Dr. Linux

Der Nächste bitte

Komplizierte Organismen, wie Linuxsysteme es nun einmal sind, haben so ihre ganz eigenen Wehwehchen. Dr. Linux beobachtet die Patienten in den Linux-Newsgruppen, stellt an dieser Stelle Rezepte für aktuelle Probleme aus und alternative Heilmethoden vor.

Windowsdaten für alle!

Ich habe eine Windows-Partition mit

/dev/hda2     /windows       vfat         defaults  0  0

in der Datei /etc/fstab eingetragen, damit ich dort befindliche Dateien ohne lästiges Umkopieren oder Verschieben direkt bearbeiten kann. Leider musste ich feststellen, dass ich für Dateien auf dieser Partition keine Schreibberechtigung habe. Kann ich die für diese Partition überhaupt bekommen?

Dr. Linux: Wird eine Windows-Partition beim Booten mit diesem Eintrag in das Linux-Dateisystem eingehängt, gehören in der Regel alle Dateien root. Aus diesem Grund wird ein Schreibzugriff für "gewöhnliche" Benutzer verweigert.

Tragen Sie die -Optionen noauto,user (als root) in der vierten Spalte Ihrer fstab ein. (Die erste gibt die Partition an, die zweite den Mountpoint, die dritte das Dateisystem.) Ihre Datei könnte dann etwa so aussehen:

#Gerätname  Eingehängt als   Dateisystem  mount-Optionen[...]
/dev/sda4     /zip           msdos        noauto,user    0  0
/dev/hdc      /cdrom         iso9660      ro,noauto,user 0  0
/dev/hda2     /windows       vfat         noauto,user    0  0

Durch die Option noauto wird Ihre Windows-Partition zunächst nicht beim Booten ins System eingehängt. Betrachten Sie dies nicht als Nachteil, sondern als Vorteil:

  • Partitionen, die nicht gemountet sind, können durch Softwareoperationen normalerweise nicht zerstört werden und bilden auch kein Sicherheitsrisiko. Die Option user ermöglicht Ihnen, die Partition als normaler Benutzer zu mounten, womit Sie dann Eigentümer der Windows-Partition werden und u.a. auch Schreibzugriff auf die Dateien erhalten. Ein Eintrag in der /etc/fstab wie in diesem Beispiel ermöglicht das Mounten einfach mit
user$ mount /windows

Das Umounten geht ebenso simpel.

Wenn Sie diesem Beispiel folgen und in Ihrer /etc/fstab einen Ihrem System angepassten Eintrag zum Mounten der Windows-Partition vornehmen, kann es Ihnen zum Beispiel unter SuSE-Linux passieren, dass Sie beim Versuch, als normaler User zu mounten, von Ihrem System mit den schnöden Worten mount: must be Superuser to use mount (mounten darf nur der Superuser) zurückgewiesen werden. Dies bedeutet nicht, dass Sie etwas falsch gemacht haben, sondern Ihre Distribution erlaubt aus Sicherheitsgründen nur root das Mounten von Geräten.

Möchten Sie diese Sicherheitsmaßnahme in den Wind schlagen, weil Sie vielleicht alleiniger Nutzer Ihres Rechners sind, können Sie (als root) die Sicherheit Ihres Systems beeinflussen und damit das Mounten für gewöhnliche User ermöglichen.

Abbildung 1 zeigt, wie Sie diese Einstellungen unter SuSE-Linux mit yast ändern können: Wählen Sie bei Rechte auf Dateien werden gesetzt auf: den Eintrag easy.

Sie können noch einen anderen Weg beschreiten. Legen Sie mit dem Konfigurationsprogramm (COAS, usercfg, yast, groupadd etc.) Ihrer Distribution eine neue Gruppe an, und notieren Sie die ID-Nummer, die beim Anlegen der Gruppe an selbige vergeben wird. Selbstverständlich können Sie auch eine vorhandene Gruppe wählen. Tragen Sie den User, der künftiger Eigentümer der Dateien auf der Windows-Partition werden soll, in diese Gruppe ein, und halten Sie ebenfalls seine ID fest. Erweitern Sie die Gruppe um alle Benutzer, die Schreibrechte auf Windowsdaten bekommen sollen. Damit die Gruppenmitglieder nun lesender- und schreibenderweise aktiv werden dürfen, bringen wir noch den Parameter umask zum Einsatz.

Nebenbei: Ihre ID, und die aller Gruppen, denen Sie angehören, können Sie ganz einfach herausfinden, indem Sie auf einer Kommandozeile

user$ id

eintippen.

Nun editieren Sie Ihre /etc/fstab, indem Sie die Nummer der Gruppe (GID), die des Users (UID) und den umask-Parameter als mount-Option eintragen. Das sieht beispielsweise so aus:

/dev/hda1  /windows  vfat  noauto,user,gid=103,uid=506,umask=002  0  0

Bei solch einer langen Zeile schleichen sich gern Zeilenumbrüche ein. Beachten Sie daher das Format der /etc/fstab! Achten Sie beim Editieren darauf, dass sich bei den mount-Optionen keine Leerzeichen (durch Space oder Zeilenumbruch) einschleichen, das könnte Ihr System stark verwirren und zu seltsamen Ergebnissen führen.

Wissen ist Macht

Wo kann ich mehr über all diese Optionen erfahren?

Dr. Linux In Ihrem System finden Sie unterhalb der Verzeichnisse /usr/man, /usr/local/man, /usr/X11R6/man u.a. Hilfeseiten zu verschiedenen Kommandos, Dateien und Funktionen Ihres Systems. Diese Man-Pages ("Handbuchseiten") sind fein säuberlich in Sektionen unterteilt:

  • In man1 liegen Hilfeseiten zu Anwenderprogrammen wie dem Bildbearbeitungsprogramm Gimp oder dem Kompressionstool zip, zu Shell-Kommandos u.a. Werkzeugen.
  • man2 enthält Informationen zu Systemaufrufen und allgemeinen Funktionen. Hier können Sie aus Programmierersichtweise Informationen über mount, umask etc. einholen.
  • In man3 stecken Erklärungen zu Library- und Subroutinen.
  • Die Man-Pages in man4 geben Hinweise zu Geräten ("Devices"). Hier lesen Sie Nützliches über die Konsole (console), das Mausgerät (mouse) und das "Datengrab" /dev/null.
  • Die Dateien unterhalb von man5 informieren über Inhalt und Aufbau spezieller Dateien. Hier finden Sie Interessantes zum fstab-Dateiformat genauso wie zum Format der Bootmanager-Konfigurationsdatei lilo.conf.
  • In man6 verstecken sich Man-Pages zu Spielen und Demos. Dort finden Sie oft auch Hilfeseiten vor, die nicht jede Distribution mitbringt, beispielsweise die zu den Demos scrolltest, speedtest und joytest.
  • man7 enthält die Man-Pages zu Makropaketen. Sollten Sie sich für den unicode-Standard oder das Kommando locale interessieren, werden Sie hier fündig.
  • Die Hilfeseiten in man8 erläutert Systemkommandos für root. Dazu gehört zum Beispiel der mount-Befehl.
  • man9 bietet den Man-Pages zu Kernel-Variablen und -Funktionen eine Heimat.
  • de beherbergt die deutschsprachigen Manualseiten.

Möchten Sie die Online-Hilfeseiten nicht mit dem Kommando man über eine Kommandozeile aufrufen (wenn Sie über einen Eintrag aus einer speziellen Sektion Näheres wissen wollen, unter Angabe der Abschnittsnummer, zum Beispiel man 2 mount vs. man 8 mount), dann können Sie auf grafischen Oberflächen zum Beispiel die Programme xman oder tkman zum Anzeigen der Seiten benutzen.

Möchten Sie diese Programme vielleicht aus dem Internet beziehen? Auf http://rufus.w3.org/linux/RPM/XByName.html werden Sie unter index by Name->packages beginning with letter x bzw. ...with letter t fündig.

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