Was jetzt?

Unterhaltung mit (m)einem Rechner

Ist Ihr Betriebssystem erstmal installiert, wollen Sie sich vermutlich mit Ihrem Rechner unterhalten. Ob Sie das nun grafisch und mausbetont oder sachlich und tastaturgetrieben tun wollen, bleibt Ihnen überlassen.

Wenn Sie schon ein wenig länger bei der Computerei dabei sind, dann haben Sie früher vielleicht MS-DOS verwendet und erinnern sich daran, dass es damals nur den sogenannten Textmodus gab. Man gab ziemlich kompliziert aussehende Befehle in Textform auf der Kommandozeile ein, und wenn man alles richtig machte, dann spuckte der Computer seine Ausgabe ebenfalls als Textwüste aus.

Falls Sie dagegen eher noch ein Neuling in der ganzen Computerei sind, Linux aber nicht Ihr erstes Betriebssystem ist, dann haben Sie wahrscheinlich bisher mit Windows 95 oder Windows 98 gearbeitet. Wenn Sie eine Datei (wie beispielsweise eine Grafik) ansehen wollen, zeigen Sie mit der Maus auf ein Sinnbild (auf neudeutsch: ein Icon), klicken ein- oder zweimal mit der Maustaste, und ein Grafikprogramm startet und zeigt Ihnen Ihre Landschaft im Sonnenuntergang – hoffentlich.

Diese beiden Gegensätze, also die Eingabe von Befehlen über die Tastatur und das Auslösen von Aktionen vorrangig mit der Maus, machen die beiden wichtigsten Verfahren aus, wie wir Menschen mit Computern arbeiten. Natürlich gibt es auch noch andere wie beispielsweise Sprachsteuerung; diese haben aber bisher noch keine große Bedeutung erlangt.

Unter MS-DOS hatten Sie nur die Möglichkeit, Befehle über die Tastatur einzugeben, bis Windows kam (und andere grafische Oberflächen, die sich nicht durchsetzen konnten). Möglicherweise denken Sie auch, dass Sie unter Windows 98 nur die Möglichkeit haben, mit der Maus herumzufuchteln. Tatsächlich gibt es aber bei Windows immer noch die sogenannte "MS-DOS Eingabeaufforderung", die Ihnen die guten alten Zeiten wiederbringt.

Ich will alles!

Aber wir wollen ja hier nicht über Windows reden, sondern über Linux. Wie so oft, läßt Linux Ihnen die Wahl. Sie können mit Linux ausschließlich im Textmodus arbeiten und damit auch so ziemlich alles machen, was damit sinnvoll ist – womit ich sagen will, dass beispielsweise Zeichenprogramme im Textmodus keinen besonders durchschlagenden Erfolg haben werden. Wenn Sie eine uralte Grafikkarte haben, oder einen uralten Monitor, oder einfach nur gern mit der Kommandozeile arbeiten und nicht das Bedürfnis verspüren, eine Maus herumzuschieben, dann geht das mit Linux wunderbar. Beispielsweise habe ich einen Linux-Rechner als sogenannten Router eingerichtet, der mein häusliches Netzwerk mit dem Internet verbindet. Auf diesem Rechner habe ich absolut keinen Bedarf für irgendwelche grafischen Spielereien; der Rechner soll einfach nur Datenpakete hin- und herschaufeln, und das möglichst schnell. Auf diesem Rechner gibt es gar keine grafische Oberfläche – weil ich sie nicht brauche.

Andererseits haben grafische Oberflächen natürlich auch ihren Sinn. Manche Anwendungen wie Zeichenprogramme, Grafikbetrachter und andere sind ohne schlicht und einfach kaum denkbar, andere, wie etwa Webbrowser, machen deutlich weniger Spaß. (Wenn Sie aber nur einmal ganz schnell eine Information aus dem World Wide Web benötigen, dann ist der textbasierte Browser Lynx, dessen Geschwindigkeit kein anderer Browser schlagen kann, durchaus eine gute Wahl.)

Her mit der Kommandozeile!

An eine Kommandozeile unter Linux zu kommen, ist normalerweise eine ganz einfache Sache, denn das ist das, was Linux gewissermaßen von Haus aus mitbringt, alles andere setzt darauf auf. Wenn Sie Ihren Linux-Rechner gestartet haben und mit offenem Mund den verwirrenden Meldungen beim Booten zugeschaut haben, meldet sich Linux oft mit einem schwarzen Bildschirm, auf dem ganz unten

Login:

steht, worauf Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort eingeben. (Den bekommen Sie auch zu Gesicht, wenn Sie [Strg][Alt] und eine der Funktionstasten 1 bis 6 drücken.) Jetzt landen Sie direkt auf einer Kommandozeile, und ein spezielles Programm, die Shell, lechzt danach, Ihre Befehle entgegennehmen zu dürfen (was für eine Servilität!). An dieser Stelle können Sie jetzt mit Ihren Befehlen loslegen, an anderer Stelle im Heft können Sie nachlesen, was Sie jetzt so alles machen können.

Aber halt, höre ich da einige von Ihnen rufen, bei mir sieht das ganz anders aus, mein Schirm ist nicht schwarz-weiß, sondern quietschbunt, und ein Mauszeiger ist auch schon da. Das kann gut sein, da hat Ihr freundlicher Linux-Distributor für Sie mitgedacht (ob Sie das nun wollten oder nicht), und Ihr Linux-System so eingerichtet, dass Sie automatisch auf der grafischen Oberfläche landen. Benutzernamen und Passwort müssen Sie natürlich trotzdem noch eingeben – ohne lässt Sie Linux aber auch gar nichts machen.

Wie bereits gesagt, schreibt Ihnen Linux nicht vor, was Sie tun und lassen sollen, und wenn Sie beim Booten automatisch auf einer grafischen Benutzeroberfläche landen, dann können Sie trotzdem noch an eine (oder gar viele!) Kommandozeilen kommen – wie, das erkläre ich Ihnen ein bißchen später.

Sind Sie dagegen nach dem Booten auf dem schon erwähnten schwarz-weißen Schirm gelandet, dann können Sie meistens durch Eingabe des Befehls startx die grafische Oberfläche starten. Das setzt allerdings voraus, dass das der sogenannte X-Server bereits konfiguriert ist.

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