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Terminus

Die Linux Games kommen!

01.06.2000 Sie werden es kaum glauben: Diesmal kein Spiel von Loki! Dafür eine Frage: kennen Sie noch Elite? Wer erinnert sich noch an das Spiel, das dafür sorgte, dass jeder Computerfreak über 25 sofort das Lied "An der schönen blauen Donau" von Strauss nach den ersten 5 Tönen wiedererkannte und das für viele, durchwachte Nächte sorgte, bei denen man auf flackernde Vektoren starrte, bis die Augen tränten? Das waren Zeiten…

Die vielleicht wieder kommen - allerdings ohne den Teil mit den Vektoren. Denn was hier auf meinem Bildschirm abgeht, das kann ich wohl am Besten mit ELITE+++ umschreiben. Das hat das Zeug zum Klassiker, vielleicht zum ersten wirklichen Kultspiel unter Linux. Schon die ersten Ankündigungen unter http://www.vvisions.com/terminus/index2.html machten mich sehr neugierig: Weltraumabenteuer unter Linux entwickelt - Weltraumkampfsimulation mit realistischer Physik - virtuelles Universum mit stetig fortlaufender Handlung - spielbar auf Multiplayer-Servern im Internet - Steuerung in Zusammenarbeit mit der NASA entwickelt. Das klang, als könnte es was sein. Obschon die mir vorliegende Version lediglich einen Preview darstellt, ist bereits ein beeindruckender Teil des Spieles, das im Juni in den Handel kommen soll, fertiggestellt.

Abbildung 5: Hat man wieder angedockt (links), kann man das verdiente Geld für die komplexe Schiffsausstattung ausgeben (rechts).

Die Handlung spielt zweihundert Jahre in der Zukunft: Dreissig Jahre ist es her, dass mit Hilfe gefundener Alien-Technologie Sprungtore entwickelt wurden, die das zügige Reisen innerhalb des Sonnensystems erlauben. Es schien, als sei ein neues Zeitalter des Wohlstands angebrochen. Doch die überall entstehenden Kolonien fingen bald an, sich aus der Kontrolle der Erde zu winden. Piraten hausten in den Asteroidengürteln und mehr und mehr Reibungen zwischen der Erdregierung und dem immer machtvoller werdenden Mars-Konsortium entstanden. nur ein Funke genügte, um einen Krieg anzufachen…

Wo man selber in der Handlung stehen möchte, kann man selbst enscheiden. Zu Anfang ist es ratsam, sich bei den Streitkräften der Erde oder des Mars als Kampfflieger zu verdingen, um zunächst mal einige Erfahrungen zu sammeln. Später dann sind sicher auch die Karrieren als Pirat oder als Freelancer interessant. Gerade letzterer kann im Grunde tun und lassen was er will, allerdings steht er dann eben auch so recht unter niemandes Schutz. Er nimmt Aufträge an, die Profit versprechen und lebt von Handel, Schmuggel, Kopfgeldjagd und Schürfen. Na, klingt das nicht irgendwie vertraut?

Abbildung 5: Hat man wieder angedockt (links), kann man das verdiente Geld für die komplexe Schiffsausstattung ausgeben (rechts).

In der sich ständig dynamisch ändernden Simulationswelt interagiert der Spiele mit einer Vielzahl computergesteuerter Charaktere und gegebenenfalls auch mit Mitspielern über eine Netzwerkverbindung. Alle Stationen im System produzieren Waren, von denen es über 150 unterschiedliche gibt. Preise, Angebot und Nachfrage ändern sich ständig gemäss der aktuellen Handlung. So kann es passieren, dass ein konkurrierender Händler eine Riesenladung der gefragten Ware, mit der Sie gerade selber Profit machen wollten, nur ein paar Minuten vor ihnen abliefert - und die Preise längst wieder am Boden sind. Vielleicht aber ist auch ein Transport mit seltenen Gütern von Piraten aufgebracht worden und überall steigt raketengleich der Preis…

Ebenso können alle Missionen von allen Spielern (auch computergesteuerten) angenommen werden, so dass es nicht selten nötig ist, schnell zu sein, um die wirklich profitablen Gelegenheiten nicht zu verpassen. Falls man mal mit einem von Ihnen aneinandergerät, kann man sicher sein, dass sie sich dran erinnern - da lohnt es sich schon, nett zu sein.

Abbildung 5: Hat man wieder angedockt (links), kann man das verdiente Geld für die komplexe Schiffsausstattung ausgeben (rechts).

Jedem Elite-Spieler kommt das Cockpit gleich vertraut vor - vor allem das bewährte Radar wurde fast 1:1 übernommen. Doch ist alles um eine Stufe komplexer und ausgefuchster - vor allem die Anzeigen in der Screenmitte haben es in sich. Hier wurde nach Angaben des Herstellers tatsächlich mit der NASA zusammengearbeitet, um ein System zu finden, das möglichst viele Informationen leicht erfaßbar anzeigt, ohne die Sicht zu versperren. Dieses Ziel wurde überraschend gut erreicht. Allein im Bereich um das Zielkreuz lassen sich Informationen zu Schildenergie, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Ziel samt Entfernung, Schildstärke und Annäherung, Stabilisatoren, Waffen und noch einiges mehr ablesen, ohne dass es irgendwie überladen wirken würde.

Auch die anderen Anzeigen sind logisch gegliedert und verständlich, so dass man sich wirklich schnell in der Menge an Informationen zurechtfindet. Zusätzlich gibt es noch diverse Bildschirme zur Kommunikation, Navigation und Information, die auch während des Fluges aktiviert werden können. Nicht zuletzt hilft das Head-Up-Display (HUD) bei der Orientierung in komplexen Situationen, indem die Flugvektoren aller Schiffe in Sichtweite eingeblendet werden, so dass man speziell im Kampf immer einen guten Eindruck bekommt, wer sich gerade in welche Richtung bewegt. In alle wichtigen Belange der Steuerung und Bedienung führen Trainingsmissionen mit gesprochenen Instruktionen ein. Das Spiel kommt übrigens problemlos auch unter Linux mit Joysticks zurecht - mit unserem Sidewinder Pro war es eine echte Freude.

Abbildung 5: Hat man wieder angedockt (links), kann man das verdiente Geld für die komplexe Schiffsausstattung ausgeben (rechts).

Auf den Stationen bietet sich einem meist ein Bild, welches an Spiele wie Wing Commander erinnert - in einer Lounge, Bar oder Messe (je nach Art der Stationen) sitzen diverse Charaktere oder Mitspieler, mit denen man sich unterhalten und Informationen austauschen kann. Hier besteht dann auch die Möglichkeit, neue Missionen und Kontrakte zu ergattern. Mit dem dabei verdienten Geld kann man dann sein Schiff aufrüsten, das sich bis ins kleinste Detail konfigurieren lässt – man kann es auf die vielfältigsten Weisen mit einer Unzahl von Zusatzgeräten ausstatten, die man woher auch immer gekauft, gestohlen oder repariert hat. Sogar die Lackierung des eigenen Schiffes kann man selber bestimmen, oder eines der vielen Modelle verwenden, die mit dem Spiel mitgeliefert werden. Ganz wie man will.

Die Spielwelt ist das gesamte Sonnensystem. Alle Planeten und Monde sind nach NASA-Daten positioniert. Der Spieler kann an 19 Stationen andocken, die durch gigantische Sprungtore miteinander verbunden sind. Im Netzwerkmodus können bis zu 8 Spieler gleichzeitig mit- oder gegeneinander in einem System spielen. Dabei stehen sowohl die normalen Handlungsstränge à la Elite als auch das klassische Deatchmatch oder exotische Varianten wie Weltraumhockey (!) zur Verfügung.

Abbildung 5: Hat man wieder angedockt (links), kann man das verdiente Geld für die komplexe Schiffsausstattung ausgeben (rechts).

Fazit

Wahnsinn. Obwohl noch nicht jedes Feature implementiert ist, hat dieser Bericht nur einen Teil der Möglichkeiten dieses Spiels aufgezeigt. Technisch gut und spielerisch herausfordernd hat dieses Game das Zeug zu einem Hit. Schade finde ich nur die Beschränkung auf 8 Spieler im Multiplayer-Modus – vielleicht tut sich da ja noch etwas (tsc).

Terminus

Langzeitspielspaß: 90%
Grafik: 85%
Sound: 70%
Steuerung: 95%
Multiplayer: 75%
Gesamtwertung: 87%

Der Autor

Fionn Behrens ist Student der technischen Informatik. Aber man kann ja nicht immer nur studieren… Im Netz erreichbar ist er als Fionn im IRCnet.

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LinuxUser 05/2014

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