Schwarz auf Weiß

Lesefutter

Wer sich schon vor der Installation über Linux informieren möchte, wem der der Distribution beiliegende Beipackzettel schlicht zu dürftig ist, oder wer einfach gerne auf ein gutes Buch aus dem Regal zurückgreift, der steht im Buchladen oftmals vor dem Problem: "Welches der vielen Bücher ist jetzt für mich das Richtige?" Wir versuchen einen Überblick zu geben und die Entscheidung zu erleichtern.

Seit ca. zwei bis drei Jahren haben auch die großen Verlage begriffen, dass Linux längst aus dem Nischendasein hervorgekommen ist und ein durchaus lukratives Potential bietet. Die Folge sind neben einem frischen Wind im Themenbereich Unix-Administration eine unüberschaubare Anzahl Einsteigerbücher: "Linux für Hausfrauen", "Mit Linux durch die Adventszeit", "Schlank mit Linux", … Nein, bitte fragen Sie Ihren armen Buchhändler nicht nach diesen Titeln – es gibt sie (noch) nicht, aber bei der momentanen Tendenz zu Masse statt Klasse in diesem Markt ist in Zukunft vermutlich alles möglich ;-) Mit einem guten Buch aber kann der Linux-Einstieg viel stressfreier verlaufen, als man glauben mag.

Vielen Einsteigerbüchern liegt entweder eine CD mit einer Linux-Distribution bei, und/oder es wird konkreter Bezug auf eine solche genommen. Das ist nicht weiter verwunderlich, sollen doch oftmals Schritt-für-Schritt-Anleitungen den Linux-Einstieg erleichtern. Ansonsten haben die im Folgenden vorgestellten Werke durchaus unterschiedliche Ansätze und sind auf verschiedene Zielgruppen ausgerichtet.

Marc André Selig

Linux

Ein preiswertes Taschenbuch von Marc André Selig soll den Anfang machen. Auf gut 460 Seiten bietet der Autor einen Überblick über die Distributionen von SuSE, Debian, Red Hat und Slackware. In der gerade erschienenen Neuauflage wird letztere ersetzt durch Caldera und DLD. Genau durch diese Vielfalt zeichnet sich das Buch aus, bietet es doch gerade für den Interessierten, aber vielleicht noch Unentschlossenen die Möglichkeit, sich schon vorab mit den unterschiedlichen Ansätzen vertraut zu machen. Ist der erste Teil also der Vorstellung und der Installation der Distributionen gewidmet, erhält der Leser im zweiten Teil praktische Hilfen und Anleitungen, die (fast) Allgemeingültigkeit haben sollen: Zugang zum Internet, Crash-Kurs Unix, ein bisschen StarOffice und Shell-Programmierung. Abgerundet wird das Buch durch weitere Tipps und ein kleines Glossar, in dem neue oder unbekannte Begriffe kurz und knapp erklärt werden.

Ich finde das Buch rundweg gelungen. Jeder Distribution wird für den Anfang genügend Platz eingeräumt, die wichtigsten Grundlagen und Befehle im zweiten Teil vermittelt und dazu die bei einigen Konkurrenten fehlende ISDN-Konfiguration. Lediglich das Kapitel über das Erstellen eines eigenen Kernels kommt etwas zu kurz. Eindeutig der Preisknüller in unserer Übersicht!

Stefanie Teufel

Jetzt lerne ich Linux

Stefanie Teufel hat in der "Jetzt lerne ich …"-Reihe des Markt&Technik-Verlags ihren Beitrag zu Linux geschrieben. Dieses Buch ist eine der praktischsten und gelungensten Einführungen, die ich kenne. Kurz, aber selten zu knapp, auf ihre unnachahmliche Weise, werden Einsteiger in die Linux-Welt begleitet. Der gerade auslaufenden Auflage liegt eine FTP-Red-Hat-5.2 bei, die Neuauflage kommt mit Red Hat Linux 6.0. Deren Installation bildet den Anfang. Es folgen die ersten, meist so wichtigen Schritte im neuen System: Wie mounte ich ein CD-ROM-Laufwerk, wie gehe ich mit Disketten um, wieviel Platz ist noch auf meiner Festplatte usw. Eine Einführung in den Editor joe sowie die Grundlagen zu den Standards vi und Emacs folgen. KDE ist ein ganzes Kapitel gewidmet, statt xterm wird das schmalere rxvt als X-Terminal vorgestellt. Der Midnight Commander als Dateimanager darf ebenso nicht fehlen wie eine ausführliche Erklärung zum Einstieg ins Internet und die Benutzung seiner zahlreichen Dienste wie E-Mail, News, IRC, Web etc. Sogar ein Abschnitt zu LyX, einem grafischen Frontend zum bekannten Textsatzsystem LaTeX, findet sich hier.

Dem einen oder anderen mag der Stil von Stefanie Teufel etwas zu direkt sein. Ich aber finde, dass gerade der Anfänger durch zu trockene Werke im Lehrbuchstil wahrscheinlich schneller die Lust verliert. Trotz ein paar Anekdoten und netten Sprüchen liegt nämlich die Stärke dieses Buchs darin, dass es sich auf Wesentliches konzentriert und Dinge, die nicht in ein Einsteigerwerk gehören, einfach weglässt.

Für Anfang 2000 ist auch eine eigene Auflage mit dem Schwerpunkt SuSE Linux geplant. Stay tuned. Michael Kofler

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