Wunschzettel

Es gibt zwei Konfigurationsdateien, in denen ein Anwender die Komponenten seines persönlichen Desktops benennen kann - die eine nennt sich "~/.xinitrc", und die andere hört auf den Namen "~/.xsession". Beide haben eine ähnliche Funktion: Sie werden beim Start des X Window Systems (kurz: X) abgearbeitet - ist die jeweilige Datei fertig durchlaufen, beendet sich auch X. Befindet sich keine der beiden Dateien im privaten Home-Verzeichnis, gelten die systemweiten Voreinstellungen. Oft wird behauptet, "~/.xinitrc" sei für den Start von X über das Kommando "startx" (was auch korrekt ist), und "~/.xsession" lediglich für den Desktop nach einem grafischen Login verantwortlich. Liest man die man-page zu Xsession (man Xsession), so wird einem schon nach den ersten Zeilen klar, dass ~/.xsession beide Fälle bedient und somit unser Favorit ist. Fehlt diese Datei, kann sie einfach angelegt werden. Hier ein Beispiel einer "~/.xsession":

# Startdatei fuer X
xsetroot -bitmap /home/jo/Grafik/Desktop/shibaozhai.xbm &
exec wmx &
panel

Die erste Zeile ist lediglich ein Kommentar - gekennzeichnet durch ein führendes "#". Zunächst wird hier mit dem Tool xsetroot ein Hintergrundbild gesetzt (dieses Tool kann allerdings nur Grafiken im xbm-Format anzeigen). Da dies unter Umständen viel Zeit benötigt und wir nicht warten wollen, bis diese Grafik fertig dargestellt ist, schicken wir den Prozess mit einem abschließenden "&" in den Hintergrund, und die nächte Zeile kann sofort aufgerufen werden. Hier startet unser wmx, der ebenfalls in den Hintergrund rücken darf - schließch soll die Kontrolle über X das GNOME-Panel erhalten, das zuletzt und eben deswegen ohne "&" aufgerufen wird. Wird nun dieses beendet, ist die Datei "~/.xsession" abgearbeitet, und somit beendet sich die ganze "X-Session" (Sitzung) ebenfalls.

(Hinweis: Sollten die beschriebenen Änderungen auf Ihrem System wirkungslos sein, erzeugen Sie probeweise statt .xsession eine Datei .xinitrc mit gleichem Inhalt: je nach Distribution wird die Auswertung der Datei .xsession nicht unterstützt.)

Abbildung 1: Ein fertiger GNOME-Desktop

Es geht auch anders …

Kein GNOME sondern nur KDE vorhanden? Auch da lässt sich allerhand machen. KDE ruft beim Start nichts weiter als das Skript "startkde" auf, und mittels diesem als Vorbild ist eine Ressourcen-schonendere Alternative schnell in die eigene "~/.xsession" getippt:

# Startdatei fuer X
xsetroot -solid "#206070"
kfm &
(sleep 1 && exec kpanel -no-KDE-compliant-window-manager) &
sleep 2 ; exec wmx

Diesmal steht kein "&" hinter dem xsetroot, denn der hier gewählte einfarbige Hintergrund ist rasch gesetzt. Der Start des kfm ist nötig, denn ohne ihn ist das K-Panel nicht zum Start zu überreden. Das Panel selbst wird daher erst verzögert mit der nächsten Zeile aufgerufen - und richtig, hier wird nicht dem Panel, sondern dem Window-Manager die Herrschaft über die X-Session gegeben. Leider kann das K-Panel nur einen KDE-sprechenden Fensterknecht beenden. Und da der Exit-Eintrag des wmx per Default nur im Bereich des Panels erscheinen würde, sollte dieser Bereich bei der Konfiguration von wmx im Sourcecode großzügig erweitert werden. Wer dies vergisst, muss entweder dem Panel einen anderen Platz zuweisen, es zum Beenden zur Seite schieben oder gar den Tastenbefehl [strg][alt][backspace] anwenden.

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