SuSE Linux

SuSE Linux 6.2 sollten eher sowohl PC- als auch Linux-erfahrene Anwender einsetzen. Die Installationsfragen des Systemverwaltungs- und Installationstools YaST sind für Anwender ohne Linux-Kenntnisse zuweilen doch etwas verwirrend, und auch die Standardinstallation dauert mit ungefähr zwei Stunden relativ lange. Für erfahrene Benutzer ist es anschließend kein Problem, mit Hilfe des Tools SaX oder XF86Config die Grafiktreiber zu installieren. Um immer mit einer grafischen Oberfläche starten zu können, muss der Anwender zusätzliche Einstellungen in den YaST-Menüs susewm und Login-Konfiguration vornehmen.

Abbildung 10: YaST

Die Paketauswahl ist etwas kompliziert und erfordert wiederum Fortgeschrittenenkenntnisse. YaST ist sehr umfangreich, was einem erfahrenen Benutzer natürlich entgegenkommt. Allerdings führen die vielen Möglichkeiten auch zu einer gewissen Unübersichtlichkeit, und die Text-orientierte Oberfläche wirkt nicht sehr ansprechend. Dafür deckt YaST im Prinzip alle Wünsche des Systemverwalters ab. Es ist auch sehr interessant zu beobachten, wie YaST bei Änderungen der Systemeinstellungen sofort die entsprechenden Einträge in die erforderlichen Systemdateien vornimmt, dies wird allerdings lästig, wenn man gar nichts ändern und einfach nur abbrechen will.

Sehr lobenswert ist das sehr ausführliche Handbuch, das genau wie YaST in deutscher Sprache vorliegt.

Ute Hertzog

muLinux

SuSE Linux bringt es auf sechs CDs, wie schafft es muLinux da, mit einer einzigen Diskette auszukommen? Die Lösung ist einfach: Beschränkung auf das Notwendige, Verzicht auf viele der größeren (GNU-)Tools oder ihre Neuentwicklung unter dem Aspekt geringsten Platzbedarfs. Für den Grundbetrieb nicht unbedingt Erforderliches wurde auf drei Zusatzdisketten ausgelagert, deren Existenz das schlichte, aber funktionale Setup-Programm gegebenenfalls berücksichtigt.

Das aktuelle muLinux 6.4 eignet sich besonders für drei Einsatzgebiete:

  • Nutzung eines alten 80386ers oder 80486ers als einfachen Zweitrechner oder als robusten Mail-/News-/Fax-Server bzw. Internet-Firewall im Intranet oder zu Hause,
  • Kennenlernen grundlegender Linux-Konzepte anhand einer sehr kleinen, dadurch übersichtlichen Distribution, Erlernen der Shellskript- oder C-Programmierung,
  • als Notfall-Start- und -Reparatur-Diskette mit vielen Netzwerk-Tools und Hilfsprogrammen.

Einen gewissen Komfort erzielt, wer die X11-Zusatzdiskette einspielt: Neben der Auswahl zwischen drei praktischen Windowmanagern findet sich hier zum Beispiel ein übersichtlicher Dateimanager oder auch der grafische Webbrowser chimera, der doch etwas mehr zeigt als das textorientierte lynx-Programm von Diskette #1.

Selbst die "Killerapplikation" VNC fehlt nicht und erlaubt beispielsweise den Zugriff auf Windows-Systeme vom muLinux-Rechner aus oder umgekehrt.

Weniger sinnvoll ist es, muLinux zu installieren, um es nach und nach zu einer "richtigen" Linux-Installation auszubauen: Dies wird recht mühsam, da bei muLinux natürlich aus Platzgründen viele Programme weggelassen wurden, die man sich eigentlich wünscht (zum Beispiel verwendet es eine sehr rudimentäre Kommandozeilen-Shell). Hierfür empfiehlt sich eher die Installation einer großen Distribution, die ja erstmal ohne grafische Oberfläche erfolgen und nach Wunsch ausgebaut werden kann…

Karl-Heinz Zimmer

Woher nehmen?

Distribution Aktuelle Version (Änderungen vorbehalten) Nähere Informationen unter Umfang der kommerziell vertriebenen Version Vertrieb Preis Lizenz FTP-Download Umfang des FTP-Downloads
Caldera OpenLinux 2.3 http://www.caldera.de/ oder http://www.calderasystems.com/ (englisch) 3 CDs, Bootdiskette, Handbuch, Installationssupport, Sonderangebot PartitionMagic http://www.linuxland.de/, Buchhandel 98,-- DM Open Source, kommerzielle Addons unterschiedlich ftp://ftp.calderasystems.com/pub/OpenLinux/2.3/ 1 CD
Debian GNU/Linux 2.1 (slink) http://www.debian.org/ ca. 4 CDs, variiert je nach Distributor http://www.debian.org/distrib/vendors.de.html 30--40 DM Open Source http://www.debian.org/distrib/ftplist komplett
EasyLinux 1.2 http://www.eit.de/de/easylinux.html 2 CDs, Handbuch, Installationssupport, Anwender-Mailingliste, Web-Forum "User helfen Usern", zusätzlicher Support gegen Gebühr möglich http://www.linuxland.de/ 89,- DM teilweise Open Source, Installationsprogramm (noch) nicht, Kopien der Installations-CD dürfen weitergegeben, jedoch nicht verkauft werden, bei Fremdsoftware unter anderen Lizenzen (CD 2) teilweise mehrfache Installation untersagt ab Dezember 1999 Vollversion (Fremdsoftware, soweit durch Lizenzen gestattet), Support über Mailingliste und Web-Forum
Halloween IV http://www.ixsoft.de/software/products/IXHL0400CD.html 6 CDs, Minihandbuch, Installationssupport über Anwender-Mailingliste und per E-Mail http://www.lob.de/ 39,- DM Open Source mit Ausnahme von Fremdsoftware unter anderen Lizenzen, davon abgesehen darf gesamtes Paket kopiert und an andere weitergegeben/verkauft werden geplant noch unklar
Linux Mandrake 6.1 http://www.linux-mandrake.com/ 6 CDs, 2 Handbücher, Installationssupport Buchhandlungen, Lehmanns (http://www.lob.de/) 99,- DM Open Source, kommerzielle Software und Demos (CD 5+6) ausgenommen http://www.linux-mandrake.com/, Heft-CD 2 CDs
muLinux 6.4 http://sunsite.auc.dk/mulinux/ nur Download vollständig GPL http://sunsite.auc.dk/mulinux/ 1 bis 4 Disketten
Red Hat Linux 6.1 http://www.redhat.com/ 3 CDs, 2 Handbücher, Installationssupport Buchhandlungen, diverse Websites 89,- DM CD 1+2 Open Source, CD 3 kommerziell ftp://ftp.redhat.com/ CD 1+2
Slackware 4.0 http://www.slackware.org/ 4 CDs Walnut Creek (http://www.cdrom.com/) Buchhandel, Walnut Creek Open Source ftp://ftp.cdrom.com/ komplett
Stampede GNU/Linux 0.9 http://www.stampede.org/ 1 CD http://www.cheapbytes.com/ 1,99 US$ Open Source http://www.stampede.org/mirrors.php3 komplett
SuSE Linux 6.2 http://www.suse.de/ 6 CDs, Handbuch, Installationssupport Buchhandel, http://www.suse.de/ u.a. 98,-- DM Open Source, gesonderte Lizenzen für YaST und kommerzielle Addons, Distribution darf nicht gegen Entgelt vervielfältigt werden, ohne Zustimmung dürfen keine vervielfältigten CDs in Umlauf gebracht werden ftp://ftp.suse.com/pub/SuSE-Linux/ 5 CDs

Glossar

Skripte

Kleine Programme, die sofort ausgeführt werden können, ohne dass ein Compiler bemüht werden muss.

Editor

Ein Programm zum Erstellen und Bearbeiten von purem Text, nicht zu verwechseln mit Textverarbeitungsprogrammen, die zusätzlich noch Formatierungsinformationen abspeichern und das meist in einem für Menschen unlesbaren Binärformat tun.

Compiler

Der Übersetzer, der (meist) von Menschenhand in einer Programmiersprache wie C geschriebenen Programmtext nimmt und in ein für den Rechner verständliches Binärformat umwandelt.

libc5

Die C-Bibliothek libc stellt lebenswichtige Funktionen für die auf Ihrem Linuxrechner installierten Programme bereit. Die meisten Distributionen haben in letzter Zeit von libc5 auf eine aktuelle libc6-Version umgestellt.

tgz

Ursprünglich als Archivierungsformat für Dateien auf Bändern ("Tapes") gedacht, wird tar, der "Tape Archiver", heute auch zum Zusammenfassen vieler Dateien in einer Datei verwendet. Solchermaßen zusammengefasste Archive haben unter Unix meist die Endung .tar; wird das Archiv nachträglich noch mit dem Packer gzip gestaucht, die Endung .tgz oder .tar.gz.

Paketformat

Programme und Programmsammlungen werden bei den heutigen Distributionen in sogenannten Paketen ausgeliefert. Diese Pakete beinhalten neben den eigentlichen lauffähigen Programmen auch Informationen zur Installation, zu anderen benötigten Paketen und zur sauberen De-Installation. Das wohl bekannteste und verbreiteste Paketformat, RPM, beherrscht diese Funktionen ebenso wie das Paketformat der Debian-Distribution. Slackwares tgz kann jedoch nur einen Bruchteil dieser Funktionalität bieten.

Abhängigkeiten

Viele Software-Programme sind auf das Vorhandensein anderer Programme und/oder Bibliotheken (spezialisierter Sammlungen von vorkompilierten Hilfsmodulen, die während des Ablaufs aufgerufen werden) angewiesen. Wenn solche Abhängigkeiten nicht erfüllt sind, funktionieren sie nicht korrekt oder gar nicht.

Mailinglisten

In der Verteilerliste eines List-Servers zusammengefasste Gruppe von E-Mail-Teilnehmern, die miteinander Nachrichten austauschen, indem sie die jeweilige Mail an den Server senden, der sie an alle weiterverteilt.

Mirror

Ein Rechner, der den Inhalt wichtiger FTP- oder Web-Server "spiegelt" und der Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Auf diese Art und Weise wird die Belastung des Original-Servers reduziert.

HOWTO

Texte, die beschreiben, wie etwas geht oder gemacht wird. HOWTOs existieren im Linuxumfeld für beinahe Alles oder Jedes und werden von fast allen Distributionen zumindest auf Englisch auch mitgeliefert. Auf Deutsch vorliegende HOWTOs finden Sie unter http://www.tu-harburg.de/~semb2204/dlhp/HOWTO/DE-HOWTO-3.html.

Binaries

Die zumeist in einer sogenannten höheren Programmiersprache (unter Linux meist C oder C++) entwickelten Computerprogramme müssen, um gestartet werden zu können, in die Maschinensprache des entsprechenden Rechners übersetzt werden. Normalerweise sucht man hierzu auf Intel-kompatiblen Systemen den kleinsten, gemeinsamen Nenner und generiert auf 80386er Prozessoren abgestimmte Binär-Programme. Die erweiterten Möglichkeiten der heute üblichen Pentium-Prozessoren werden dabei bewusst vernachlässigt, um die Lauffähigkeit auch auf älteren Computern zu gewährleisten.

VNC

Das Konzept des Virtual Network Computing ermöglicht (ähnlich wie das auf Windows beschränkte PC anywhere) die "Fernsteuerung" eines anderen Rechners im LAN oder Internet, indem die darzustellenden Bildschirminhalte zum Steuerrechner her und die Tastendrücke oder Mausereignisse zum fernen Rechner hin gesendet werden. Die Homepage des Projekts finden Sie unter http://www.uk.research.att.com/vnc/index.html.

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