Distributionen wie Sand am Meer oder:

Warum es kein Linux 6.2 gibt

Wer damit liebäugelt, Linux auszutesten, dem schwirren alsbald die Ohren vor lauter Versionsnummern. Dann tönt das rechte Ohr vor lauter "SuSE", das linke vor "Red Hat", da ist von "Distributionen" und "Kernel" die Rede, und dabei wollte man doch nur Linux! Schon hier stellt man fest, dass im Linuxuniversum die Begriffswelt eine andere ist. Der folgende Artikel bringt Licht in den Begriffsdschungel und gibt Entscheidungshilfen für den Einstieg.

Anfang der 90er Jahre hatte der finnische Student Linus Torvalds die gute Idee, ein Unix-artiges Betriebssystems zu programmieren, das allerdings nicht auf teuren Workstations sondern auf seinem Privat-PC daheim laufen sollte. Die Programmquelltexte des von ihm entwickelten – zu Anfang noch sehr rudimentären – Betriebssystemkerns, Kernel genannt, veröffentlichte er im Internet. Die dadurch angefachten Diskussionen mit anderen Programmierern führten bald dazu, dass Linus sein Werk unter die GNU General Public License (http://www.gnu.org/) der Free Software Foundation (http://www.fsf.org/) stellte, eine Lizenz, die einerseits die Modifikation eines Programms durch Andere erlaubt, anderseits jedoch fordert, dass alle hieraus entstehenden Programme ebenfalls unter die GPL gestellt und ihre Quellen öffentlich zugänglich gemacht werden. Damit soll verhindert werden, dass jemand Teile eines GPLten Programmes nimmt, in eigene Software einbaut und ggf. teuer verkauft, ohne der Allgemeinheit wieder etwas zurückzugeben.

Diese Lizenz und der Boom des Internets hatten zur Folge, dass sich viele Programmierer Linus' Projekt ansahen, Verbesserungsvorschläge machten und Teile der Weiterentwicklung und Ergänzung um wichtige Komponenten in die Hand nahmen. Koordiniert von Linus geschieht die Entwicklung des Kernels auf zwei Ebenen: Zum einen werden von den beteiligten Kernel-Hackern kontinuierlich Verbesserungen, neue Module und Fehlerbehebungen eingepflegt, die in häufigen Abständen zu einer neuen Kernelversion führen. Diese Entwicklerkernel tragen Versionsnummern mit ungerader zweiter Ziffer, etwa nach dem Schema 2.1.32, wohingegen die gesondert veröffentlichten, stabilen Anwenderkernel gerade Ziffern an der zweiten Stelle haben, etwa 2.2.9.

Was ist ein Kernel?

Als Linuxneuling sind Sie gut beraten, um Entwicklerkernel einen großen Bogen zu machen, da diese oftmals Funktionen enthalten, die noch nicht genügend getestet wurden, um für die Allgemeinheit tauglich zu sein. Eines sollten Sie sich jetzt schon für später, nach Ihrer Linux-Installation, merken: Die Versionsnummer des von Ihnen verwendeten Kernels gibt das Kommando uname -r aus. Diese Zahl sollten Sie bitte immer nennen, wenn Sie andere Leute oder Firmen um Hilfe ersuchen.

Die Hauptaufgaben des Kernels liegen in der Verwaltung des Arbeitsspeichers und der Durchführung des Multitasking. Hierbei wird mehreren Programmen abwechselnd Prozessorzeit zugeteilt, sodass der Eindruck entsteht, diese liefen "gleichzeitig" ab. Allgemein gesagt stellt der Kernel die Schnittstelle zu Ihrer Hardware dar, allerdings eine recht abstrakte Schnittstelle, die zwar für Programmierer interessant ist, der man aber als Anwender noch nicht einmal sagen kann, dass man jetzt Daten auf die Festplatte speichern möchte.

Die Schale um den Kern: Die Shell

Zum Aufruf von Betriebssystembefehlen, dem Start von Programmen und der Automatisierung von Abläufen über sogenannte Skripte ist als erstes Programm neben dem Kernel ein sogenannter Kommandozeileninterpreter (die Shell) erforderlich, wobei unter Linux meist die bash ("Bourne Again Shell") eingesetzt wird.

Weitere wichtige Hilfsprogramme werden unter dem Sammelbegriff GNU-Tools zusammengefasst: Hierbei handelt es sich um so wesentliche Programme wie tar (das Archivierungsprogramm unter Unix/Linux), den Allround-Editor emacs, den unverzichtbaren C-Compiler gcc und viele andere Programme und Progrämmchen, die im alltäglichen Betrieb eines Linuxsystems im Hintergrund ihren Dienst verrichten, manchmal ohne dass der Anwender überhaupt um ihre Existenz weiß.

Obwohl der Begriff Linux streng genommen nur den Betriebssystemkern bezeichnet, steht er umgangssprachlich meist für die Gesamtheit der zum Betrieb erforderlichen Programme. Manche sprechen hier auch von GNU/Linux, um daran zu erinnern, dass der Kernel allein eben nicht ausreicht.

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