Aus einer fernen japanischen Universität kommt das Präsentationsprogramm MagicPoint. Es läuft unter X11 und lässt sich im Gegenteil zum StarOffice-Bestandteil Impress u.a. auch auf weniger gut ausgestatteten oder älteren Rechnern passabel gebrauchen. Seine Bedienung ist sehr einfach, nur das Erstellen der Präsentationsdatei wird "Fenstergeschädigte" etwas ungewöhnlich anmuten. Hierzu muss – HTML-Seiten ähnlich – eine Textdatei erstellt werden.
Das Programm bietet zwei besondere Killerfunktionen. Erstens lässt sich die geplante Vorstellungszeit überwachen, und zweitens kann man während des Vortrags Notizen oder Hinweise auf die "Folie" schreiben. Ein weiteres Highlight des Programms sind die Möglichkeiten der Hintergrundgestaltung: Wer will, kann sich hier tagelang austoben.
Installation …
Mit der "richtigen" Linux-Distribution (zum Beispiel Debian) installieren Sie lediglich die Pakete mgp und . Ansonsten müssen Sie die Datei magicpoint-1.06a.tar.gz von [1] und die Datei freetype-1.2.tar.gz von [2] herunter laden. Denken Sie außerdem daran, dass Sie für die Installation root-Rechte brauchen! Als Erstes installieren Sie freetype ins Verzeichnis /usr/local:
tar xvzf ./freetype-1.2.tar.gz -C /tmp cd /tmp/freetype-1.2 ./configure --enable-static make make install
Die Option --enable-static ermöglicht das Entstehen der statischen Bibliothek libttf.a. MagicPoint möchte diese bei seiner Übersetzung gern dabei haben. Wer – wie die meisten Umsteiger – eine gültige Windows-Lizenz hat, kopiert sich nun die dabei mitgelieferten TrueType-Schriften (unter Win 3.11 die .ttf-Dateien aus C:\windows\system, bei Win 9x aus C:\windows\fonts) in sein Linuxsystem, und zwar nach /usr/share/fonts/truetype. Nun können Sie sich der Installation von MagicPoint zuwenden. Wechseln Sie vorher in das Verzeichnis, wo die Datei magicpoint-1.06a.tar.gz liegt.
tar xvzf ./magicpoint-1.06a.tar.gz -C /tmp cd /tmp/magicpoint-1.06a ./configure --disable-vlibxmkmf make Makefiles make mkdir /usr/local/man/man1 cp mgp.man /usr/local/man/man1/mgp.1 cp mgp2ps.man /usr/local/man/man1/mgp2ps.1 cp mgpembed.man /usr/local/man/man1/mgpembed.1 cp contrib/xwintoppm/xwintoppm.man /usr/local/man/man1/xwintoppm.1 cp mgp /usr/local/bin cp mgp2ps /usr/local/bin cp mgpembed.pl /usr/local/bin/mgpembed cp contrib/xwintoppm/xwintoppm /usr/local/bin chmod +x /usr/local/bin/mgpembed
Sollte das Verzeichnis /usr/local/man/man1 schon existieren, ist der entsprechende mkdir-Befehl natürlich überflüssig und seine Fehlermeldung berechtigt. Mit ./configure --disable-vlib wird das Einbinden der vlib-Bibliothek verhindert: Ich nehme an, die meisten Leser/innen benötigen keine japanischen Schriftzeichen. Hinweise zum make-Befehl finden Sie im Heft 03/2000. Ich empfehle Ihnen, das Verzeichnis /tmp/magicpoint-1.06a/sample in Ihr Heimatverzeichnis zu kopieren. Es beinhaltet wichtige Beispieldateien:
default.mgp legt die Gestaltung der Folien fest.
tutorial.mgpenthält eine Bedienungsanleitung.sample.mgpstellt die MagicPoint-Funktionen kurz vor.gradation.mgpbietet viele Beispiele für die Hintergrundgestaltung.mgprc-sampleenthält eine Beispiel-Konfigurationsdatei.embed.mgpgibt ein Beispiel für eine eingebettetemgp-Datei, hier werden alle notwendigen Dateien zu einer zusammen gefasst.
Sichern Sie auch die Dateien SYNTAX und USAGE aus dem Verzeichnis /tmp/magicpoint-1.06a, sie sind gute Hilfen zum Erstellen von Folien. Wenn Sie noch mehr Vorlagen benötigen, so schauen Sie sich die Verweise auf [1] genau an. Es gibt viel zu sehen.
Die Vorstellung beginnt
Im Normalfall starten Sie MagicPoint von der Kommandozeile unter Angabe der Präsentationsdatei, zum Beispiel mit
mgp ~/mgp/sample/tutorial.mgp
MagicPoint besitzt sehr viele Kommandozeilenoptionen. Allerdings halte ich für Vorträge nur die Option -t min sinnvoll. Sie gestattet Ihnen eine zeitliche Kontrolle der laufenden Vorstellung. Das Spiel läuft zum Beispiel so ab: Sie starten die Präsentation mit
mgp -t 15 ~/mgp/sample/tutorial.mgp
Auf dem unteren Bildrand erscheint eine Linie, sobald die zweite Seite dargestellt ist. Diese Linie ist so breit wie das Bild und verkörpert die vorgegebene Zeit. In unserem Fall sind das 15 Minuten. Mit fortschreitender Zeit zieht sich die anfangs grüne Linie immer weiter nach Rechts zurück. Dabei wechselt sie bei 50% der Zeit auf Gelb und bei 70% auf Rot. Damit aber nicht genug: Sie sollen auch noch sehen, auf welcher Seite Sie ungefähr sind. Ein kleiner vertikaler Strich repräsentiert den Indikator. Diese Markierungen begleiten Sie auf allen Folien.
Einige Mitmenschen müssen der ganzen Welt sämtliche ihrer Geistesblitze verkünden. Gehören Sie dazu? Wenn ja, probieren Sie die Option -D htmldir aus. Geben Sie beispielsweise den Befehl
mgp -D /tmp ~/mgp/sample/tutorial.mgp
ein. Im Verzeichnis /tmp liegt Ihr Vortrag jetzt in Form einiger wunderschöner HTML-Seiten bereit, die nur noch auf Ihren Webserver gestellt werden wollen. Beachten Sie aber bitte, dass MagicPoint für diesen Zauber noch einige zusätzliche Programme braucht. Falls es bei Ihnen nicht auf Anhieb klappt, gibt die mgp-Man-Page dazu nähere Auskunft.
… und Konfiguration
MagicPoint erwartet im Heimatverzeichnis der Nutzerin die versteckte Datei .mgprc (Listing 1). In ihr wird das Verzeichnis für die TrueType-Schriften bekannt gegeben (im Beispiel /usr/share/fonts/truetype).
Falls MagicPoint keine der angegebenen TrueType-Schriften findet, soll es als letzte Rettung für ein gutes Schriftbild auf die hinter tfont0 angegebene Schrift zurück fallen.
Listing 1
Eine beispielhafte ~/.mgprc
# this is the ~/.mgprc # # setting up font directories tfdir "/usr/share/fonts/truetype" # # setting up default font, full path tfont0 "/usr/share/fonts/truetype/arial.ttf"
Simsalabim
Um MagicPoint zu bedienen, bedarf es keines Hochschulabschlusses: Tabelle 1 fasst die wichtigsten Tastenbelegungen zusammen.
Tabelle 1: Bedienen geht über Studieren
| Taste | Bedeutung |
|---|---|
| linke Maustaste, Leertaste, n, f oder j | Gehe zur nächsten Seite. |
| rechte Maustaste, Backspace, b, k oder p | Gehe zur vorhergehenden Seite. |
| g | Gehe zur letzten Seite. Wird eine Zahl vor dem g eingegeben, zeigt MagicPoint die Folie mit der entsprechenden Nummer an. |
| Strg | Zeigt eine Seitennummernübersicht unten links auf der Folie an. Markiert man mit dem Mauszeiger eine Seitennummer, so wird der Seitentitel angezeigt. |
| x | Schaltet statt dem Mauszeiger einen Stift auf die Folie. Damit können Hinweise auf die Folie gekritzelt werden. Ein nochmaliges Drücken von x schaltet den Modus wieder aus. |
| X | Stiftfarbe wechseln. |
| t | Aus- bzw. Einschalten der Zeitanzeige. |
| Strg-L | Aktuelle Folie neu darstellen. |
| ESC oder q | Ende. |
Richtig Eindruck schinden lässt sich mit der Funktion der Taste x. Damit verwandelt sich der Mauszeiger in einen Stift, mit dem Sie Ihre Folien während der Präsentation noch weiter entwickeln können, denn wie heißt es doch so schön? Wichtige Mitbürger heben hervor…
Sie wollen Ihre Anmerkungen lieber rot statt schwarz ausfallen lassen? Mit der Taste X wechseln Sie die Farbe.



