Run, run Linux

Was sind Runlevel? Kann ich damit meinen PC schneller machen?

Dr. Linux: Unix-Systeme können in verschiedenen Betriebszuständen laufen, die als Runlevel bezeichnet werden. Leider ist die Nummerierung der Runlevel bei den Distributionen nicht identisch. Bevorzugen Sie ein System, mit dem ein grafischer Login möglich ist, so können Sie das passende Runlevel als Default runlevel einsetzen, möchten Sie dieses System zeitweise mit Netzwerkfunktionalität arbeiten lassen, so können Sie dies ebenfalls durch einen Wechsel der Runlevel tun. Die Runlevels bei der SuSE-Distribution sehen zum Beispiel folgendermaßen aus:

  • Runlevel 0 ist halt und fährt das System zum Ausschalten herunter.
  • Runlevel S ist der Single-User-Modus, in dem root die Chance hat, an einem kaputten System mit nur wenig Funktionalität noch einiges zu retten.
  • Runlevel 1 bietet Multi-User-, aber keine Netzwerkfunktionalität.
  • Runlevel 2 erlaubt es ebenfalls mehreren Benutzern, gleichzeitig an der Maschine zu arbeiten (multi-user) und stellt zusätzlich Netzwerkfunktionalität (lokale Mail, Einloggen von entfernten Maschinen etc.) zur Verfügung.
  • Runlevel 3 ist als eine weitere Multi-User-Betriebsart mit Netzwerk und grafischem Login vorkonfiguriert.
  • Runlevel 6 löst einen Reboot aus.

In der Datei /etc/inittab können Sie nachsehen, welche Nummerierung Ihr System für die Runlevel vornimmt bzw. welche Runlevel schon vorkonfiguriert sind. Allen Systemen gemeinsam sind die Runlevel 0 und 6, die mit Systemhalt und Reboot belegt sind. Je nach Runlevel werden bestimmte Programme gestartet, zum Beispiel xdm, der "X-Display-Manager", der einen grafischen Loginbildschirm liefert, oder mehrere getty, die den Login an einer virtuellen Konsole ermöglichen.

Der Single-User-Modus wird vom Systemverwalter zum Beispiel für kritische Wartungsarbeiten aufgerufen. In diesem Modus kann nur er auf das System zugreifen, für andere Benutzer ist kein Login möglich. Wer sich mit der Konfiguration von Runlevels beschäftigen möchte, dem ist geraten, sich vorher Fachliteratur zur Systemadministration zu Gemüte zu führen.In welchen Runlevel ein System standardmäßig bootet, legt die Zeile

id:3:initdefault:

in /etc/inittab fest. Das Beispiel gehört zu einem Slackwaresystem, das im Runlevel Nummer 3 startet. Der aktuelle Runlevel kann ohne Reboot mit telinit geändert werden, häufig ist telinit jedoch nur ein Link auf init. Probieren Sie doch mal ein

# /sbin/telinit 0

anstelle eines /sbin/shutdown -h now, bevor Sie Ihren Rechner ausschalten wollen.

Glossar

gemountet

Einbinden der Daten eines Datenträgers in das Dateisystem bezeichnet man als mounten. Erst nach einem entsprechenden mount-Befehl kann man tatsächlich auf sie zugreifen.

.tex-Dateien

TeX (gesprochen: "Tech" wie in "Technik") ist ein Satzprogramm, anders ausgedrückt, ein Textformatierer; es wurde zunächst im Wesentlichen zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten entwickelt. Im Gegensatz zu den gängigen Textverarbeitungen der PC-Welt arbeitet TeX nicht mit WYSIWYG ("What-You-See-Is-What-You-Get"), sondern ähnlich einer Programmiersprache. Der Text kann mit einem beliebigen Editor wie vi oder emacs erstellt werden. Die Struktur eines Texts wird zusammen mit dem Text in einer .tex-Datei erfasst, die dann zu einer plattformübergreifenden Datei weiterverarbeitet werden kann. TeX und seine Variationen sowie die dazu gehörenden Makropakete (wie LaTeX) sind in der Unix-Welt sehr verbreitet.

Prozess

Der Betriebssystem-Kern ("Kernel") hat direkten Zugriff auf die Ressourcen des Computers, wie zum Beispiel Speicher und Rechenzeit. Wird ein Kommando abgeschickt oder ein Programm aufgerufen, so wird der benötigte Programmcode in den Hauptspeicher geladen und gestartet. Dieses Programm wird nun als Prozess (engl. "task") bezeichnet. Prozesse haben keinen Zugriff auf die Ressourcen, sie fordern diese jeweils vom Kernel an. Wird das gleiche Programm, zum Beispiel das Kommando find von zwei Usern gestartet, so handelt es sich um zwei verschiedene Prozesse, obwohl beide das gleiche Programm ausführen lassen. Der Betriebssystem-Kern verteilt die nötige Rechenzeit und den Speicher so blitzschnell, dass der Eindruck entsteht, Programme könnten gleichzeitig ablaufen. Prozesse können sich vermehren, indem sie durch Verdopplung Kinderprozesse (engl. "child") entstehen lassen; dabei werden sie selber zu Elternprozessen (engl. "parent"). Elternprozesse können darauf warten, dass ihre Kinderprozesse sich beenden oder sterben; umgekehrt geht dies nicht (siehe auch Zombie).

Zombie

Im Film "Dawn of the Dead", der hierzulande "Zombie" hieß, gibt es die Definition: Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, dann kehren die Toten auf die Erde zurück. Ganz so schlimm ist der Begriff Zombie in der Unixwelt nicht zu verstehen. Es ist einfach ein Prozess, der sich beendet hat oder beendet wurde. In der Fachsprache heißt dies gestorben. Ein Zombie speichert einen Zahlenwert und wartet darauf, dass dieser von seinem Elternprozess gelesen wird, bevor er selber gelöscht wird. Weigert sich der Elternprozess aus irgend einem Grund, sein "Zombiekind" so zu erlösen, geistert es ruhelos durch die Prozesstabelle.

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