit ein einfacher Window-Manager aufgepeppt und ergänzt werden kann. Ein Fenster-Manager wie wmx ist also "nur" ein Baustein bei der Zusammenstellung eines Desktops.

GNOME

Es gibt ihn wirklich, den GNOME-sprechenden wmx - nur steckt dieser noch in den Kinderschuhen und ist nach meiner Erfahrung mit etwa einem Absturz pro 100 Betriebsstunden noch nicht vorbehaltlos zu empfehlen. Wer die Herausforderung dennoch annimmt, findet die GNOME-konforme Variante unter http://www.nidal.com/~henri/wmx/. Die Bedienung dieser Version ist anders, denn das GNOME-Environment beansprucht z. B. auch Maustasten für sich und steht somit der Standard-Bedienung von wmx im Weg.

Schlauer ist es hier sicher, die Feature-Liste von GNOME etwas einzuschränken: GNOME ist sehr frei konfigurierbar und kann problemlos mit der Standard-Version von wmx verwendet werden. Hierzu können Sie im GNOME-Kontrollzentrum unter dem Menüpunkt "Fenstermanager" einfach wmx hinzufügen. Allerdings dürfte der Mehrzahl der Anwender bereits das Panel als sinnvolle Ergänzung reichen, daher hier einmal ohne Session-Management:

Wunschzettel

Es gibt zwei Konfigurationsdateien, in denen ein Anwender die Komponenten seines persönlichen Desktops benennen kann - die eine nennt sich "~/.xinitrc", und die andere hört auf den Namen "~/.xsession". Beide haben eine ähnliche Funktion: Sie werden beim Start des X Window Systems (kurz: X) abgearbeitet - ist die jeweilige Datei fertig durchlaufen, beendet sich auch X. Befindet sich keine der beiden Dateien im privaten Home-Verzeichnis, gelten die systemweiten Voreinstellungen. Oft wird behauptet, "~/.xinitrc" sei für den Start von X über das Kommando "startx" (was auch korrekt ist), und "~/.xsession" lediglich für den Desktop nach einem grafischen Login verantwortlich. Liest man die man-page zu Xsession (man Xsession), so wird einem schon nach den ersten Zeilen klar, dass ~/.xsession beide Fälle bedient und somit unser Favorit ist. Fehlt diese Datei, kann sie einfach angelegt werden. Hier ein Beispiel einer "~/.xsession":

# Startdatei fuer X
xsetroot -bitmap /home/jo/Grafik/Desktop/shibaozhai.xbm &
exec wmx &
panel

Die erste Zeile ist lediglich ein Kommentar - gekennzeichnet durch ein führendes "#". Zunächst wird hier mit dem Tool xsetroot ein Hintergrundbild gesetzt (dieses Tool kann allerdings nur Grafiken im xbm-Format anzeigen). Da dies unter Umständen viel Zeit benötigt und wir nicht warten wollen, bis diese Grafik fertig dargestellt ist, schicken wir den Prozess mit einem abschließenden "&" in den Hintergrund, und die nächte Zeile kann sofort aufgerufen werden. Hier startet unser wmx, der ebenfalls in den Hintergrund rücken darf - schließch soll die Kontrolle über X das GNOME-Panel erhalten, das zuletzt und eben deswegen ohne "&" aufgerufen wird. Wird nun dieses beendet, ist die Datei "~/.xsession" abgearbeitet, und somit beendet sich die ganze "X-Session" (Sitzung) ebenfalls.

(Hinweis: Sollten die beschriebenen Änderungen auf Ihrem System wirkungslos sein, erzeugen Sie probeweise statt .xsession eine Datei .xinitrc mit gleichem Inhalt: je nach Distribution wird die Auswertung der Datei .xsession nicht unterstützt.)

Abbildung 1

Abbildung 1: Ein fertiger GNOME-Desktop

Es geht auch anders …

Kein GNOME sondern nur KDE vorhanden? Auch da lässt sich allerhand machen. KDE ruft beim Start nichts weiter als das Skript "startkde" auf, und mittels diesem als Vorbild ist eine Ressourcen-schonendere Alternative schnell in die eigene "~/.xsession" getippt:

# Startdatei fuer X
xsetroot -solid "#206070"
kfm &
(sleep 1 && exec kpanel -no-KDE-compliant-window-manager) &
sleep 2 ; exec wmx

Diesmal steht kein "&" hinter dem xsetroot, denn der hier gewählte einfarbige Hintergrund ist rasch gesetzt. Der Start des kfm ist nötig, denn ohne ihn ist das K-Panel nicht zum Start zu überreden. Das Panel selbst wird daher erst verzögert mit der nächsten Zeile aufgerufen - und richtig, hier wird nicht dem Panel, sondern dem Window-Manager die Herrschaft über die X-Session gegeben. Leider kann das K-Panel nur einen KDE-sprechenden Fensterknecht beenden. Und da der Exit-Eintrag des wmx per Default nur im Bereich des Panels erscheinen würde, sollte dieser Bereich bei der Konfiguration von wmx im Sourcecode großzügig erweitert werden. Wer dies vergisst, muss entweder dem Panel einen anderen Platz zuweisen, es zum Beenden zur Seite schieben oder gar den Tastenbefehl [strg][alt][backspace] anwenden.

kbgndwm

Wer nun einen KDE-bestückten Rechner sein Eigen nennt, kann mit dem Tool kbgndwm den im KDE-Kontrollzentrum voreingestellten Fensterhintergrund setzen lassen; im Falle eines einfarbigen Hintergrundes wie hier ist dies aber sicher die weniger elegante Methode. Geeignete Kandidaten für die Ausgabe nahezu beliebiger Grafiken sowie Tools für einen wmx-Desktop gänzlich ohne die freundliche Unterstützung irgend eines Environments werden in der nächsten Ausgabe folgen.

Abbildung 2

Abbildung 2: wmx mit dem KDE-Panel

Glossar

Environment

Der Begriff "Desktop Environment" tauchte zuerst im kommerziellen Paket CDE (Common Desktop Environment) auf, das einen Standard für grafische Oberflächen unter verschiedenen Unix-Varianten darstellt. Auch wenn es heute um die Entwicklung von CDE recht still geworden ist, sind KDE und GNOME in Anlehnung an die dort vorhandenen Konzepte entstanden: Zentrale Idee von Desktop Environments ist die Vereinheitlichung der Benutzung unterschiedlicher Programme durch die Verwendung gemeinsamer Menüstrukturen, Buttons, Auswahldialoge etc. Anwender können sich dann schneller in ein neues Programm einarbeiten, wenn sie bereits andere Tools aus dem gleichen System kennen. Darüber hinaus sollen natürlich alle Programme gut zusammenarbeiten (etwa Drag & Drop unterstützen).

Der Autor

… fristet sein leben als Fliesenlegermeister dahin und kam zum Computer wie die Jungfrau zum Kinde. Rechnet er gerade nicht an seinen nächsten Lautsprecherboxen, sitzt er entweder bei Freunden, im Kino, oder nimmt konstruktive Kritik unter der Redaktionsadresse mailto:redaktion@linux-user.de entgegen.

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