Leben und Sterben von Prozessen: <C>ps<C> und <C>kill<C>

Ihre Prozesse (Anwendungen) listet Ihnen ps auf. Merken sollten Sie sich jedoch ps aux, das etwas mehr Informationen liefert, so z.B. auch jene Prozesse, die Ihnen kein Fenster auf dem Desktop präsentieren.

Falls Sie nun mittels ps aux feststellen mussten, dass Netscape nahezu alle Resourcen verbrät, sich aber auch nicht mehr regulär schließen lässt: Was tun? Wir sagen unserem System einfach, dass der Prozess Netscape beendet werden soll. Und das funktioniert über PIDs – Prozess-Identifikationsnummern. Die von Netscape wurde uns mit ps aux auch angegeben. Nur: Welcher Linuxer durchsucht mit bloßem Auge schon gerne 50 Zeilen Output? Das muss anders gehen…

Schön wäre es, wenn die Ausgabe von ps aux direkt an ein weiteres Tool weitergeleitet wird, das die für uns relevanten Zeilen heraussucht. Kein Problem in der Bash: Befehl1 | Befehl2 übergibt die Ausgabe von Befehl1 an Befehl2 (und bildet damit eine "Rohrleitung", sprich, eine Pipe). Und mittels grep lassen sich diese Zeilen durchsuchen.

bash-2.01$ ps aux | grep netscape
 1412   1 S    0:02 /usr/local/netscape/netscape

"1412" ist die gesuchte PID, die wir kill übergeben, um dem Prozess den Gnadenstoß zu versetzen:

bash-2.01$ kill 1412

Sollte sich Netscape dann immer noch unter den Lebenden befinden, gibt es noch die Steigerungsform kill -9 1412 – das sollte kein Prozess Nr. 1412 überleben.

Glossar

Bash

Die "Bourne Again Shell" ist eine der möglichen textorientierten Benutzerschnittstellen zu einem Unixbetriebssystem – unter Linux die verbreitetste.

Prompt

Systemmeldung, die signalisiert, dass eine (weitere) Eingabe in der Shell möglich ist. Blockiert ein laufendes Programm die Shell, erscheint der Prompt nach dessen Ende wieder.

versteckte Dateien

Ein Punkt an erster Stelle des Dateinamens markiert eine Datei als versteckt. Meist sind es von Anwendungen im Home-Verzeichnis abgelegte Konfigurationsdateien, die hierdurch auch vor versehentlichem Löschen geschützt sind.

Verzeichnis

"Lagerplatz(beschreibung)" für Dateien, um diese besser auf der Festplatte verwalten zu können. Verzeichnisse, auch Directories genannt, dienen also der Ordnung.

Dateirechte

"Maximal" rwxrwxrwx, wobei je einmal "rwx" für den Besitzer, für die Gruppe und für alle Übrigen definiert wird. r steht für "read" (lesen), w für "write" (schreiben) und x für "execute" (ausführbar):

Besitzer

Dateien haben einen Eigentümer – jemand, der sie z.B. erstellt hat. Dieser möchte oder sollte eventuell andere Zugriffsrechte auf seine Datei haben als der Rest der Welt.

Gruppe

Jeder Benutzer gehört zu mindestens einer Gruppe. Über diese Gruppenzugehörigkeiten können definierten Personenkreisen bestimmte Nutzungsrechte eingeräumt werden.

Änderungsdatum

Letzter Schreibzugriff auf die Datei.

ls -lisa

Listet zusätzlich zum "long listing format" mit versteckten Dateien auch noch die "Index-Nummer" (inode) und die Dateigröße in Blöcken auf. Die Optionen -is sind weniger wichtig, aber durch sie lässt sich die Kombination besser merken.

login shells

Shell, die beim Anmelden startet – eine Nicht-Login-Shell läuft z.B. in einem Kommandozeilenfenster, das aus einem Menü aufgerufen wird.

/

Der Schrägstrich gefolgt vom gesuchten Begriff startet die Suche nach Suchwort in einigen Applikationen wie less oder man.

Kernelsourcen-README

Enthält Wissenswertes zum "Kernelbasteln", so z.B., was es zu beachten gilt, und wie der Betriebssystemkern installiert wird. Programmen beigefügte README-Dateien enthalten oft sehr hilfreiche Informationen und sollten daher prinzipiell gelesen werden.

Pfad

"Wegbeschreibung" durch die Verzeichnisse: Es nützt Ihnen nichts, wenn Sie einen Herrn Müller besuchen wollen und es auf jedem zweiten Stockwerk einen gibt – erst mit der Stockwerkangabe wird er auffindbar. Genauso könnte es auf einem System mehrere Dateien geben, denen ein Spaßvogel den Namen fstab gegeben hat. Somit benötigen Sie den Pfad (hier: /etc), um eine bestimmte Datei eindeutig zu bezeichnen.

*

Platzhalter für ein oder mehrere beliebige druckbare Zeichen (Buchstaben, Ziffern etc.). Wird auch als "Wildcard" oder "Joker" bezeichnet und funktioniert mit vielen Befehlen.

Dateisystem

Legt die Art und Weise fest, wie Daten auf verschiedenen Speichermedien von unterschiedlichen Betriebssystemen abgespeichert werden.

Mountpoint

Verzeichnis, in das ein Datenträger ("Gerät") eingehängt werden soll.

iso9660

Dateisystem einer CD-ROM.

vfat

Dateisystem von Windows 9x.

/dev/fd0

Das erste Floppylaufwerk ("Laufwerk A:" unter DOS).

Swap

Auch bekannt als Auslagerungsspeicher. Meist eine Partition, deren Speicherplatz dem tatsächlichen RAM hinzugefügt und erst dann verwendet wird, wenn die wesentlich schnelleren RAM-Bausteine bereits vollständig belegt sind.

grep

Durchsucht Dateien oder Input (Eingaben) nach Ausdrücken und gibt die entsprechende (Fund-)Zeile aus. Die Syntax lautet grep Suchwort Datei/Input. Wenn der Input aus einer Pipe kommt, kann man das Datei/Input-Argument leer lassen.

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