Brot und Spiele

Gamezone

01.12.1999
Spiele für Linux? Gibt es die denn überhaupt? Ja, und zwar mehr als Mancher vermuten mag. Wir bieten an dieser Stelle einen Überblick über die beliebtesten Spiele und zeigen Wege aus dem Installationsirrgarten.

Immer mehr Spielehersteller portieren ihre Produkte auch nach Linux. Bei der amerikanischen Software-Schmiede idSoftware ist es schon fast Tradition, die Linux-Versionen der berühmt-berüchtigten Quake-Reihe [1] gleichzeitig mit der Windows-Version herauszubringen. Und die Firma LokiGames wurde ausschließlich gegründet, um alle möglichen Windows-Spiele für Linux verfügbar zu machen (siehe Kasten "LokiGames").

Wer sich auch mit weniger ausgefeilten Programmen zufrieden gibt, kann bei einem der vielen freien Projekte fündig werden. Fast alle Distributionen bringen schon einige Spiele mit, die meisten davon sind aber nicht viel aufwendiger als Minesweeper oder Solitär. Sie entstanden oft aus Jux (xbill [2]) oder sind von einer Programmierübung zum vollständigen Programm weiter entwickelt worden. Im Gegensatz dazu gibt es aber auch geplante Projekte mit einem festgesteckten Ziel, wie zum Beispiel das FlightGear-Projekt, das aus Verdruss über die Nachteile kommerzieller Spiele entstand. Diese Open-Source-Projekte haben nicht nur den Vorteil, das sie kostenfrei zur Verfügung gestellt werden – es kann sich auch Jeder daran beteiligen oder eigene Vorschläge zur Verbesserung machen.

Leider ist die Installation eines Linux-Spiels meist sehr komplex und für Einsteiger selten durchschaubar. Deshalb finden Sie hier zu jedem ausführlich vorgestellten Spiel eine Installationsanleitung, die speziell auf die Heft-CD zugeschnitten ist.

Das Internet ist natürlich immer die beste Quelle, um an die neuesten Spiele zu kommen; happypenguin.org [3] und LinuxGames.com [4] eignen sich gut als Startpunkt. In der Tabelle am Ende dieses Artikels finden Sie noch einige Anregungen.

Civilization – Call to Power

Über die Welt zu herrschen – wer träumt nicht manchmal davon? Es mag zwar ein Traum sein, doch jetzt lässt er sich im Computerladen kaufen und auf dem heimischen Rechner ausleben. Gegen bis zu acht vom Computer gesteuerte Völker muss man dabei antreten und versuchen, die eigene zur führenden Nation zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen müssen Erfindungen gemacht, Straßen gebaut und Kriege geführt werden, fast wie im echten Leben. Skrupellosere Gemüter können sich der Spionage bedienen und Attentäter und Saboteure gegen die feindlichen Festungen aussenden.

Abbildung 1: Eine blühende Zivilisation

Das rundenbasierte Spiel beginnt thematisch im Jahr 4000 v.Chr. und endet ungefähr 2500 n.Chr., danach gibt es keine neuartigen Technologien mehr zu erforschen. 40 Stunden kann es schon dauern, bis man seine Zivilsation so weit gebracht hat. Wer es eiliger hat und allein mit einer Handvoll Streitwagen die Welt erobern will, kann auf das eingebaute Cheat-Tool zurückgreifen.

Abbildung 2: Aller Anfang ist schwer

Es war Sid Meiers größter Erfolg – über 2,5 Mio. Mal verkauften sich die beiden ersten Teile des Strategieklassikers, das auf dem gleichnamigen Brettspiel von Avalon Hill beruht. Klar, dass LokiGames sich den dritten Teil nicht entgehen lassen wollte. Ab Mai 1999, kurz nach dem Erscheinen der Windows-Version, konnten dann auch Linuxer mit Civilisation 3 die Nächte durchzocken.

LokiGames

LokiGames [5] wurde 1998 gegründet, um die Bestseller unter den Computerspielen nach Linux zu portieren. Damit waren sie die Ersten, die Support für ihre Produkte und eine echte Vertriebsstruktur bieten konnten – ein Service, der in vielen Bereichen der Linux-Software noch nicht vorhanden war. Trotz des kommerziellen Touchs ist man sich bei LokiGames bewusst, dass Linux Open-Source ist, genauso wie der Großteil der Linux-Software. Aus diesem Grund werden auch viele Programme und Tools, die im Laufe der Portierungen entstanden, wieder im Quellcode der Öffentlichkeit zugänglich gemacht [6].

Bis jetzt stehen schon vier Spiele von Loki in den Verkaufsregalen (Civilization III, Myth II, Eric's Ultimate Solitaire und Railroad Tycoon II), und weitere sind geplant, darunter der Verkaufsschlager Starcaft. Wer Wünsche oder Vorschläge für weitere Portierungen hat, kann sich an die eigens dafür ins Leben gerufene Newsgroup wenden [7].

FlightGear

Hobbyflieger aufgepasst: Wer einen Flugsimulator sucht, der bis ins kleinste Dateil konfigurier- und erweiterbar ist, der sollte sich das Open-Source-Projekt FlightGear näher anschauen. Die komplette Erdoberfläche liegt in Scenario-Dateien vor und kann natürlich auch kostenlos heruntergeladen werden [8]. Die Homepage des Projekts bietet außerdem noch Tipps für Flugrouten und Dokumentation zum Programm.

Abbildung 3: Lichte Höhen…

An bestimmten Stellen spürt man leider sehr deutlich, dass der Simulator noch in der Entwicklungsphase steckt. Die Wolken fangen manchmal an zu flackern, und es gibt zur Zeit nur wenige verschiedene Texturen. Wer sich davon nicht abhalten lässt, bekommt einen sehr stabil laufenden Flug-Simulator, der sicherlich noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen ist.

Abbildung 4: … und tiefe Täler

Die Installation läuft mit der Heft-CD fast problemlos, lediglich das Paket gpclib.tar.gz sollten Sie sich herunterladen und installieren. Mit

wget ftp.linux-magazin.de/pub/devel/gpclib.tar.gz

holen Sie sich die Datei aus dem Internet ins aktuelle Verzeichnis und entpacken das Archiv mit

tar xzvf gpclib.tar.gz

Mit cd gpclib wechseln Sie ins entstandene Unterverzeichnis, kompilieren mit make, loggen sich mit su als root ein und installieren mit make install. exit entlässt Sie wieder in Ihren Status als normaler User, und zu guter Letzt löschen Sie das gpclib-Verzeichnis: rm -rf gpclib. Danach können Sie fortfahren wie auf http://www.FlightGear.org/ beschrieben.

Wenn alles installiert ist, starten Sie das Programm am besten aus einem auf volle Fenstergröße maximierten Terminalfenster, und zwar mit dem Befehl

runfgfs --enable-mouse-pointer

Das ermöglicht es dem Programm, den Mauszeiger leichter "einzufangen".

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