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Schnurlos scrollen

Logitech Cordless Wheel Mouse

01.01.2000
Wer heute einen neuen Rechner kauft oder einfach nur die altersschwache Maus ersetzen will, liebäugelt oft mit einer Wheel-Mouse. Wäre da nur nicht die bange Frage: "Wird die denn auch von Linux unterstützt?"

Die Gründe für eine Logitech Cordless Wheel Mouse [1] am PS/2-Port sind leicht ersichtlich: schnurlose Freiheit und scrollende Faulheit. Doch bevor man der neuen Freiheit fröhnen kann, gilt es zunächst, entsprechend der teilweise 12(!)-sprachigen Gebrauchsanweisung die Batterien in der Maus zu platzieren. Der Empfänger wird mit einem freien PS/2-Maus-Steckplatz am Computer verbunden und erhält seine Energieversorgung vom Rechnernetzteil. Dem Rest der Gebrauchsanweisung kann man allerdings nur bedingt weitere Informationen entnehmen, weil der Hersteller keine Linux-Treiber beilegt.

Wer nach dem Einkauf feststellt, dass er ein Original-Logitech-Produkt, zu erkennen am farbigen Logo auf der Maus, nach Hause getragen hat, kann sich glücklich schätzen. Die OEM-Version mit dem schwarz-weißen Logo versteht nämlich scheinbar das IMPS/2-Protokoll nicht, das zur Unterstützung des Rades benötigt wird. Eine solche Maus lässt sich zwar mit dem PS/2-Protokoll zum Laufen bringen, vom Rad hat man dann allerdings nichts. Deshalb: Augen auf beim Einkauf!

Glückliche Besitzer des Originals werden jetzt dafür sorgen, dass das Empfangsgerät unddie Maus miteinander kommunizieren: Dies wird durch die Connect-Tasten unter der Maus und auf dem Empfangsgerät erreicht. Drückt man beide Tasten gleichzeitig, dann einigen sich die Geräte auf eine Frequenz. Sollte der Mauszeiger urplötzlich nicht mehr zu bewegen sein, kann dies an einem Verständigungsproblem der Geräte liegen. Dann hilft oft ein Druck auf die Connect-Tasten. Leider verfügen die neueren Versionen des Empfängers nicht mehr über eine LED, die einen geglückten Verbindungsaufbau anzeigt, weshalb man der Technik in diesem Fall blind vertrauen muss.

Aller Anfang ist die Konfiguration

Auch ohne herstellerseitig beiliegende Linux-Treiber muss dem Linux-System Unterstützung für PS/2-Mäuse hinzugefügt werden. Falls der aktuelle Kernel diese Eigenschaft nicht besitzt, führt kein Weg an einer Neukompilierung des Kernels (hier: ein 2.2.x-Kernel; ein neuerer 2.0.x-Kernel funktioniert auch) vorbei. Das proc-Filesystem zeigt, ob der Kernel PS/2-Unterstützung bereitstellt:

roland@Matrix:/proc > cat misc
144 nvram
135 rtc
134 apm
  1 psaux

Existiert der Eintrag psaux nicht, dann hilft nur, sich als root einzuloggen, zu den Kernelsourcen im Verzeichnis /usr/src/linux zu spazieren und das Betriebssystem neu zu konfigurieren. Der Kasten "Ein neues Betriebssystem bitte!" zeigt die dabei benötigten Schritte.

Ein neues Betriebssystem bitte!

(Fast) jede Kernelkompilation beginnt mit der Konfiguration:

Matrix:/usr/src/linux # make menuconfig

Durch das Anwählen der Option Mouse Support (not serial mice) unter Character Devices gelangt man ins Menü Mice (Listing 1). Hier sollte nicht Logitech busmouse support angewählt werden, da dies nur für alte Logitech-Mäuse nötig ist. Neuere Ausgaben, insbesondere die Cordless Wheel Mouse, benutzen den PS/2-Port.

Benutzer der 2.0.x-Kernel wählen die gleichen Optionen aus, der einzige Unterschied: Die Maus-Optionen befinden sich nicht in einem eigenen Untermenü. Ist der Kernel den eigenen Bedürfnissen angepasst, speichert man die Optionen beim Beenden.

Matrix:/usr/src/linux # make dep clean bzImage modules modules_install

kompiliert den Kernel (während dieser Zeit kann man leicht einen ganzen Artikel lesen). Die Dateien /usr/src/linux/System.map und /usr/src/linux/arch/i386/boot/bzImage kopiert man nun ins /boot-Verzeichnis und trägt den Kernel in /etc/lilo.conf ein:

image = /boot/bzImage
root = /dev/<Root-Partition>
label = neu

Nach einem Aufruf von lilo kann beim nächsten Booten der Kernel namens neu im LILO-Menü ausgewählt werden.

Listing 1

Kernelkonfiguration für die PS/2-Maus

Character devices  --->
[*] Mouse Support (not serial mice)
          Mice  --->
          < > Logitech busmouse support
          [*] PS/2 mouse (aka "auxiliary device") support

Rebooten? Nur bei neuer Hardware!

Beim Hochfahren des (neuen) Systems sollte folgende Meldung erscheinen:

Detected PS/2 Mouse Port.

Falls nicht, prüfen Sie besser, ob vielleicht die PS/2-Unterstützung des Motherboards im BIOS abgestellt ist, und probieren es dann noch einmal. Bevor die Maus nun das erste Mal genutzt werden kann, überprüft man noch schnell das PS/2-Device /dev/psaux :

Matrix:/dev # ls -l psaux
crw-rw-rw-   1 root     root      10,   1 Sep 29 20:08 psaux
Matrix:/dev # ls -l mouse
lrwxrwxrwx   1 root     root           10 Sep 28 20:44 mouse -> /dev/psaux

Falls diese beiden Dateien nicht existieren, legt man sie mit folgenden Befehlen an:

Matrix:/dev # mknod psaux c 10 1
Matrix:/dev # ln -s psaux mouse

Wer die Maus auf der Textkonsole nutzen will, sollte sich nun der GPM-("General Purpose Mouse")-Konfiguration widmen.

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