Bezaubernd

Präsentationen mit MagicPoint

01.04.2000
Wer heute mit Overhead-Folien zur Präsentation erscheint, muss mittlerweile so manches schiefe Grinsen einstecken. Doch wer sagt denn, dass allein Powerpoint selig macht, das ohnehin nicht für Linux verfügbar ist?

Aus einer fernen japanischen Universität kommt das Präsentationsprogramm MagicPoint. Es läuft unter X11 und lässt sich im Gegenteil zum StarOffice-Bestandteil Impress u.a. auch auf weniger gut ausgestatteten oder älteren Rechnern passabel gebrauchen. Seine Bedienung ist sehr einfach, nur das Erstellen der Präsentationsdatei wird "Fenstergeschädigte" etwas ungewöhnlich anmuten. Hierzu muss – HTML-Seiten ähnlich – eine Textdatei erstellt werden.

Das Programm bietet zwei besondere Killerfunktionen. Erstens lässt sich die geplante Vorstellungszeit überwachen, und zweitens kann man während des Vortrags Notizen oder Hinweise auf die "Folie" schreiben. Ein weiteres Highlight des Programms sind die Möglichkeiten der Hintergrundgestaltung: Wer will, kann sich hier tagelang austoben.

Installation …

Mit der "richtigen" Linux-Distribution (zum Beispiel Debian) installieren Sie lediglich die Pakete mgp und . Ansonsten müssen Sie die Datei magicpoint-1.06a.tar.gz von [1] und die Datei freetype-1.2.tar.gz von [2] herunter laden. Denken Sie außerdem daran, dass Sie für die Installation root-Rechte brauchen! Als Erstes installieren Sie freetype ins Verzeichnis /usr/local:

tar xvzf ./freetype-1.2.tar.gz -C /tmp
cd /tmp/freetype-1.2
./configure --enable-static
make
make install

Die Option --enable-static ermöglicht das Entstehen der statischen Bibliothek libttf.a. MagicPoint möchte diese bei seiner Übersetzung gern dabei haben. Wer – wie die meisten Umsteiger – eine gültige Windows-Lizenz hat, kopiert sich nun die dabei mitgelieferten TrueType-Schriften (unter Win 3.11 die .ttf-Dateien aus C:\windows\system, bei Win 9x aus C:\windows\fonts) in sein Linuxsystem, und zwar nach /usr/share/fonts/truetype. Nun können Sie sich der Installation von MagicPoint zuwenden. Wechseln Sie vorher in das Verzeichnis, wo die Datei magicpoint-1.06a.tar.gz liegt.

tar xvzf ./magicpoint-1.06a.tar.gz -C /tmp
cd /tmp/magicpoint-1.06a
./configure --disable-vlibxmkmf
make Makefiles
make
mkdir /usr/local/man/man1
cp mgp.man /usr/local/man/man1/mgp.1
cp mgp2ps.man /usr/local/man/man1/mgp2ps.1
cp mgpembed.man /usr/local/man/man1/mgpembed.1
cp contrib/xwintoppm/xwintoppm.man /usr/local/man/man1/xwintoppm.1
cp mgp /usr/local/bin
cp mgp2ps /usr/local/bin
cp mgpembed.pl /usr/local/bin/mgpembed
cp contrib/xwintoppm/xwintoppm /usr/local/bin
chmod +x /usr/local/bin/mgpembed

Sollte das Verzeichnis /usr/local/man/man1 schon existieren, ist der entsprechende mkdir-Befehl natürlich überflüssig und seine Fehlermeldung berechtigt. Mit ./configure --disable-vlib wird das Einbinden der vlib-Bibliothek verhindert: Ich nehme an, die meisten Leser/innen benötigen keine japanischen Schriftzeichen. Hinweise zum make-Befehl finden Sie im Heft 03/2000. Ich empfehle Ihnen, das Verzeichnis /tmp/magicpoint-1.06a/sample in Ihr Heimatverzeichnis zu kopieren. Es beinhaltet wichtige Beispieldateien:

default.mgp legt die Gestaltung der Folien fest.

  • tutorial.mgp enthält eine Bedienungsanleitung.
  • sample.mgp stellt die MagicPoint-Funktionen kurz vor.
  • gradation.mgp bietet viele Beispiele für die Hintergrundgestaltung.
  • mgprc-sample enthält eine Beispiel-Konfigurationsdatei.
  • embed.mgp gibt ein Beispiel für eine eingebettete mgp-Datei, hier werden alle notwendigen Dateien zu einer zusammen gefasst.

Sichern Sie auch die Dateien SYNTAX und USAGE aus dem Verzeichnis /tmp/magicpoint-1.06a, sie sind gute Hilfen zum Erstellen von Folien. Wenn Sie noch mehr Vorlagen benötigen, so schauen Sie sich die Verweise auf [1] genau an. Es gibt viel zu sehen.

Die Vorstellung beginnt

Im Normalfall starten Sie MagicPoint von der Kommandozeile unter Angabe der Präsentationsdatei, zum Beispiel mit

mgp ~/mgp/sample/tutorial.mgp

MagicPoint besitzt sehr viele Kommandozeilenoptionen. Allerdings halte ich für Vorträge nur die Option -t min sinnvoll. Sie gestattet Ihnen eine zeitliche Kontrolle der laufenden Vorstellung. Das Spiel läuft zum Beispiel so ab: Sie starten die Präsentation mit

mgp -t 15  ~/mgp/sample/tutorial.mgp

Auf dem unteren Bildrand erscheint eine Linie, sobald die zweite Seite dargestellt ist. Diese Linie ist so breit wie das Bild und verkörpert die vorgegebene Zeit. In unserem Fall sind das 15 Minuten. Mit fortschreitender Zeit zieht sich die anfangs grüne Linie immer weiter nach Rechts zurück. Dabei wechselt sie bei 50% der Zeit auf Gelb und bei 70% auf Rot. Damit aber nicht genug: Sie sollen auch noch sehen, auf welcher Seite Sie ungefähr sind. Ein kleiner vertikaler Strich repräsentiert den Indikator. Diese Markierungen begleiten Sie auf allen Folien.

Abbildung 1: Die Vortragszeit immer im Griff

Einige Mitmenschen müssen der ganzen Welt sämtliche ihrer Geistesblitze verkünden. Gehören Sie dazu? Wenn ja, probieren Sie die Option -D htmldir aus. Geben Sie beispielsweise den Befehl

mgp -D /tmp  ~/mgp/sample/tutorial.mgp

ein. Im Verzeichnis /tmp liegt Ihr Vortrag jetzt in Form einiger wunderschöner HTML-Seiten bereit, die nur noch auf Ihren Webserver gestellt werden wollen. Beachten Sie aber bitte, dass MagicPoint für diesen Zauber noch einige zusätzliche Programme braucht. Falls es bei Ihnen nicht auf Anhieb klappt, gibt die mgp-Man-Page dazu nähere Auskunft.

… und Konfiguration

MagicPoint erwartet im Heimatverzeichnis der Nutzerin die versteckte Datei .mgprc (Listing 1). In ihr wird das Verzeichnis für die TrueType-Schriften bekannt gegeben (im Beispiel /usr/share/fonts/truetype).

Falls MagicPoint keine der angegebenen TrueType-Schriften findet, soll es als letzte Rettung für ein gutes Schriftbild auf die hinter tfont0 angegebene Schrift zurück fallen.

Listing 1

Eine beispielhafte ~/.mgprc

# this is the ~/.mgprc
#
# setting up font directories
tfdir "/usr/share/fonts/truetype"
#
# setting up default font, full path
tfont0 "/usr/share/fonts/truetype/arial.ttf"

Simsalabim

Um MagicPoint zu bedienen, bedarf es keines Hochschulabschlusses: Tabelle 1 fasst die wichtigsten Tastenbelegungen zusammen.

Tabelle 1: Bedienen geht über Studieren

Taste Bedeutung
linke Maustaste, Leertaste, n, f oder j Gehe zur nächsten Seite.
rechte Maustaste, Backspace, b, k oder p Gehe zur vorhergehenden Seite.
g Gehe zur letzten Seite. Wird eine Zahl vor dem g eingegeben, zeigt MagicPoint die Folie mit der entsprechenden Nummer an.
Strg Zeigt eine Seitennummernübersicht unten links auf der Folie an. Markiert man mit dem Mauszeiger eine Seitennummer, so wird der Seitentitel angezeigt.
x Schaltet statt dem Mauszeiger einen Stift auf die Folie. Damit können Hinweise auf die Folie gekritzelt werden. Ein nochmaliges Drücken von x schaltet den Modus wieder aus.
X Stiftfarbe wechseln.
t Aus- bzw. Einschalten der Zeitanzeige.
Strg-L Aktuelle Folie neu darstellen.
ESC oder q Ende.

Richtig Eindruck schinden lässt sich mit der Funktion der Taste x. Damit verwandelt sich der Mauszeiger in einen Stift, mit dem Sie Ihre Folien während der Präsentation noch weiter entwickeln können, denn wie heißt es doch so schön? Wichtige Mitbürger heben hervor…

Abbildung 2: Zwar krakelig, doch dafür live

Sie wollen Ihre Anmerkungen lieber rot statt schwarz ausfallen lassen? Mit der Taste X wechseln Sie die Farbe.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Präsentation mit MagicPoint
    Professionelle Präsentationen lassen sich heutzutage mit den Präsentationsprogrammen der bekannten Office-Suiten erstellen. Die freie Alternative MagicPoint arbeitet textbasiert und läuft daher auch auf älteren und langsameren Systemen zuverlässig und schnell.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2014: ANONYM & SICHER

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

Nach Ubdates alles weg ...
Maria Hänel, 15.11.2014 17:23, 4 Antworten
Ich brauche dringen eure Hilfe . Ich habe am wochenende ein paar Ubdates durch mein Notebook von...
Brother Drucker MFC-7420
helmut berger, 11.11.2014 12:40, 1 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu 14.04-Nutzer...
Treiber für Drucker brother MFC-7420
helmut berger, 10.11.2014 16:05, 2 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu12.14-Nutzer u...
Can't find X includes.
Roland Welcker, 05.11.2014 14:39, 1 Antworten
Diese Meldung erhalte ich beim Versuch, kdar zu installieren. OpenSuse 12.3. Gruß an alle Linuxf...
DVDs über einen geeigneten DLNA-Server schauen
GoaSkin , 03.11.2014 17:19, 0 Antworten
Mein DVD-Player wird fast nie genutzt. Darum möchte ich ihn eigentlich gerne abbauen. Dennoch wür...