Berge erklimmen und Datenträger einbinden: <C>mount<C>

Sicher haben Sie schon das Verzeichnis /cdrom oder /mnt/cdrom auf Ihrer Festplatte entdeckt. Zweifelsohne ist das für unser CD-Laufwerk gedacht, doch so oft wir auch eine CD einlegen – das Verzeichnis will ihren Inhalt nicht preisgeben. Sie vermuten es schon – das hat etwas mit dem Mounten zu tun. Darunter versteht man das Einhängen eines Datenträgers in einen bestehenden Verzeichnisbaum. Bitte verzweifeln Sie nicht an diesem Satz: Als ich mit Linux anfing, habe ich ihn lange Zeit nicht richtig verstanden, war ich doch meine Laufwerke von Win95 gewohnt.

Aber im Grunde ist es ganz einfach: Unser bestehender Verzeichnisbaum entspricht in etwa dem Arbeitsplatz unter Windows, dem wir Laufwerke hinzufügen können (Echte Linuxer bekommen bei diesem Satz mit Sicherheit Bauchschmerzen, also bitte nur als Gedankenstütze verwenden). Nun scheint Windows hier wesentlich komfortabler zu sein, ist doch immer automatisch jeder Datenträger gemountet. Das mag auf Ihrem Heimrechner ganz nett sein, doch was macht ein Benutzer, der eben Daten bearbeitet, die ein anderer aus dem Laufwerk nimmt? Oder erinnern Sie sich nur an den bei Windows ewig nervenden Zugriff auf ein Diskettenlaufwerk, das längst keine Diskette mehr beherbergt… Die Lösung unter Linux heißt mount und ist im Grunde nicht schwer zu handhaben. Die Syntax dieses Befehls lautet

mount -t  Gerät 

Eine CD (unter Linux wird das CD-ROM meist als Gerät /dev/cdrom bezeichnet) lässt sich demnach wunderbar mit folgender Zeile mounten:

mount -t iso9660 /dev/cdrom /cdrom

Voraussetzung für einen erfolgreichen mount-Befehl ist natürlich, dass das Zielverzeichnis /cdrom auf Ihrer Festplatte existiert. Gegebenenfalls sieht Ihre Distribution auch das Verzeichnis /mnt/cdrom als CD-Mountpoint vor.

Äquivalent gilt für eine DOS-Diskette:

mount -t vfat /dev/fd0 /floppy

Manche Distributionen benutzen auch /mnt/floppy statt /floppy.

Diese Befehle dürfen Sie nur als Systemverwalter(in) root vornehmen, da sich die Benutzer auf Ihrem System schließlich nicht gegenseitig ärgern sollen.

Um auch als normaler User Datenträger mounten zu können, sollten Sie Ihre /etc/fstab um folgende Einträge bereichern:

/dev/cdrom    /cdrom     iso9660    ro,noauto,user    0    0
/dev/fd0      /floppy    vfat       rw,noauto,user    0    0

Steht dies in Ihrer fstab, kann jeder Benutzer die besagten Datenträger durch eine einfache Eingabe von mount /cdrom oder mount /floppy mounten.

  • ro: "read only" – Datenträger darf nur gelesen, aber nicht beschrieben werden.
  • rw: "read write" – Datenträger darf gelesen und beschrieben werden.
  • noauto: Datentäger wird nicht automatisch beim Booten gemountet.
  • user: normale User dürfen den Datenträger mounten.

Alles schön und gut, doch wie bekommt man die CD wieder aus dem verriegelten Laufwerk? Freundlicherweise möchte Linux Sie vor allem Übel bewahren, und gibt die CD erst dann wieder frei, wenn sich ganz sicher keiner mehr an den Daten zu schaffen macht. Und so ist ein umount /cdrom (man beachte die Schreibweise – "umount", nicht "unmount") nur dann möglich, wenn niemand mehr mit der CD arbeitet. Erst dann wird das Laufwerk wieder entriegelt. Sie müssen immer ein umount ausführen, bevor Sie einen Datenträger entfernen dürfen – egal, ob es sich nun um eine Diskette oder CD handelt. Es könnte Ihnen sonst passieren, dass Sie eine leere Diskette (oder schlimmer: eine mit kaputten Daten) entnehmen – Linux beschreibt erst dann den Datenträger, wenn es Zeit dafür übrig hat. Und spätestens beim umount werden die noch nicht geschriebenen Daten der Diskette anvertraut.

Jetzt haben wir nur noch ein Problem: Auf dem Papier sieht das alles zwar sehr schön aus – doch wie bekommen Sie diese Einträge in Ihre fstab?

Heute mal wer anders sein: <C>su<C> und <C>logout<C>

Sie konnten zwar mit dem Befehl cd /etc ins Verzeichnis mit der Datei fstab wechseln, und ein ls -l fstab informierte Sie darüber, dass nur root in der Lage ist, diese Datei auch zu bearbeiten. Das sind Sie momentan noch nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden: su - macht Sie zu root (und ein logout lässt Sie wieder in Ihren nichtprivilegierten Status zurückkehren).

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