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Zu Befehl

Wie sag' ich's meinem Linux?

Allen grafischen Oberflächen zum Trotz saß manch einer schon leicht erschrocken vor seinem frisch installierten Linux, das ihm schweigend einen penetrant blinkenden Cursor präsentierte. Nicht, dass das böse Absicht des Computers wäre – Linux will nur hin und wieder in einer Sprache jenseits des Mausklicks unterhalten werden. Der Grundwortschatz dieser Sprache ist jedoch nicht allzu schwer zu erlernen.

Nach erfolgreichem Einloggen sieht man sich oft in der Shell mit einem schlichten $ konfrontiert. Doch trotz ihres spartanischen Aussehens kann die Shell – besonders, wenn (wie unter Linux üblich) die Bash verwendet wird – schon allerhand: Wer einmal wissen möchte, welche Befehle oder Programme ihm zur Verfügung stehen, sollte einfach auf die Tabulatortaste (zu finden links vom [q]) drücken und zusehen, wie ein eindeutiger Name ergänzt wird. Ist nichts Eindeutiges verfügbar (weil es eben zuviele Befehle gibt, die mit irgendeinem Zeichen beginnen), verleihen wir unserer Forderung durch einen weiteren Tabulatortastendruck Nachdruck. So spuckt ein zweimaliges Betätigen der Tabulatortaste in der nackten Bash eine Liste aller vorhandenen Befehle aus – und das dürfte nicht wenig (und zudem etwas unübersichtlich) sein.

Wir wollen uns daher für's Erste auf Befehle mit dem Anfangsbuchstaben "l" beschränken: Ein [l][tab][tab] informiert uns zum Beispiel darüber, dass ein Programm oder Befehl auf den Namen ls hört. Doch was mag das sein – ls? Wir wissen es nicht und rufen daher einfach mal um Hilfe (englisch: "help"):

bash-2.01$ ls --help

(Den Prompt bash-2.01$ bitte nicht mit eingeben!)

Die Ausgabe war etwas schwierig zu lesen, denn der Schluss sagt uns leider ohne den Anfang nicht viel. Das ist aber nicht weiter schlimm, da sich die Bash so manches für uns merkt: Ein [Bild hoch] (die obere Bildlauftaste links vom Nummernblock) bei bereits gedrückter Shift-Taste (links vom Zeichen [<]) lässt uns von der Bildfläche Verschwundenes wieder ins rechte Licht rücken.

Liste mich auf: <C>ls<C>

Und da stand es nun: ls --help gibt uns zur Auskunft, dass sich die Funktion von ls mit List information about the FILEs beschreiben lässt. Informieren wir uns also über unsere Dateien:

bash-2.01$ ls
bash-2.01$

Wir scheinen noch nicht allzu viele zu haben. Oder sollten wir die Tauglichkeit unseres ls-Befehls anzweifeln? Wiederholen wir unsere Eingabe von ls --help einfach, da wir doch etwas bei der Bedienung von ls übersehen haben könnten. Und da sich die Bash bereits verwendete Befehle merkt (und Linuxer ein bequemes Volk sind), benutzen wir einfach die Cursortasten und "laufen nach oben", indem wir [Pfeil hoch] so oft drücken, bis der "ls --help"-Befehl erneut erscheint und sich mit [Enter] nochmals abschicken lässt. So finden wir die Option -a ("alle"), die uns auch versteckte Dateien anzeigen möchte:

bash-2.01$ ls -a
.              ..             .bash_history  .bash_profile  .bashrc

Der Punkt (".") bezeichnet das aktuelle und ".." das übergeordnete Verzeichnis. Folglich besitzen wir genau drei versteckte Dateien: .bash_history, .bash_profile und .bashrc. Und da wir so rein gar nichts über diese Dateien wissen, wollen wir konkretere Informationen darüber – das "Long-Listing-Format" mit der Option -l ist hierfür geeignet:

bash-2.01$ ls -a -l
total 5
drwxr-xr-x   2 jo       jo           1024 Sep 19 16:20 .
drwxrwxr-x   7 root     staff        1024 Sep 19 16:13 ..
-rw-------   1 jo       jo             71 Sep 19 16:36 .bash_history
-rw-r--r--   1 jo       jo             68 Jun 16 15:35 .bash_profile
-rw-r--r--   1 jo       jo             55 Jun 16 15:35 .bashrc

Somit erfahren wir die Art der Datei (d für Verzeichnis und - für normale Datei), Dateirechte, den Besitzer, welche Gruppe wieviel mit dieser Datei anfangen darf, die Dateigröße (die Datei .bashrc ist im Beispiel 55 Byte groß), das letzte Änderungsdatum inklusive Uhrzeit sowie den Dateinamen. Auch kann der Befehl noch einfacher eingetippt werden: ls -al. Und da es noch mehr nützliche Optionen gibt, verwenden manche einfach immer die gut zu merkende "Lisa"-Option: ls -lisa.

+-------- Eigentümer - Datei lesen
|+-------                    schreiben
||+------                    ausführen
|||+----- Gruppe             lesen
||||+----                    schreiben
|||||+---                    ausführen
||||||+-- alle übrigen User  lesen
|||||||+-                    schreiben
||||||||+                    ausführen
rwxrwxrwx

<C>apropos<C>: Was nehme ich wofür?

Nun ist es etwas mühsam, mittels Tabulatortasten Befehle zu finden, um erst anschließend zu erfahren, was diese denn bieten. Abhilfe schafft hier apropos. Werden Befehle zum Auflisten (engl. "list") gesucht, erscheint u.a.:

bash-2.01$ apropos list
[...]
lreplace (n)         - Replace elements in a list with new elements
ls, dir, vdir (1)    - list contents of directories
lsattr (1)           - list file attributes on a Linux second extended file system
[...]

Demnach gibt es einen Befehl ls, der Inhalte von Verzeichnissen auflistet.

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