Das neue Linux-Subsystem von Windows 10

Windows 10 mit Linux-Support

Microsoft bietet für aktuelle Windows-10-Versionen die Einrichtung eines Linux-Subsystems an: Dadurch landet wahlweise ein OpenSuse- oder Ubuntu-System auf Ihrer Windows-Installation. Wir verraten, was Sie damit anfangen können.

Wer Linux-Tools unter Windows verwenden wollte, hatte bisher zwei Möglichkeiten: ein vollständiges Linux in einer virtuellen Maschine (z. B. mit VirtualBox oder VMware) installieren oder Cygwin nachinstallieren, das auf Windows portierte Fassungen vieler beliebter Linux-Anwendungen enthält. Beide Varianten haben wir schon öfter in Workshops beschrieben [1,2].

Seit dem Windows Creators Update für Windows 10 bietet Microsoft auch direkten Support für Linux-Anwendungen – um ihn zu nutzen, müssen Sie nur das neue Linux-Subsystem aktivieren und über den Microsoft Store wahlweise Ubuntu oder OpenSuse installieren. Für 32-Bit-Installationen von Windows ist das Subsystem übrigens nicht verfügbar; es muss ein 64-Bit-Windows sein, und die später installierten Linux-Versionen sind auch 64-bittig. Laut einem Blog-Post vom Mai 2017 arbeitet das Team auch an Support für die Fedora-Distribution; bisher ist im Microsoft Store aber keine Fedora-App verfügbar.

Windows Creators Update

Um das neue Subsystem nutzen zu können, brauchen Sie das Windows 10 Creators Update – auf älteren Windows-10-Versionen lässt sich zwar aus dem Microsoft Store ein Linux-System herunterladen, es funktioniert dann aber nicht. Prüfen Sie zunächst, ob Sie bereits mit der aktuellen Version arbeiten: Dazu drücken Sie [Windows], geben winver ein und bestätigen mit der Eingabetaste. Es erscheint der kleine Dialog aus Abbildung 1, der die Versionsnummer verrät. Ist Ihre Windows-Version ausreichend aktuell (ab Version 1709), können Sie direkt zum Abschnitt Linux-Subsystem aktivieren springen.

Abbildung 1: Das Tool "winver" zeigt die Versionsnummer an, hier 1709 (Creators Update, Build 16299.98).

Arbeiten Sie noch mit einer älteren Version, öffnen Sie die Systemeinstellungen und wechseln dort zum Bereich Windows Update. Dort sollte der Hinweis "Gute Neuigkeiten! Das Windows 10 Creators Update ist unterwegs …" erscheinen. Klicken Sie auf Ja, was muss ich tun, dann öffnet sich die Windows-10-Download-Seite von Microsoft [3]. Klicken Sie dort auf Jetzt aktualisieren und laden Sie den Updater (Windows10Upgrade9252.exe) herunter, den Sie schließlich ausführen. Zum Testzeitpunkt bot der Updater eine Aktualisierung auf Build 16299 an, wofür Sie einige Minuten Installationszeit einkalkulieren müssen. (Bei unserem Test in einer Windows-VM mit Version 1607, Build 14393.1884 dauerte das Update ca. eine halbe Stunde.)

Alternativ (oder wenn Ihnen das Creators Update nicht angeboten wird) richten Sie die Teilnahme am Windows-Insider-Programm ein (siehe Kasten Windows-Insider-Programm).

Prüfen Sie abschließend mit winver (siehe oben), dass Sie jetzt mindestens mit Version 1709 arbeiten. Falls Ihnen das Update nicht gelungen ist, können Sie nicht fortfahren.

Windows-Insider-Programm

Die aktuelle Windows-Version erhalten Sie eventuell nur, wenn Sie sich für die Teilnahme am Windows-Insider-Programm registrieren. Dazu öffnen Sie die Windows-Einstellungen, darin den Eintrag Update und Sicherheit und klicken dann links unten auf Windows-Insider-Programm.

Wenn Sie eine Schaltfläche Erste Schritte sehen, klicken Sie diese an. Ein Dialog fragt dann nach, ob Sie Insider sind. Klicken Sie dort auf Anmelden. Geben Sie Ihre Zugangsdaten (eines Microsoft-Kontos, das kann z. B. ein Hotmail-Account sein) ein. Windows schlägt vor, diese Zugangsdaten in Zukunft auch für die Windows-Anmeldung zu verwenden – wenn Sie das nicht wollen, klicken Sie auf Nur bei dieser App anmelden.

Nach einigen Sekunden sollte unter der Überschrift Windows-Insider-Konto der Name Ihres Microsoft-Kontos erscheinen (Abbildung 2).

Abbildung 2: In den Systemeinstellungen aktivieren Sie die Teilnahme am Windows-Insider-Programm.

Wechseln Sie zu einem anderen Reiter und dann zurück zu Windows-Insider-Programm; klicken Sie erneut auf Erste Schritte. Jetzt erscheint ein Hinweis (Treten Sie dem Windows-Insider-Programm bei), auf den Sie mit einem Klick auf Registrieren reagieren. Es öffnet sich dann die Insider-Programm-Webseite [4], auf der Sie auf Persönliches Konto registrieren klicken und sich erneut mit Ihrem Microsoft-Konto anmelden. Akzeptieren Sie dann die Programmbedingungen.

Wechseln Sie jetzt zum Reiter Windows Update – das System sucht dann nach Aktualisierungen. Bei unserem (nur in einer virtuellen Maschine betriebenen) Testsystem dauerte diese Suche sehr lang. Danach sollte Ihnen ein Update angeboten werden.

Linux-Subsystem aktivieren

Um das für Windows 10 verfügbare Linux-Subsystem zu aktivieren, gehen Sie folgendermaßen vor (getestet unter Windows-Version 1709, Build 16299.98):

  1. Öffnen Sie das Startmenü, geben Sie den Suchbegriff Windows-Features ein, und klicken Sie den Treffer Windows-Features aktivieren oder deaktivieren an. Es öffnet sich dann ein neues Fenster, das eine Liste verfügbarer Features anzeigt – weit unten in der Liste aktivieren Sie den Eintrag Windows-Subsystem für Linux (Abbildung 3). Nach dem Bestätigen der Änderung ist ein Rechnerneustart nötig – klicken Sie darum im Dialog auf Jetzt neu starten.

    Abbildung 3: Das Linux-Subsystem können Sie über die Systemsteuerung aktivieren.
  2. Öffnen Sie den Microsoft Store und suchen Sie nach Ubuntu oder OpenSuse – Sie können alternativ auch über die Store-Links [5,6] aus einem Browser heraus direkt die richtige App im Store öffnen, das Store-Programm wird dann vom Browser gestartet.
  3. Klicken Sie auf der Seite mit der App-Beschreibung auf Teilnehmen.

Das Store-Programm startet den Download und richtet das gewählte Linux-System ein. Sie können übrigens auch Ubuntu und OpenSuse parallel installieren.

Nach Abschluss des Downloads klicken Sie (noch im Microsoft Store) auf Starten. Es öffnet sich dann ein Terminalfenster, das nur den Text Installing, this may take a few minutes anzeigt und keine Bedienung erlaubt. Nach Ablauf dieser Wartezeit werden Sie aufgefordert, ein Linux-Benutzerkonto einzurichten: Geben Sie dazu den Benutzernamen und zweimal (blind) ein Passwort ein (Abbildung 4). Bei einer OpenSuse-Einrichtung erscheint danach noch die Frage, ob Sie dasselbe Passwort auch für den Administrator root verwenden wollen. (Unter Ubuntu wird wie üblich kein Root-Passwort gesetzt; dort verwenden Sie sudo, um Befehle mit Root-Rechten auszuführen.) Beachten Sie, dass diese Benutzerkonten und Passwörter nichts mit den unter Windows verwendeten Accounts zu tun haben; insbesondere ändern Sie mit der Eingabe in diesem Fenster nicht das Anmeldepasswort Ihrer Windows-Installation.

Nach der Account-Erstellung erscheint ein Shell-Prompt, und Sie können die neue Linux-Installation nutzen (Abbildung 5). Im oberen Fenster läuft die Ubuntu-Bash, und die Farben (schwarz auf hellgelb) haben wir über einen Rechtsklick in die Titelleiste, Auswahl des Menüpunkts Eigenschaften und Anpassungen im Reiter Farben gewählt – standardmäßig sieht das Terminalfenster wie ein Windows-Shell-Fenster aus: Die Abbildung zeigt unten das OpenSuse-Bash-Fenster im Standard-Look.

Abbildung 4: Nach der Installation von OpenSuse oder Ubuntu aus dem Microsoft Store richten Sie ein Benutzerkonto ein. Bei OpenSuse setzen Sie auch ein Root-Passwort.
Abbildung 5: Auf diesem Windows-Rechner wurden Ubuntu und OpenSuse installiert; standardmäßig präsentiert sich die Shell in Weiß auf Schwarz.

Wie die Aufrufe von uname verraten, läuft in beiden Linux-Systemen ein 64-Bit-Kernel mit Versionsnummer 4.4.0-43-Microsoft. Das Ubuntu-System ist auf dem Stand der Distributionsversion 16.04.3 LTS, von OpenSuse landet die aktuellere Version Leap 42.3 auf dem Windows-PC.

Auch bei Integration in Windows will eine Linux-Distribution regelmäßig auf den aktuellen Stand gebracht werden – haben Sie sich für OpenSuse entschieden, erledigen Sie das mit sudo zypper up; für Ubuntu geben Sie sudo apt update und sudo apt upgrade ein und akzeptieren jeweils die vorgeschlagenen Aktualisierungen.

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