Linux im Büro

Papierlos

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Zählt man zusammen, für welche Aufgaben Computer hergenommen werden, so stellen Büroanwendungen einen hervorragenden Anteil. Somit wird die Brauchbarkeit eines Betriebssystems für alltägliche Schreib-, Kalkulations- und Organisationsarbeiten zur Gretchenfrage: Taugt Linux für den Desktop?

So banal es klingt – das, was am mit dem Rechner am häufigsten tut, ist schreiben. Spitzfindige zählen hier nicht nur die E-Mails und auszudruckenden Briefe dazu, sondern sogar die Befehle auf der Kommandozeile. Zwar werden die Wälder gegenüber den guten, alten Zeilen mit Füllfederhalter und edlem Büttenpapier auch nicht mehr geschont werden – statt TippEx druckt man den Brief halt doppelt aus, und anstatt die Telefonnummer schnell abzuschreiben, jagt man eben die gesamte E-Mail durch den Drucker. Doch weicht die Overhead-Folie mehr und mehr dem Präsentationsprogramm, das Filofax dem "Personal Information Manager" (PIM), Papierformulare den Spreadsheets einer Tabellenkalkulation, und Hausarbeiten und Beschwerdebriefe schreibt sowieso schon lange niemand mehr mit der Maschine. Die Frage "Was bietet Linux in diesem Bereich?" liegt da mehr als nur nahe.

Schreibwerkzeuge

Die Palette reicht weit: Vom einfachen Texteditor a la mcedit, pico oder joe, mit dem sich nicht nur E-Mails, sondern auch Einkaufslisten schnell heruntertippen lassen, über erweiterte Editoren, deren Leistungsfähigkeit und Einsatzbreite ganze Bücher füllt; von professionellen Textsatzprogrammen bis zu mehr oder minder leistungsstarken Textprozessoren und gar integrierten Officepaketen reicht die Palette. Bei dieser Arten- und Funktionsvielfalt hat schon Mancher insgeheim der guten alten Schreibmaschine ein Tränchen nachgeweint.

Emacs

Für manche ist es ein Editor, für manche ein Lebensgefühl – der Emacs. Böse Zungen behaupten, er hätte seinen Namen von den zu seiner Handhabung nötigen fingerbrecherischen Tastenkombinationen mit Escape-, Meta-, Alt-, Control- (alias Strg-) und/oder Shift-Taste. Zugegeben, er ist überhaupt nicht "usable" (Usability ist die Lehre von der intuitiven Handhabung), aber wer sich auf ihn einlässt, kann unglaublich effizient und schnell werden. Ich kenne Leute, die erledigen alles, was sie unter Linux tun im Emacs – kann man von ihm aus doch auch mailen, surfen, spielen, andere Kommandos ausführen lassen…

Emacs lässt sich auch per Menü bedienen. Seine enormen Vorteile erschließen sich allerdings bei der Handhabung per Tastatur. Hinter fast allen Menüeinträgen stehen auch die entsprechenden Shortcuts (Tastaturbefehle), so dass Sie Ihr Können auf diese Art peu a peu erweitern werden. Mit fünf Tastenkombinationen können Sie beginnen, sich in die Welt des Emacs hineinzubegeben. In Tabelle 1 sind diese zusammengestellt, wobei sie folgendermaßen zu verstehen sind: C steht für die Strg-Taste, M für die Alt-Taste. C-x C-f heißt, Sie müssen die Steuerungstaste drücken, halten und nacheinander die x- und die f-Tasten drücken. M-x font-lock-mode bedeutet, daß Sie die Alt-Taste gedrückt lassen, bis Sie auch die x-Taste gedrückt haben, dann beide loslassen und font-lock-mode eingeben. (Falls Sie keine Lust haben, alles zu tippen, nutzen Sie doch einfach die Kommandozeilenergänzung des Emacs durch die Tab-Taste.)

Tabelle 1: Emacs-Tastenkombinationen

Emacs beenden C-x C-c
Datei öffnen C-x C-f
Datei speichern C-x C-s
Befehl abbrechen C-g
Zwei Fenster untereinander öffnen C-x 2
Farbige Syntax-Hervorhebung C-x font-lock-mode

Etwas gewöhnungsbedürftig dürfte noch sein, dass der Emacs beim Suchen nach Dateinamen immer in Ihrem Home-Verzeichnis anfängt und dies durch eine führende Tilde im Dateinamen anzeigt. Ab jetzt können Sie getrost Befehl für Befehl lernen und immer effizienter werden. Keine Sorge vor Updates, nach denen die mühsam erlernten Tastenkombinationen nicht mehr gelten: Programmierer(innen) haben keine Lust, sich ständig um ihre kostbare Arbeitszeit zu bringen. Da sie selbst die eifrigsten Nutzer(innen) des Emacs sind, werden sie den Teufel tun und die Kürzel ändern. Aber Sie können ihn anpassen: Der Emacs ist in Lisp geschrieben, und falls Sie Lust haben, können Sie ihm jedes Verhalten hinzuprogrammieren, das Sie sich wünschen.

Wenn Sie mehr über den Emacs lernen möchten, bietet er Ihnen mit C-h t ein eigenes Tutorial an (auf Englisch). Den frischesten Emacs (momentan 20.4) gibt's unter http://www.emacs.org/.

Abbildung 1: Der Alleskönner – Emacs

Eine "Spielart" des durch ein schlichtes emacs aufzurufenden Megalomaniaks ist der XEmacs. Er wird von vielen Nutzern aufgrund seiner hübscheren Menüzeile und der Iconbuttons bevorzugt. Von der Tastaturbedienung her ist er weitgehend mit seinem Vorbild identisch.

Die aktuelle Version des XEmacs (21.1.6) findet sich bei http://www.xemacs.org/.

Abbildung 2: Bunt und leistungsstark – der XEmacs

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