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Inter-nett

Linux und das Internet

01.12.1999 Ohne die Kommunikationsmöglichkeiten jenes weltumspannenden Computernetzes namens "Internet" wäre Linux mit Sicherheit nicht zu dem geworden, was es heute ist: All die freiwilligen Programmierer aus aller Welt, die Linux und Linuxanwendungen entwickeln, hätten nämlich niemals zusammengefunden. So erscheint ein Linuxrechner ohne Internetzugang beinahe anachronistisch. Grund genug, ein wenig hinter die Kulissen zu schauen.

Auch, wenn alle vom Internet reden, ist es recht hilfreich, zu wissen, wie das "Netz der Netze" denn nun funktioniert und natürlich, was es bedeutet, daran angeschlossen zu sein.

Was vermutlich den Meisten bekannt ist: Das Internet besteht aus einigen Millionen Rechnern, die über das TCP/IP-Protokoll fest über Standleitungen verbunden sind. Jeder dieser Rechner hat nun eine sogenannte IP-Adresse, die so aussieht: 192.168.12.223. Da sich solcherlei Zahlengewirr wohl nur ein Rechner merken kann, gibt es für uns Menschen auch Namen für die Maschinen. Ein solcher Name wäre dann z.B. meinrechner.meinedomain.de. Vor dem ersten Punkt steht der Name des Rechners, der Rest ist der Name der Domain, zu der er gehört.

Es war einmal…

Die ersten Überlegungen über eine Vernetzung von Computern führen zurück bis ins Jahr 1964. Schon da wurden die noch heute gültigen Grundprinzipien festgelegt. Das Netzwerk sollte ohne zentrale Kontrolle funktionieren und nicht durch den Ausfall von irgendwelchen Maschinen lahmgelegt werden können. Jetzt dürfen Sie dreimal raten, wer hinter solchen Ideen steckte… Richtig, das Militär. Es begann mit Vorschlägen der RAND Corporation, wie nach einem nuklearen Krieg eine Kommunikation zwischen den Führungskräften in den USA über ein Netzwerk stattfinden könnte.

Im Jahr 1969 war dann die Premiere zu vermelden: Zwei amerikanische Universitäten bauten die erste Fernverbindung auf. Das waren die Universität von Kalifornien in Santa Barbara mit einem IBM-360/75-Rechner und das Stanford Research Institute mit einer SDS-940. Direkt danach folgten Utah und Los Angeles – das Internet war geboren.

Das Prinzip, das hinter diesen Überlegungen steckte, nämlich eine Datenübertragung auch dann sicher zu stellen, wenn einzelne Maschinen nicht verfügbar sind, wurde noch im selben Jahr von der DARPA ("Department of Defense Advanced Research Projects Agency"), einer Behörde des US-Verteidigungsministeriums, übernommen und unter dem Namen ARPANET etabliert. Die Anzahl der an das ARPANET angeschlossenen Maschinen vergrößerte sich ständig. 1972 gab es bereits 37 davon. Aus dem damals benutzten Protokoll NCP, "Network Control Protocol", wurde nach und nach der heutige Standard TCP/IP ("Transmission Control Protocol/Internet Protocol").

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Forschungseinrichtungen der USA den Vorteil einer Vernetzung untereinander erkannt und nutzten diese Möglichkeit der Kommunikation. Im Jahr 1972 wurde auch die erste Telnet-Spezifikation, "Ad hoc Telnet Protocol", festgeschrieben im RFC 318, verbreitet.

Diese RFCs – "Requests for Comment" – verfolgen uns im Internet bis heute. Und ihr Name, eine Aufforderung zur Diskussion, ist tatsächlich wörtlich zu nehmen: Ja, das Internet ist sehr demokratisch. Wenn man ein neues Protokoll für irgendwelche Zwecke entwickelt hat, stellt man dieses zur Diskussion. Meistens ging und geht das damit einher, dass die ersten Teile im Sourcecode veröffentlicht werden. Von da an kann jeder an und mit diesem Protokoll arbeiten, es erweitern, verbessern usw.

In einem Punkt darf man das Wort "Diskussion" allerdings nicht ganz so wörtlich nehmen: Wer heute beispielsweise ein FTP-Programm entwickelt, das sich nicht an die ftp-Spezifikation in RFC 454 hält, kann eigentlich nicht damit rechnen, mit irgendeinem Rechner auf dieser Welt in Kontakt zu treten. Zwar gibt es eine gewisse, in Redmont ansässige Firma, die genau das immer mal wieder versucht. Aber da das Internet bis heute zum entscheidenden Teil von Unix-Rechnern gebildet wird, endeten diese Versuche bisher als Insellösung.

Doch zurück zur Geschichte: 1974 wurde das TCP ("Transmission Control Protocol") in detaillierter Form vorgelegt. 1981 folgte der IP-("Internet Protocol")-Standard: RFC 791 legt ihn fest. Damit ist alles komplett, was wir heute benutzen, nämlich das TCP/IP-Protokoll.

1983 erfolgte die Umstellung des gesamten bisherigen Netzes auf dieses Protokoll. Damit war das Internet in der noch heute gültigen Form geboren.

Spielen wir einmal durch, wie Sie meinen fiktiven Rechner meinrechner.meinedomain.de nun über das Internet erreichen könnten.

Besuchen Sie mich im Internet!

Als Erstes benötigen Sie einen Provider. Das ist jemand, der (mindestens) eine Maschine fest mit dem Internet verbunden hat, und Ihnen die Einwahl mittels Modem oder ISDN ermöglicht.

Internet-by-call oder: Wo finde ich einen Provider?

Die URL http://www.Telefongesellschaft-die-Ihnen-gerade-einfällt.de/ führt Sie in der Regel zu Informationen über Preise und Angebote der Telefongesellschaften.

Manche haben sogar ein Herz für Linuxer: Unter http://www.mobilcom.de/freenet/linux.html finden Sie z.B. einige Informationen über Konfiguration und Internetzugang unter Linux.

Mit der Suchmaske von http://www-cache.rrzn.uni-hannover.de/such-prov.html finden Sie lokale Provider auch in kleineren Ortschaften!

Lokale Provider lassen sich auch im lokalen Telefonbuch finden, das erspart die Online-Kosten.

Alle Suchmaschinen wie z.B.

finden eine unübersehbare Fülle von Einträgen, wenn die Suche nicht durch Schlüsselworte wie Providersuche, Wohnort, Providername eingegrenzt wird.

Eine Tabelle der Internet-by-Call-Anbieter findet sich in der SuSE-Support-Datenbank unter http://www.suse.de/sdb/de/html/js_dnslist.html

Marianne Wachholz

Was passiert jetzt bei der Einwahl? Ihr Rechner wählt die Telefonnummer Ihres Providers. Die Gegenstelle hebt ab und startet ein heute übliches Verbindungsprotokoll namens PPP ("Point-to-Point Protocol") (bei ISDN eine speziellere Form namens sync-PPP), auf dem wiederum ganz normal TCP/IP gesprochen wird. Wenn das läuft, ist Ihr Rechner ein Teil des Internets geworden. Sie haben jetzt (von Sicherheitsvorkehrungen abgesehen) Zugriff auf jeden Rechner im Internet, können beispielsweise Ihren Webbrowser starten und lossurfen.

Kribbelt es jetzt in Ihren Fingern, dass sich auf meiner Festplatte etwas für Sie Interessantes befinden könnte? Also los, tippen Sie telnet meinrechner.meinedomain.de.

Der Rechner Ihres Providers (für das folgende Beispiel behaupte ich mal, dass Ihr Provider Netsurf heißt) schluckt, den Namen hat er noch nie gehört. Er braucht aber die IP-Adresse, sonst weiß er nicht, wo er meinen Rechner suchen soll. Also fragt er einen Nameserver, der ihm diese Adresse liefert. Nun steht die Adresse fest. Es handelt sich um die 192.168.23.199, wobei 192.168.23 die Netzwerkadresse ist und die 199 meinen Rechner bezeichnet.

Allerdings merkt der Rechner Ihres Providers nun, dass er meine Adresse nicht in seinem Netz findet: Er selbst befindet sich nämlich im Netzwerk 195.180.6.0, und nicht in 192.168.23.0. Im Fachjargon heißt das, er hat keine Route in mein Netz.

Nun beginnt die Reise durch das Internet. Der Rechner Ihres Providers hängt wiederum an einem größeren Rechner, der für ihn Verbindungen weiter in andere Netze reicht.

Mittel und Wege

Alles, was der Rechner von Netsurf, auf dem sie heimisch sind, nicht direkt erreichen kann, leitet er an einen vorgeschalteten Rechner weiter. Das ist in diesem Fall BB6-vl2.Hamburg.is-bone.net, wie ein Vorgriff auf Ihre Reise zu mir zeigt:

netsurf.is-kunden.de (195.180.6.129)
BB6-vl2.Hamburg.is-bone.net (195.179.51.83)
BB4-pos1-1-0.Hamburg.is-bone.net (194.64.0.101)
BB1-pos0-1-0.Koeln.is-bone.net (194.64.0.105)
BB1-h0-0-1.Frankfurt.is-bone.net (195.180.0.29)
DeCIX-fe0-0.Frankfurt.is-bone.net (194.31.232.14)
cisco6.f.dpn.net (194.231.40.44)
cisco7.f.dpn.net (194.231.40.125)
cisco13.ne.dpn.net (194.77.0.4)
xyz-ne.net.de (192.168.118.81)
192.168.23.5 (192.168.23.5)
192.168.23.12 (192.168.23.12)
meinrechner.meinedomain.de (192.168.23.199)

Das geht noch ein paarmal so weiter, bis cisco13.ne.dpn.net ins Spiel kommt, der einen direkten Weg ins 192.168.118er Netz weiß, nämlich xyz-ne.net.de. Und endlich ist es soweit: xyz-ne.net.de kennt den Weg ins 192.168.23er Netz.

Damit sind Sie über 13 verschiedene Rechner oder Router endlich bei mir gelandet. (Nun ja, nicht ganz: Bei den Adressen in obiger Liste habe ich etwas geschummelt – ich möchte nicht von zuvielen Möchtegern-Hackern belästigt werden. ;-) Wundern Sie sich also nicht, wenn meinrechner.meinedomain.de nicht wirklich existiert…)

Nach all diesen (Um-)Wegen sind Sie nun endlich bei meinrechner.meinedomain.de gelandet. Nun haben Sie nicht ganz ohne Grund den Befehl telnet gewählt: Sie wollten sich schließlich auf meiner Festplatte umschauen. Das dürfen Sie auch – vorausgesetzt, ich erlaube Ihnen, sich einzuloggen. Mein Rechner fragt Sie zu diesem Zweck nach einem Loginnamen und dem dazu passenden Passwort:

meinrechner: login:
password:

Geben Sie beides richtig ein, dürfen Sie sich auf meinem Rechner umschauen, den Inhalt der Festplatte begutachten und auch Programme starten.

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LinuxUser 06/2012

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