K-intro

KDE – und dann?

Die meisten modernen Distributionen (wie auch die beliegende Mandrake bieten Ihnen gleich nach der Installation eine grafische Benutzeroberfläche. Meist finden Sie sich so im K Desktop Environment, kurz KDE, wieder.

Wenn Sie in einem Computerladen oder einer Buchhandlung an einem Regal mit Linux-Distributionen vorbeigehen (ja, so etwas gibt's manchmal schon), dann werden Sie auf so ziemlich jeder Packung einen Aufkleber wie "includes KDE", "jetzt mit KDE 1.1.2" oder Ähnlichem finden. Offensichtlich ist dieses KDE etwas, was für Linux eine ziemlich große Bedeutung hat. Aber was ist das eigentlich?

Wenn Sie genauso spießig sind wie ich, und eine Zeitschrift ebenfalls von vorn nach hinten durchlesen, dann haben Sie bereits meinen Beitrag zum Thema "Kommandozeilen und grafische Oberflächen" gelesen. Sie wissen dann schon, dass Linux mit dem X-Window-System zwar grundsätzlich über ein sehr leistungsfähiges Fenstersystem verfügt, in der Vergangenheit aber darunter gelitten hat, dass die einzelnen Anwendungen alle unterschiedlich aussahen, unterschiedlich funktionierten und nicht zusammenspielten. Und egal, ob Sie das gelesen haben, oder nicht, Sie stimmen mir zu, dass das eine unerfreuliche Situation war. (Falls nicht, brauchen Sie jetzt eigentlich nicht weiterlesen. Suchen Sie statt dessen nach den Comics in ihrem Bücherregal ;-)

Im Oktober 1996 fand sich ein Team von Programmierern zusammen, die diese Lage nicht nur unerfreulich fanden, sondern auch etwas dagegen tun wollten, und gründeten das KDE-Projekt. Für die Abkürzung KDE kann ich Ihnen zwei Lesarten anbieten, beide gelten als richtig: entweder K Desktop Environment, wobei das K keine Bedeutung hat, oder KDE Desktop Environment, eines der im Unix-Bereich beliebten rekursiven (sprich: selbstbezüglichen) Akronyme.

Das KDE-Projekt hatte und hat zum Ziel, eine "Schreibtischumgebung" (Desktop Environment) zu schaffen, in der möglichst alle Applikationen gleich aussehen, sich gleich bedienen lassen und gut zusammenarbeiten. Dazu gehört beispielsweise, dass man ein für allemal Farbschemata einstellen kann, und alle Applikationen diese Einstellungen annehmen, dass das Hilfe-Menü nicht einmal links und einmal rechts ist, und dass man beispielsweise per Drag&Drop Dateien aus dem Dateimanager auf einen Editor ziehen kann, der sie dann öffnet und zum Bearbeiten anbietet.

Darüber hinaus sollte es überall im Projekt kontextsensitive Hilfe geben, das Internet möglichst gut in den gesamten Desktop integriert sein und natürlich das System genauso stabil und leistungsfähig sein, wie man das von Linux gewohnt ist.

Inzwischen hat das KDE-Team bereits einige Versionen herausgebracht – die letzte mit der Versionsnummer 1.1.2 trägt den namen "Kolor", und man kann sagen, dass diese Ziele erreicht wurden. Sie können mit KDE-Programmen E-Mail lesen und schreiben, im Web surfen, lokale Dateien bearbeiten, gleich ob es Texte oder Grafiken sind, und Sie können Ihren Desktop in so ziemlich jeder Hinsicht mit ein paar Mausklicks so anpassen, wie Sie das wollen. Ja, es ist sogar möglich, den Desktop so zu konfigurieren, dass beim Ziehen einer Datei auf den Papierkorb ein Klospülungsgeräusch erklingt. (Und jetzt fragen Sie mich nicht, warum gerade dieses Feature immer so beliebt ist.)

Auf dem Bildschirmfoto in Abbildung 1 sehen Sie einige der wichtigsten Bestandteile eines KDE-Desktops. Unten finden Sie das sogenannte Panel (in IBM-Deutsch Klickstartleiste, aber vergessen Sie das am besten schnell wieder). Über das Panel greifen Sie durch einen Mausklick auf wichtige Anwendungen zu. Außerdem finden Sie links das K-Menü, in dem Sie sämtliche installierten KDE-Anwendungen, eine Reihe von Nicht-KDE-Anwendungen und diverse Funktionen rund um Ihren KDE-Desktop finden. (Eine nähere Beschreibung der einzelnen Anwendungen finden Sie in der Rubrik "K-tools".) Und schließlich sehen Sie in der Mitte des Panels eine Reihe von Schaltflächen, mit denen Sie auf die einzelnen Arbeitsbereiche zugreifen können.

Abbildung 1: So könnte Ihr Desktop aussehen…

Sie können in KDE nämlich bis zu acht verschiedene Arbeitsbereiche verwenden und Ihre Fenster auf diese verteilen. Dies ist eine große Hilfe, wenn Sie (wie ich), immer mehr Fenster gleichzeitig offen haben, als Sie im Überblick behalten können. Beispielsweise können Sie einen Arbeitsbereich für Internet-Tätigkeiten wie Webbrowsen oder E-Mail-Lesen reservieren, einen für Ihre tägliche Arbeit und einen für Spiele, von denen übrigens eine ganze Reihe mit KDE mitgeliefert werden.

Ein markantes Merkmal von KDE ist die Integration mit dem Internet. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass bei KDE der Webbrowser, der Dateimanager und der das FTP-Programm eine einzige Anwendung sind. Es macht, von der Geschwindigkeit einmal abgesehen, überhaupt keinen Unterschied, ob Sie sich im Dateimanager ein Verzeichnis auf Ihrer lokalen Festplatte, irgendwo im lokalen Netz oder auf einem Internet-Server am anderen Ende der Welt ansehen. Sie können immer eine Datei per Drag&Drop auf Ihren KDE-Desktop ziehen – oder aber auf eine Anwendung, wodurch diese Datei automatisch geöffnet wird. Wenn die Datei nicht von Ihrer lokalen Festplatte kommt, wird sie automatisch heruntergeladen, was Ihnen eine Menge einzelner Arbeitsschritte erspart.

Nach diesem grundlegenden Einblick in KDE wollen Sie sicher schnell zum Wesentlichen kommen – die KDE-Anwendungen auf der nächsten Seite. Bleiben Sie dran, es lohnt sich!

Wer entwickelt eigentlich KDE?

Wenn Sie ein Weilchen mit KDE gearbeitet haben, fragen Sie sich womöglich, wer all die Arbeit in diese Software steckt, ohne dafür auch nur einen Pfennig (Rappen, Öre…) Geld zu verlangen. Es handelt sich dabei um eine Gruppe enthusiastischer Entwickler, die über die ganze Welt verteilt, aus reiner Freude am Programmieren KDE entwickeln. Das KDE-Projekt wurde ursprünglich von Matthias Ettrich, der damals Informatik an der Universität Tübingen studierte, gegründet und fand schnell viele Mitstreiter. Zu den Entwicklern gehören Studenten, professionelle Softwareentwickler und Leute, die einfach viel Spaß am Programmieren haben, auch wenn das vielleicht nicht ihr Beruf ist. Die Anerkennung der Benutzer ist den KDE-Entwicklern Lohn genug, so

abgedroschen idealistisch das vielleicht klingen mag. Allerdings hat auch schon so mancher potentielle Arbeitgeber festgestellt, dass bei KDE außerordentlich gute Programmierer mitarbeiten, und so ist schon der eine oder andere wegen seiner KDE-Mitarbeit in Lohn und Brot (oder einfach nur in eine interessantere Stellung) gekommen.

KDE-Entwickler finden Sie auf der ganzen Welt: In Deutschland, in Österreich, in Frankreich, in Spanien, in Norwegen, in Dänemark, in Schweden, in Tschechien, in den USA, in Kanada, in Argentinien, in Namibia, in Australien, und, und, und… Alle arbeiten über das Internet zusammen und organisieren sich über Mailing-Listen und verschiedene Internet-basierende Software-Tools. Zum harten Kern gehören etwa 30 Entwickler, zum etwas weicheren Kern etwa 70, und es sind insgesamt einige Hundert, die unregelmäßig etwas zu KDE beitragen. Dazu kommen natürlich die fleißigen Leute vom Dokumentations- und Übersetzungsteam, die dafür sorgen, dass es Online-Dokumentation gibt und KDE in derzeit 35 verschiedenen Sprachen verwendet werden kann.

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind und gern mitmachen würden, dann schauen Sie doch auf jeden Fall auf http://www.kde.org/ vorbei. Als KDE-Entwickler sollten Sie natürlich etwas (C++) programmieren können, aber Sie müssen bei weitem kein Topprogrammierer sein. Außerdem suchen wir immer Leute, die Dokumentation schreiben oder KDE in ihre Muttersprache übersetzen. Also: wie wär's?

Glossar

kontextsensitive Hilfe

Hilfetexte, die von der jeweiligen Situation abhängig sind, also das beschreiben, was Sie gerade machen wollen oder können.

FTP

File Transfer Protocol, ein Verfahren, um Dateien (vor allem Programmpakete) aus dem Internet (von sogenannten FTP-Servern) herunterzuladen.

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