Die Allzweckmaus

Damit Copy&Paste auf der Konsole funktioniert, braucht das dafür zuständige gpm-Tool nur zwei Informationen: das Device psaux und das Protokoll imps/2. Wechseln Sie zunächst ins Verzeichnis /usr/sbin, wo es beheimatet ist, und starten Sie es mit

Matrix:/usr/sbin # ./gpm -t imps/2 -m /dev/psaux

Bewegt man die Maus, sollte der Maus-Cursor zu sehen sein und den Bewegungen folgen. Auch das Kopieren von Zeichen funktioniert dann wie von der grafischen Oberfläche gewohnt: Dazu selektiert man Text und fügt ihn mit einem Druck auf den dritten Maus-Button wieder ein. Der dritte Maus-Button ist in diesem Fall das Rädchen: drücken, nicht drehen!

SuSE-Linux-User wählen im YaST unter Hardware in System integrieren / Maus konfigurieren die Option Intellimouse -- Maus mit Rad am PS/2-Port oder setzen in der Datei /etc/rc.config die Option GPM_PARAM="-t imps/2 -m /dev/psaux". Dadurch wird GPM beim nächsten Booten automatisch konfiguriert.

Debianer ändern zwei Einträge in der Datei /etc/gpm.conf mit ihrem Lieblingseditor in device=/dev/psaux und type=imps/2. Startet man das Skript /etc/init.d/gpm neu, werden diese Änderungen wirksam. Beim nächsten Starten wird gpm nur dann automatisch konfiguriert, wenn der Link /etc/rcX.d/S20gpm auf das Skript /etc/init.d/gpm zeigt. X steht für das Runlevel (siehe "Dr. Linux" in dieser Ausgabe), in dem man die Maus benutzen will.

Rad fahren

Auch wenn die Maus auf der Konsole funktioniert – der Nutzen des Rades kommt erst unter X zum Tragen. Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf XFree86 in der Version 3.3.4, Informationen zu kommerziellen X-Servern und Patches gibt es bei [2].

Seit der Version 3.3.2 unterstützt XFree eigenständig verschiedene Wheel-Mäuse, d.h., das Rad wird als solches erkannt und ein Dateninput ermöglicht. Falls Sie eine ältere Version installiert haben, sollten Sie daher auf jeden Fall updaten.

XFree nimmt Rücksicht auf GUI-Toolkits, die keine Wheel-Mouse-Unterstützung bereitstellen, wie zum Beispiel Qt 1.x, das in KDE 1.x verwendet wird. Statt den Anwendungen das Drehen des Rades als solches mitzuteilen, werden die Rad-Bewegungen vielmehr auf einen scheinbaren vierten und fünften Maus-Button gelegt. Dass die Maus keine physische vierte und fünfte Maus-Taste besitzt, ist nicht wichtig; die Applikationen bekommen lediglich das Ereignis "x-ter Maus-Button gedrückt" übermittelt. Für dieses "Mapping" muss die XFree-Konfigurationsdatei /etc/XF86Config gemäß Listing 2 verändert werden.

Listing 2

Damit das Rad funktioniert – Auszug aus der XF86Config

Section "Pointer"
  Protocol              "IMPS/2"
  Device                "/dev/psaux"
  ZAxisMapping          4 5
  Buttons               5
  SampleRate            60
  BaudRate              1200
EndSection

Die Protokoll- und Device-Einträge sind mit denen von gpm identisch. Interessant ist der Punkt ZAxisMapping: Eine Maus kennt nur zwei Dimensionen, die X-Achse (Rechts/Links-Bewegungen) und die Y-Achse (vor/zurück). Das Rad stellt man sich als weitere Achse dar, die Z-Achse. Durch diesen Eintrag kann man nun bestimmen, welche Aktionen eine Bewegung auf der Z-Achse, also ein Drehen des Rädchens, zur Folge haben soll. Dabei gilt folgende Syntax:

ZAxisMapping <Button bei negativer Drehrichtung> <Button bei positiver Drehrichtung>

Tabelle 1 zeigt die zugehörige Rad-Bewegung. Der Eintrag Buttons 5 ist aus eigener Erfahrung nicht zwingend notwendig, aber laut XF86Config-Manpage soll man die Anzahl der realen Mausbuttons addiert mit der Anzahl der scheinbaren Buttons vom ZAxisMapping angeben.

Tabelle 1: Rad-Bewegungen

nach Vorn drehen negative Drehrichtung Button 4
nach Hinten drehen positive Drehrichtung Button 5

Startet man X nun (neu), so sollten Maus und die drei Buttons wie gewohnt arbeiten.

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