Internetzugang über ISDN einrichten

Kisdn und Co.

Wer über ISDN ins Netz will, steht vor zwei Aufgaben: Zunächst muss das Betriebssystem ISDN unterstützen, und dann heißt es, den Zugang zu konfigurieren. Doch da sich Linux zum Glück maßscheidern lässt und mit Kisdn ein komfortables Tool zum Einrichten des Internetzugangs bereit steht, steht vor dem Surfspaß nur ein klein wenig Arbeit…

Haben Sie schon mal ISDN zu Fuß konfiguriert? Sie wissen gar nicht, was Ihnen Kisdn für eine Arbeit abnimmt. Wenn Sie es das dritte Mal gemacht haben, sind Sie nach 30 Sekunden online.

Aber für´s Erste konfigurieren wir gemeinsam… Als erstes brauchen Sie natürlich das kisdn-Paket. Sollte es bei Ihrer Distribution nicht dabei sein, so können Sie sich kisdn von www.millennium.org downloaden. Sie werden dann menügeführt zu dem zu Ihnen passenden Paket geführt. Für dort nicht aufgeführte Distributionen sollten Sie auf der Homepage Ihres Distributors nachsehen. Wer dort nicht die aktuellsten Versionen findet, muss leider ein wenig suchen. Mein erster Anlaufpunkt in solchen Fällen ist meistens ftp.gwdg.de.

Als nächstes heißt es tief durchatmen, denn jetzt müssen wir wohl noch Ihren Kernel ein bisschen umbauen, aber keine Angst, das geht ganz fix (Kasten "Wir bauen unser eigenes Betriebssystem").

Abbildung 1: Mit diesem Menü bringen Sie Ihrem Linux ISDN bei

Wir bauen unser eigenes Betriebssystem

Zum Kompilieren eines neuen Betriebssystemkerns mit ISDN-Unterstützung wechseln wir ins Verzeichnis /usr/src/linux. Wenn da überhaupt nichts ist, dann sollten Sie besser erst mal den Quellcode für den Kernel installieren. Das Paket, in dem er sich verbirgt, heißt z.B. linux-2.2.12.tar.bz2 wenn Sie die Quellen von www.kernel.org holen. Zum Auspacken benötigen Sie außer dem gängigen tar-Programm noch bzip2, ein neueres Komprimierungstool, das bei Ihrer Distribution bestimmt auch dabei ist. Einfacher ist es, die mitgelieferten Kernelsourcen zu verwenden und mit dem Paketmanager der Distribution (z.B. rpm) zu installieren. Bei Red Hat heißt das Paket beispielsweise kernel-2.2.5-15de.src.rpm.

Wenn das erledigt ist, tippen Sie als root make menuconfig. Wenn Sie wollen, stattdessen auch make xconfig, das ist ein bisschen bunter und vor allem Geschmackssache. Ich gehe hier von make menuconfig aus, da es am stabilsten funktioniert. Jetzt gehen Sie in der erscheinenden Oberfläche zum Menüpunkt ISDN Subsystem. Hier gibt es erstmal nur eine einzige Option:

< > ISDN subsystem

Wenn Sie diese mit der Leertaste selektieren, werden es schlagartig mehr: Ihr Bildschirm jetzt aus wie in Abbildung 1. Aber keine Angst, das Fachchinesisch kriegen wir auch noch aufgedröselt.

Selektieren Sie mit der Leertaste alles, was im Screenshot auch selektiert ist – mit einer Ausnahme: Wenn Sie nicht zufällig die gleiche AVM-Karte haben wie ich, wählen Sie statt dieser Ihre Karte aus. Dabei kann ich Ihnen leider nicht helfen. Schauen Sie daher auf die Verpackung, ins beiliegende "Handbuch", und suchen Sie die bestmögliche Übereinstimmung zu den Punkten, die Sie am Bildschirm sehen.

Jetzt ein make dep clean bzImage modules modules_install, und fertig ist der neue Kernel.

Sofern Sie noch einen 2.0.x-Kernel verwenden (was bei nicht ganz aktuellen Distributionen der Fall ist), können die Namen der Menüpunkte etwas abweichen. Ich schlage ein Update vor. Sollten Sie eine Meldung in der Art System too big... erhalten, dann müssen Sie leider darangehen, mehr Kernelmodule anstatt fest eingebundener Treibern zu verwenden, das heißt, soviel wie möglich <*> durch <M> ersetzen. (Aber um Himmels willen nicht den Treiber für Ihre Festplatte, also für IDE oder SCSI, die Sie in anderen Menüpunkten finden…)

Nun wird es ein bisschen spannend. Wir stellen am besten erstmal sicher, dass nichts schief gehen kann, wenn Sie den neuen Kernel installieren. Schauen Sie sich die Datei /etc/lilo.conf an. Darin sollten Sie Zeilen finden, die so ähnlich wie die folgenden aussehen:

image = /boot/sound/bzImage
root = /dev/sdc1
label = test

Es geht darum herauszufinden, wo Ihr derzeitiger Kernel wohnt: bei mir beispielsweise im Verzeichnis /boot/sound. Bei Ihnen kann das auch / sein. Wenn das der Fall ist, erstellen Sie ein Verzeichnis /boot. Nun dürfen wieder alle mitspielen. In /boot erzeugen Sie ein weiteres Verzeichnis, z.B. isdn.

Jetzt wechseln Sie wieder nach /usr/src/linux. Von dort kopieren Sie die Datei System.map nach /boot/isdn. Mit cd arch/i386/boot kommen Sie von /usr/src/linux dahin, wo unser neuer Kernel namens bzImage liegt. Der wird jetzt auch nach /boot/isdn kopiert.

Nun erstellen wir dafür einen Eintrag in /etc/lilo.conf. Schreiben Sie hinter den bestehenden Eintrag

#
image = /boot/sound/bzImage
root = /dev/sdc1
label = test

folgende Zeilen:

#
image = /boot/isdn/bzImage
root = /dev/sdc1
label = isdn

Beachten Sie dabei, dass beide root-Zeilen identisch sind – wobei Ihre beiden vermutlich nicht mit meinen übereinstimmen werden.

Speichern Sie die Datei ab, und rufen Sie beherzt lilo auf. Was sagt dieses Installationsprogramm für Ihren Bootloader? Wenn er

added <ihr altes label>
added isdn

sagt, ist alles gut. Nun bestimmen Sie mit lilo -R isdn noch, dass Ihr Rechner beim nächsten Booten den neuen Kernel ausprobiert. Beim übernächsten Reboot fährt wieder Ihr alter Kernel hoch. So haben Sie immer ihren funktionierenden Kernel, wenn etwas schief geht.

So, tief Luft holen, und dann booten wir den neuen Kernel.

Wenn der neue Kernel läuft und Sie ihn von da an immer booten wollen, vertauschen Sie die beiden Blöcke in /etc/lilo.conf und rufen lilo auf. Ihr neuer Kernel kommt dann nach vorne und wird automatisch gebootet, wenn Sie nichts anderes sagen.

Wenn Sie hier sehr unsicher sind, sollten Sie die Hilfe eines erfahreneren Linuxers in Anspruch nehmen. Selbstgebaute Kernel sind leider nicht so ganz unproblematisch, wenn etwas schief geht…

Sobald unser Betriebssystem von Haus aus ISDN unterstützt, geht es an die Konfiguration des Internetzugangs mit kisdn. Installieren Sie das Paket als root (z.B. rpm -i kisdn-1.0.1.i386.rpm bei SuSE, Red Hat und Verwandten, möglicherweise gibt es schon wieder eine neuere Version, wenn Sie dies lesen), und gleich geht es auf der Überholspur der Datenautobahn ins Netz.

Bevor wir kisdn das erste Mal starten können, müssen wir zuerst einmal kcmkisdn aufrufen und die Grundkonfiguration erstellen.

Abbildung 2: kcmkisdn macht die ISDN-Konfiguration zum Kinderspiel

Unter dem Flag Zugang gibt es einen Button Auswählen. Damit versuchen wir zuerst mal, Ihren Provider in der vorzüglichen Kisdn-Datenbank zu finden.Vermutlich steht er drin. Also noch Username und Passwort eintragen. Ansonsten müssen Sie mit dem Button Neu Ihre Providerdaten eingeben. Die Felder in der daraufhin aufgehenden Maske sind wirklich selbsterklärend.

Abbildung 3: Ihr Internetzugang wird eingerichtet

Bei ISP gehören Providername und Telefonnummer hin. Die voreingestellten Parameter können Sie übernehmen, wie sie sind. Unter dem Reiter DNS tragen Sie die Domain und die Adresse Ihres Nameservers ein. Diese Daten erhalten Sie von Ihrem Provider. Bei Auth ist Ihr Loginname beim Provider und das Passwort gefragt. Das war es auch schon in diesem Feld. Wenn Sie sich unschlüssig sind, wonach hier gefragt wird – schauen Sie doch im Kppp-Artikel im Anschluss an diesem nach.

Nun wartet das Feld Allgemein auf uns. Wenn sie eine Vorwahl verwenden müssen, tragen Sie diese dort ein. Das vorgegebene D Kanal Protokoll Euro ISDN EDSS1 dürfte wohl richtig sein. ipppd path gibt den Pfad an, wo auf Ihrem System das Programm ipppd zu finden ist. Das sollte /sbin/ipppd oder /usr/sbin/ipppd sein – kontrollieren Sie das bitte. modprobe path ist analog zum vorhin eingetragenen ipppd path der Pfad zum Programm modprobe.

Kommen wir zum nächsten Feld namens Treiber. Beim ISDN Adapter Typ suchen Sie Ihre Karte aus der Liste der unterstützten Karten. Bei einer PCI-Karte war es das. Bei anderen Karten müssen sie entweder die gejumperten Einstellungen eintragen oder die Programme pnpdump und isapnp bemühen, die Einstellungen zu ermitteln. Aber keine Angst, auch das kriegen wir hin – lesen Sie den Kasten "pnpdump und isapnp".

pnpdump und isapnp

ISA-PnP-Karten sind leider nicht gerade die unproblematischste Hardware seit der Erfindung der PCs. Das ROM enthält auf Karten, die nicht zur Bootzeit gebraucht werden, oft nur wenig Sinnvolles (und das ist bei ISDN-Karten leider häufig der Fall). Die notwendigen Informationen packt der Hersteller meist in einen Windowstreiber, mit dem Linuxanwender nunmal nicht viel anfangen können.

Mit dem Programm pnpdump können Sie immerhin das kleine ROM der PNP-Karten auslesen. Bei meiner Red Hat oder der beiliegenden Mandrake befindet es sich im RPM-Archiv isapnptools-1.18-2.i386.rpm und lässt sich mit rpm -i isapnptools-1.18-2.i386.rpm installieren. Andere Distributoren nennen das Paket ähnlich.

Um das ROM Ihrer ISA-PnP-Karte(n) auszulesen, rufen Sie

pnpdump > /etc/isapnp.conf

auf. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Die Ausgabe von pnpdump finden Sie nämlich in der Datei /etc/isapnp.conf. Die bearbeiten Sie jetzt mit den Editor Ihrer Wahl.

Suchen Sie nach dem Begriff ANSI string. Dahinter sollte irgendwie erkennbar sein, dass die erkannte Karte Ihre ISDN-Karte ist. Bei mir sieht das so aus:

# ANSI string -->speed win SEDLBAUER AG<--

Wenn Sie die Stelle gefunden haben, wird es spannend. Es gibt verschiedene Blöcke, die so ähnlich wie der folgende aussehen:

# (IO 0 (SIZE 8) (BASE 0x0100) (CHECK))
#       IRQ 5.
#             High true, edge sensitive interrupt (by default)
# (INT 0 (IRQ 5 (MODE +E)))

Die müssen Sie der Reihe nach durchprobieren, indem Sie die einführenden # jeweils vor den Zeilen

(IO 0 (SIZE 8) (BASE 0x0100) (CHECK))

und

(INT 0 (IRQ 5 (MODE +E)))

entfernen.

Danach rufen Sie isapnp /etc/isapnp.conf auf und achten auf die Meldungen. Wenn der Treiber erfolgreich geladen wurde, teilt er es Ihnen mit, andernfalls auch. Dann fängt das Spiel mit einem neuen Block leider von vorne an…

Wenn Sie die passenden Einstellungen gefunden haben, geht es darum, das isapnp-Programm beim Booten mit dem Parameter /etc/isapnp.conf aufzurufen. Hier haben die meisten Distributoren vorgearbeitet: Bei Mandrake und Red Hat hängt es von der Existenz der /etc/isapnp.conf-Datei ab, ob das Boot-Skript /etc/rc.d/rc.sysinit das Betriebssystem über die PnP-Karte informiert und der PnP-Karte mitteilt, auf welchen Adressen sie auf Anweisungen zu warten hat. Bei SuSE steht ein ähnlicher Aufruf vorgefertigt in /etc/rc.d/boot.

Um nun zu testen, ob alles geklappt hat, rufen Sie aus einem Xterm, einem Kvt oder einem anderen Kommandozeilenfenster kisdn & auf. Jetzt sollte Ihr Bildschirm ungefähr wie in Abbildung 4 aussehen.

Abbildung 4: Und jetzt nur noch wählen lassen…

Im oberen Teil des Fensters ist Ihr Provider schon selektiert, so Sie nicht mehrere haben. Ansonsten haben Sie jetzt die Qual der Wahl. Durch einen sanften Druck auf die Weltkugel sollten Sie jetzt ins Internet katapultiert werden.

Ganz nebenbei bietet Kisdn auch noch einige Informationen über Ihre derzeitige Verbindung an. Besonders interessant ist dabei Ihre derzeitige IP-Adresse. Da die für dynamischen IP-Adressen bei jeder Einwahl anders sein kann, ist das eine Information, an die sonst eher schwer heranzukommen ist. Wer allerdings mit dem Gedanken spielt, Benutzern anderer Internetrechner während seiner Onlinezeit Zugang zum eigenen Rechner zu gewähren – in Form eines persönlichen Webservers beispielsweise –, kommt um dieses Wissen nicht herum.

Glossar

Kernelmodule

Gerätetreiber, die nur bei Bedarf geladen werden.

ROM

"Read Only Memory"; Speicherbausteine, in denen die Information fest und nicht veränderbar enthalten ist.

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