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Zu Befehl

Mehr oder weniger

Auch wenn sich viele Dinge bequem über grafische Oberflächen wie KDE oder GNOME regeln lassen – wer sein Linux-System richtig ausreizen möchte, kommt um die Kommandozeile nicht herum. Abgesehen davon gibt es auch sonst viele Situationen, wo es gut ist, sich im Befehlszeilendschungel ein wenig auszukennen.

In der letzten "Zu Befehl"-Folge wurden sie kurz erwähnt – die Pager. Um größere Dateien anzuschauen, braucht man ein Programm, das gerade soviele Zeilen anzeigt, wie auf einen Bildschirm (oder in ein Fenster) passen. Den Standard-Unix-Pager more gibt es schon ziemlich lange, er stammt ursprünglich vom BSD-Unix. Seine erweiterte GNU-Version namens less bietet ein paar nützliche Features mehr. Zudem gibt es noch zless oder zmore für komprimierte Dateien – gut zu wissen, was da "hinter den Kulissen" des Systems abläuft.

Seiten- oder zeilenweise?

Mit more dateiname geht's los, und schon ist man mittendrin. Möchte man nicht den ganzen Bildschirm zum Betrachten nutzen, startet man das Programm einfach mit der Zeilenanzahl als Parameter, z.B. more -10 datei.

Nicht genug damit, man kann more auch noch andere Optionen mitgeben. more -d steht für eine Art "leise Fehlerklingel". Statt des Gepiepses bei falschen Tastatureingaben erscheint nur der Hinweis, dass man h für Hilfe drücken kann. Enthält die Datei viele Leerzeilen? Auch kein Problem, dafür gibt es die Option -s – leere aufeinanderfolgende Zeilen schrumpfen zu einer zusammen, es wird übersichtlicher!

Wenn man möchte, dass more immer mit den gleichen Parametern startet, steht die Umgebungsvariable MORE zu Diensten. Sie kann auf die entsprechenden Optionen gesetzt werden, in der bash-Shell beispielsweise durch die Zeile

huhn@huehnerstall ~ > export MORE="-d -s"

Wie man sieht, kann man gleich mehrere Parameter in doppelte Anführungszeichen ("") eingeschlossen übergeben, beim nächsten Start von more werden die entsprechenden Erweiterungen berücksichtigt. Mit

huhn@huehnerstall ~ > echo $MORE
-d -s

lässt sich leicht überprüfen, welchen Inhalt MORE hat.

Auch das gleichzeitige Betrachten mehrerer Dateien ist möglich. Dazu hängt man einfach die Dateinamen beim Aufruf hintereinander:

huhn@huehnerstall ~ > more datei1 datei2
::::::::::::::
datei1
::::::::::::::
Dies ist Datei 1.
::::::::::::::
datei2
::::::::::::::
Dies ist Datei 2.

Bei längeren Texten möchte man natürlich zwischen den beiden Dateien "springen" können. Dazu gibt es die Kommandos :n (für "next") und :p (für "previous"), wobei :p zunächst an den Anfang der aktuellen Datei geht und dann erst in die vorige springt.

Intuitiv interaktiv

Hier gibt es noch mehr zu entdecken! Hat man more erstmal gestartet, kann man mit verschiedenen Befehlen navigieren: Mit der Leertaste blättert man seitenweise nach Unten, mit der Return-Taste hingegen zeilenweise. Wichtig ist auch das Kommando b ("back"), um jeweils eine Seite zurück zu springen. Der Punkt . wiederholt das letzte Kommando, mit /suchbegriff kann man gezielt nach etwas suchen, und natürlich gibt es da noch q (für "quit") zum Verlassen von more.

Raus- und damit reingefallen

Im Gegensatz zu less findet more einen Suchbegriff nicht, wenn er auf der bereits angezeigten Seite (und nur dort!) vorkommt. Das hängt damit zusammen, dass more aus der Datei "heraus fällt", wenn es am Ende der Datei unverrichteter Dinge angekommen ist, während less wieder an den Anfang springt und von da aus weiter sucht.

Manchmal fällt beim Anschauen einer Datei ein Fehler ins Auge. Hier schafft der Befehl v Abhilfe. Damit startet man den Editor vi in der entsprechenden Zeile. Sollte das nicht sofort funktionieren, kann es daran liegen, dass nicht alle Distributionen den vi im Verzeichnis /usr/bin/vi haben. Mit einem Symlink auf das richtige Programm lässt sich das aber schnell reparieren.

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